Wissenschaftliches Gutachten hat sich erübrigt

Stadtparlament Bad Sooden-Allendorf beschließt Umbenennung des Rädlein-Weges

Soll bald der Vergangenheit angehören: Einstimmig hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Straßenbezeichnung Johannes-Rädlein-Weg zu ändern. 
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Soll bald der Vergangenheit angehören: Einstimmig hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Straßenbezeichnung Johannes-Rädlein-Weg zu ändern. 

Der nach Johannes Rädlein, Badestädter Lehrer und Stadtchronisten mit nationalsozialistischer Vergangenheit, benannte Weg soll umbenannt werden.

Diesen Grundsatzbeschluss fasste das Stadtparlament Bad Sooden-Allendorfs in seiner Sitzung am Freitag im Hochzeitshaus einstimmig. Auf ein wissenschaftliches Gutachten, wie es noch in der vorherigen Sitzung gefordert worden war, verzichten die Stadtverordneten.

Bürgermeister Frank Hix (CDU) hatte den nach Kritik im Finanzausschuss zwei Tage zuvor nachträglich noch auf die Tagesordnung genommenen Antrag damit begründet, dass die Stadtarchivarin und promovierte Historikerin Dr. Antje Laumann-Kleineberg dem Magistrat die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit zur Person Rädlein zwischenzeitlich dargelegt habe.

Bad Sooden-Allendorf: Weiteres Gutachten nicht nötig

Ein wissenschaftlicher Gutachter könne die von ihr eingesehenen Unterlagen auch nur noch einmal sichten, so Hix. Daher sei ein kostenträchtiges Gutachten nicht erforderlich. Der Magistrat sei zu der Erkenntnis gekommen, dass Rädlein ein „aktiver Unterstützer“ der Nationalsozialisten gewesen sei.

Die Umbenennung ohne Gutachten sei der Antrag der Freien Wähler schon in der Oktober-Sitzung gewesen, sagte Sprecher Lorenz Faßhauer und warf dem Magistrat damit vor, sich jetzt mit fremden Federn schmücken zu wollen. Nur die Grünen hatten vor sieben Wochen den FWG-Antrag unterstützt.

Thema mit anderen Historikern aufarbeiten

Gegen die Unterstellung in der Öffentlichkeit, dass man mit der Forderung nach einem Gutachten Kosten verursachen wollte, wandte sich SPD-Fraktionschef Peter Hieronimus. Das Thema sollte nur mit anderen Historikern auf- und abgearbeitet werden. 

Absicht sei gewesen, dass die Original-Dokumente auch für die Stadtverordneten und Publikum öffentlich geworden wären, beklagte FDP-Sprecher Dr. Hartmut Dunkelberg aber, dass dies bislang nicht geschehen ist.

Straßenname soll politische Bedeutung haben

Ein Plädoyer, die Öffentlichkeit nun beim Verfahren der Straßenumbenennung einzubeziehen, hielt Martin Herrmann (Grüne). Dafür müsse noch Weg gefunden werden, wandte er sich an Bürgermeister Hix mit der Bitte, einen Ablauf dafür zu entwickeln.

Der künftige Straßenname müsse auch eine politische Aussage enthalten, sprach sich Herrmann deutlich gegen einen „Blümleinweg“ aus. Sonst könne man die Straße auch in „Unter-den-Teppich-gekehrt-Weg“ umbenennen.

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