Gemeinsam statt einsam: Der  Seniorentreffpunkt macht aus der Not eine Tugend

Das Stammpersonal bereitet das Mittagessen vor: Connie Knabe (von links), Ursel Lange, Mike Kern, Hedwig Kleinecke, Frank Goldmann und Didi Kern. Foto: Chris Cortis

Jeden Donnerstag bleibt die eigene Küche kalt. Dann lockt in Bad Sooden-Allendorf nicht nur der Wochenmarkt, sondern einen Steinwurf weiter auch der städtische Seniorentreffpunkt.

Für jeden, der mag, gibt es  eine warme Mahlzeit, frisch zubereitet aus regionalen Produkten und gegen billiges Geld.

Seit sechs Jahren gibt es dieses Angebot, von dem nicht nur, aber vornehmlich ältere Menschen gern Gebrauch machen, weil sie dort zu einem Schwätzchen regelmäßig Freunde oder Bekannte treffen, zum Teil aber auch der Einsamkeit entfliehen möchten.

Feste Preise für die Wohltaten gibt es nicht. Die Sparschweine, die auf jedem Tisch stehen, füttern die hungrigen Gäste mit dem, was ihr Budget hergibt. „Es war auch schon mal ein Knopf da drin“, weiß Didi Kern, dass die Altersarmut allgegenwärtig ist. Mit ihrem Mann Mike, der praktischerweise Koch ist und im Rheinland ein Restaurant geleitet hat, gehört sie seit drei Jahren zum Stammpersonal der Küche.

Das ist, ergänzt durch Irmtraud Grafe, Hedwig Kleinecke, Connie Knabe, Ursel Lange und Frank Goldmann, an diesem Donnerstag fast vollzählig erschienen, um das Mittagessen für bis zu 40 Personen vorzubereiten. Ausnahmsweise nicht dabei sein kann an diesem Tag Annerose Wernicke, die über viele Jahre die jungen Leute im früheren Sportinternat bekocht hat.

Reibekuchen mit Apfelmus steht auf der Speisekarte. Zwischen 64 und 79 Jahre alt sind die guten Geister, die allesamt dem örtlichen Sozialkreis angehören und ehrenamtlich in stundenlanger Arbeit aus 15 Kilogramm Kartoffeln, sechs Kilo Zwiebeln und 30 Eiern 140 Portionen anfertigen. Salz und Pfeffer dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und als süße Komponente werden mehr als zehn Kilogramm Apfelmus portioniert.

Mit dem wöchentlichen Mittagstisch, der mehr Geld einbringt, als der Wareneinsatz kostet, wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Vor sieben Jahren, als die hoch verschuldete Kommune unter den Schutzschirm des Landes kroch, stand die Existenz des Seniorentreffpunktes auf der Kippe. Die Stadt nämlich hatte dieser sozialen Einrichtung zur Auflage gemacht, aus eigener Kraft ein Drittel der laufenden Kosten einzusparen, erzählt die Leiterin Alexandra Kobusch. So sei zunächst eine Kaffeestube ins Leben gerufen worden, um bald darauf die warme Mahlzeit als Dauereinrichtung zu etablieren.

Neben dem Sozialkreis leisteten auch die ehemaligen Ehrendamen des Erntedank- und Heimatfestes ihren Beitrag zum Erhalt des Seniorentreffpunktes. cc

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