Protest lieber vor dem Landtag

Bürgermeister von Lindewerra: Demonstrationen gegen AfD-Politiker Höcke gehören nicht nach Bornhagen

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Hier soll wieder Ruhe einkehren: Für Bornhagen wünscht sich der Bürgermeister des Nachbardorfes Lindewerra, Gerhard Propf, dass Demonstrationen künftig in Erfurt, dem Sitz des Landtages, stattfinden.

Lindewerra/Bornhagen. Ein Satz stößt Gerhard Propf, parteiloser Bürgermeister im thüringischen Lindewerra, bitter auf. Er stammt von der Linken-Bundestagsabgeordneten Martina Renner.

Sie sagte während der jüngsten Demonstration am 20. Dezember in Lindewerras Nachbardorf Bornhagen: Die Demonstranten gehen dahin, wo rechte Propaganda betrieben werde. Damals war zum Unterstützungsmarsch aufgerufen worden für das Künstlerkollektiv Zentrum für politische Schönheit, das im Nachbargarten von AfD-Politiker Björn Höcke Stelen errichtet hatte.

Hier werde ein ganzes Dorf mit einer Partei gleich gesetzt, findet Propf. „Ich möchte mich vor Bornhagen stellen.“ Björn Höcke würde in Bornhagen keine Politik machen, „sondern im Landtag“. Dann gehöre der Protest auch dorthin. In der jetzigen Art und Weise sei er nicht in Ordnung.

Gerhard Propf

„Es kann jedem Dorf passieren, dass jemand dort ein Haus kauft und danach Politik macht“, sagt Propf. Und: „Ich bin kein Freund von Herrn Höcke, aber er wurde demokratisch gewählt.“ Sowohl seine Frau als auch die vier Kinder könnten nicht verantwortlich gemacht werden, hätten aber unter der Situation zu leiden. Außerdem gebe es in Bornhagen zum Beispiel seit 1989 zwei Wohnblocks der ehemaligen DDR-Armee, in denen erst Spätaussiedler und dann Flüchtlinge untergebracht sind und um die sich Ehrenamtliche aus Bornhagen kümmern.

Zwar hätten 33 Prozent der Bornhager Wähler bei der jüngsten Bundestagswahl für die AfD gestimmt, sagt Propf.

Das bedeute aber auch, dass 66 Prozent dies eben nicht getan hätten. Zudem: Wenn oft vor dem eigenen Haus demonstriert werde, „dann schlägt das Wahlverhalten um“, sieht Propf im AfD-Ergebnis auch einen Protest gegen die jüngsten Geschehnisse.

Aus Bornhagen habe er bereits Zustimmungsbekundungen bekommen, berichtet Propf, unter anderem von seinem Amtskollegen Mario-Paul Apel (parteilos). „Ich war froh, dass er zeitnah als Nachbarbürgermeister eingesprungen ist“, sagt dieser. 

Mario-Paul Apel

Stehe eine Demonstration im Ort an, sei die Stimmung „niederschmetternd“, so Apel, „weil die Leute es satthaben“.

Björn Höcke antwortete nicht auf die Anfrage, wie seine Familie mit Situationen wie den Demonstrationen umgeht. Der Pressereferent der AfD-Landtagsfraktion gab dafür zeitliche Gründe an. 

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