Mann wanderte bereits 35.260 Kilometer

Wie ein Marsch um die Erde: Weitwanderer Folke Ludewig zieht wieder los

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Auf dem Sprung zur letzten Etappe seiner „Erdumrundung“: Folke Ludewig, der vor gut elf Jahren seine Extrem-Wanderungen begann. 

Bad Sooden-Allendorf. Auf Schusters Rappen hat Folke Ludewig schon 35.260 Kilometer zurückgelegt. Noch in diesem Jahr soll die magische Grenze von 40.075 Kilometern fallen - das entspricht einer Erdumrundung.

Für den 61-Jährigen gewinnt die Globalisierung damit eine ganz neue Bedeutung.

Der Extrem-Wanderer, der just dabei ist, sein kleines Apartment in Bad Sooden-Allendorf aufzulösen, und immer dort zu Hause ist, wo er als Freiberufler gerade Arbeit findet, wollte eigentlich etwas kürzer treten, nachdem er in den beiden Vorjahren insgesamt 5500 Kilometer unter die Füße genommen hatte.

Dieses Pensum möchte der Mann, dessen Elternhaus in Hemeln an der Weser steht, bis Ende Oktober sogar übertreffen. So startet er im Februar vom südspanischen Sevilla aus auf dem Jakobsweg ins nördliche Santiago de Compostela, dann durch ganz Frankreich bis nach Deutschland. Weil das aber „nur“ ungefähr 3700 Kilometer sind, hängt er nach dreiwöchiger Pause noch einen 2800 Kilometer langen Klostermarsch rund um sein Heimatland an. Dann fügt er jene Erkenntnis zu, mit der er schon immer gut gefahren – pardon: gelaufen – sei: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“

62 Kilo, verteilt auf 170 Zentimetern, bringt das Leichtgewicht auf die Waage, will sich wie bei den Märschen zuvor von trockenem Brot, Äpfeln und Wasser ernähren. „Ich bin kein Hape Kerkeling“, der, wenn er „mal weg“ ist, sich ein sanftes Ruhelager aussuchen könne, spielt Ludewig auf seine begrenzten finanziellen Möglichkeiten an. Jeden Monat habe er fixe Kosten, etwa für Krankenkasse oder Handy. Da blieben ihm für seine Gewaltmärsche maximal zehn Euro am Tag.

Übernachten wird er vorwiegend unter freiem Himmel. Deswegen zieht er ständig einen einachsigen Handkarren hinter sich her, beladen mit den nötigsten Utensilien: Zelt, Iso-Matte, Decke, Rucksack, Schuhe, Wäsche, Klamotten, Kanister und, und, und. Streng achtet er darauf, dass ein Gesamtgewicht von 100 Kilogramm nicht überschritten wird. Denn: „In den Bergen kostet das viel Kraft.“

Weitermachen wolle er, „solange ich es noch kann“, sagt der Tausendsassa, der schon mal auf einem Weingut Reben ausschneidet oder bei Amazon Päckchen packt, eigentlich aber Landwirt werden wollte. Und was fasziniert ihn an seinem Hobby? „Das Gefühl der Freiheit und die Herausforderung, an seine eigenen Grenzen zu gehen.“

Unsere Zeitung begleitet Folke Ludewig seit Jahren auf seinen Touren. Eigentlich hatte er 2016 schon mit dem Weitwandern aufhören wollen, doch jetzt reizt es den 61-Jährigen noch einmal. 2015 war Ludewig von Kloster zu Kloster gewandert.

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