Gebürtige Badestädterin Simone Wiechern lebte 17 Jahre mit Beduinen in der Wüste

Simone Wiechern Autorin Simone Wiechern Autorin

Bad Sooden-Allendorf – 17 Jahre lang hat Simone Wiechern mit Beduinen in der Wüste gelebt. Dabei wollte sie nur mal während einer Auszeit ihre Arabisch-Sprachkenntnisse verbessern.

Das ist schon eine außergewöhnliche Geschichte: Von ihren letzten Ersparnissen kaufte sie ein Kamel, um damit Ausflugstouren anbieten zu können. Erst danach lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen, einen Beduinen – mit ihm bekam sie drei Söhne.

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Was die 50-Jährige einst so an Land und Leuten der großen, zu Ägypten gehörenden Halbinsel Sinai faszinierte, hat sie jüngst in einer spannend zu lesenden Teilbiografie („Fliegende Teppiche“) auf 412 Seiten niedergeschrieben. Sie gewährt nicht nur Einblicke in eine andere Welt, sondern auch in die Gefühlswelt einer freiheitsliebenden Frau („Einem beduinischen Mann war eine Frau lieber, die kuschte und klein blieb, als eine, die stark war und ihren eigenen Willen hatte. Konnte ich das, mich so klein machen?“).

Aus ihrem Buch liest Simone Wiechern am Samstagabend, 9. März, in ihrer alten Heimat – Bad Sooden-Allendorf. Hier wuchs sie nämlich seit dem fünften Lebensjahr auf und verließ die Badestadt erst 1987. Anfang der 2000er-Jahre, nun in Berlin zuhause, flog Simone Wiechern mit Freunden das erste Mal nach Ägypten und lernte den wüstenhaften Sinai kennen. Bei einem späteren Aufenthalt dort „war es eine knappe Stunde, in der ich mich entschied, mein gesamtes bisheriges Leben vollkommen über den Haufen zu werfen“, erinnert sie sich an ihren Entschluss, ihr weiteres Leben als nomadische Wüstenbewohnerin in Gemeinschaft mit Beduinen zu führen.

Es wird ein für westliches Verständnis außergewöhnliches Leben, das für Simone Wiechern nicht nur „sehr viele gute Zeiten“ hat, wie sie im Epilog schreibt, sondern auch harte Zeiten. Was vor allem mit ihrem Mann Samir zu tun hat, weil dieser „den falschen Weg einschlug“ und für sie zur Folge hatte, dass sie zehn Jahre länger im Sinai blieb als gewollt. Und dennoch: „Ich würde diese Entscheidung immer wieder treffen und auf den fliegenden Teppich aufspringen, wenn er verlockend mit den Fransen winkt“, betont die 50-Jährige, der 2011 die Ausreise mit ihren mittlerweile fünf Söhnen nach Deutschland gelang.

Bis vor einem Jahr wohnte Simone Wiechern, die sich mit ihrer Malerei selbstständig gemacht hat, wieder an der Werra.

Zur Person

Simone Wiechern wurde Anfang 1969 in Eschwege geboren und wuchs ab 1973 in Bad Sooden-Allendorf auf. Sie ist die Tochter von Renate Wiechern, die damals zusammen mit ihrem Stiefvater das „Haus in der Sonne“ (heute der derzeit geschlossene „Tanzpalast Sonne“) am Holzstad besaß. 1987 ging die Badestädterin für eine Ausbildung als Bauzeichnerin nach Itzehoe und Hamburg, dann nach Krefeld und Düsseldorf. Bis 1993 holte sie in Berlin ihr Abitur nach. Anschließend studierte sie Arabistik, die Wissenschaft von der arabischen Sprache und dem arabischen Schrifttum. Heute lebt die Künstlerin in Gladbeck.

Lesung

Samstag, 9. März, ab 18 Uhr in der Café-Bar Zweistein, Am Bahnhof 2 in Bad Sooden-Allendorf. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Simone Wiecherns Taschenbuch „Fliegende Teppiche“ (412 Seiten, ISBN 978-3-746788-27-2; 15,99 Euro) kann an diesem Abend auch direkt vor Ort erworben werden – und wird auf Wunsch auch signiert.

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