„Es ist so einfach, Leben zu retten“: SV-Adler-Stürmer Jan Gerbig hat es mit Stammzellen getan

Lebensretter: Jan Gerbig hat mit einer Stammzellenspende einen Menschen vor dem sicheren Tod bewahrt. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf/Weidenhausen – So richtig begreifen kann er es immer noch nicht. Mit einer Stammzellenspende hat der 24-jährige Jan Gerbig aus Bad Sooden-Allendorf einen am Blutkrebs erkrankten Menschen vor dem sicheren Tod bewahrt.

„Ich bin überrascht, wie einfach es ist, ein Leben zu retten“, gestand er am Wochenende am Rande eines Gesundheitssymposiums in der Diploma-Hochschule, wo er bei den Teilnehmern und Besuchern dafür warb, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen.

Bei einem DKMS-Termin in Melsungen hatte sich der junge Mann, der vielen Sportfreunden auch als Fußballer des SV Weidenhausen bekannt ist, im Herbst 2016 typisieren lassen. Und womit man nicht unbedingt rechnen konnte: Mehr als 18 000 Gewebemerkmale, die in Abermillionen Kombinationen auftreten können, stimmten exakt überein mit denen eines an Leukämie erkrankten Mannes. Seinen Namen kennt Jan bis heute nicht, auch nicht sein Alter, nur, dass er in Deutschland lebt.

Zwei Jahre bleiben die Daten des jeweils Anderen anonym. Gestattet ist in dieser Zeit lediglich ein brieflicher Kontakt. Und in der Post, die schon viermal hin und her ging, haben sich Spender und Empfänger schon versichert, dass sie sich nach Ablauf der Frist noch in diesem Sommer gern kennlernen möchten.

„Es ist ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass der Andere glücklich ist“, beruft sich der 24-Jährige auf ein emotionales Schreiben des Unbekannten. Seit 2015 studiert Jan Gerbig in Kassel die Fächer Deutsch und Sport auf Lehramt und wird sich noch in diesem Sommer zum Examen anmelden. Seine drei Jahre jüngere Schwester Alisa will ebenfalls zurück in die Schule und studiert dazu Englisch und Sport in Göttingen.

Wie der Bruder hat sich auch Alisa typisieren lassen und ist jetzt unter mehr als acht Millionen Menschen eine potenzielle Lebensretterin. (zcc)

„Stäbchen rein, Spender sein“

Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Dabei bekommt in Deutschland alle 15 Minuten ein Patient die Diagnose Blutkreb (Leukämie). Der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender. Noch immer findet jeder zehnte Patient in Deutschland keinen passenden Spender. Das ist der Grund, weshalb die DKMS so viele freiwillige Stammzellspender braucht. Mit den Wattestäbchen nehmen die Freiwilligen Abstriche von ihrer Wangenschleimhaut („Stäbchen rein, Spender sein“) und schicken diese samt ausgefüllter Einverständniserklärung wieder an das DKMS-Labor zurück. Nach der Registrierung speichern sie die Untersuchungsergebnisse des Wangenabstrichs in der Datei und stellen diese anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung. Wird der passende Spender für einen Patienten gefunden, nimmt die DKMS Kontakt mit ihm auf. In etwa 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen (Periphere Stammzellenspende). Es ist keine Operation notwendig. In den anderen Fällen ist eine Knochenmarkspende nötig. Bei dieser Methode wird dem Spender unter Narkose aus dem Beckenkamm etwa fünf Prozent seines Knochenmarks entnommen. Innerhalb von zwei bis vier Wochen regeneriert sich das Knochenmark beim Spender. (ts)

www.dkms.de

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