„Bemühungen sind ins Leere gelaufen“

Automobilzulieferer JD Norman schließt definitiv zum 30. September

Hier werden die Türen bald ein letztes Mal geschlossen: Das JD-Norman-Werk in Witzenhausen.
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Hier werden die Türen bald ein letztes Mal geschlossen: Das JD-Norman-Werk in Witzenhausen.

Der Automobilzulieferer JD Norman Industries in Witzenhausen macht dicht. Jetzt meldet sich das hessische Wirtschaftsministerium zu Wort.

Update vom Dienstag, 15.09.2020, um 17 Uhr: Im Nachgang zu unserer Berichterstattung hat sich Franziska Richter, Pressesprecherin des hessischen Wirtschaftsministeriums gemeldet. „Wir verstehen die Enttäuschung und Verzweiflung der Belegschaft von JD Norman in Witzenhausen, aber die Aussage des Betriebsratsvorsitzenden ist falsch: Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat in zwei Schreiben an die Abgeordnete Lena Arnoldt deutlich gemacht, dass das Land eine Unternehmensübernahme, die den hessischen Standort betrifft, mit einer Landesbürgschaft unterstützen kann“, heißt es in der Mitteilung. Das Angebot sei weiterhin gültig.

„Bis zur Einleitung des Insolvenzverfahrens waren die Spritzgussteile aus Witzenhausen im VW-Werk in Baunatal verbaut worden“, so Richter. Darum habe sich Minister Tarek Al-Wazir an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann als Vertreter des VW-Gesellschafters Niedersachsen gewandt und um Unterstützung gebeten. Denn um das Werk in Witzenhausen fortführen zu können, bedürfe es einer sicheren Abnahme der hessischen Produkte im VW-Werk in Baunatal. Und es würde dem Betrieb Zeit verschaffen, sich neu aufzustellen.

Originalmeldung vom Dienstag, 15.09.2020, um 12 Uhr: Witzenhausen – Nun haben die Mitarbeiter des Automobilzulieferers JD Norman Industries (ehemals Rege) traurige Gewissheit: Am 30. September schließt das Unternehmen sowohl in Witzenhausen als auch im thüringischen Hörselberg-Hainich die Tore.

„Unsere Bemühungen sind ins Leere gelaufen. Es gab noch nicht mal eine Antwort vom Minister“, sagt der Betriebsratsvorsitzende des Witzenhäuser Standorts, Werner Hiebenthal, und bezieht sich damit auf ein Schreiben der heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Lena Arnoldt nebst Kreistagsfraktion, die Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir um Hilfe für das Werk ersucht hatten (HNA berichtete).

Zwei Monate über den 30. September hinaus werden noch rund sieben Personen den Betrieb abwickeln, erklärt Hiebenthal. Ebenfalls noch länger beschäftigt – allerdings bezahlt freigestellt – sind 19 Schwerbehinderte. Ihrer Kündigung musste das Integrationsamt zustimmen, was laut Pressesprecherin Ilka Stieler verspätet geschehen ist, wie sie gegenüber der Thüringer Allgemeinen betonte. Fünf von ihnen beenden das Arbeitsverhältnis nun Ende Oktober, 14 gehen Ende November, erklärt Hiebenthal.

Aufgeben will der Betriebsratsvorsitzende trotz der Schließung nicht. „Ich weiß, dass am 30. September Schluss ist“, trotzdem werde er weiter dafür kämpfen, dass das Werk mitarbeitergeführt wieder eröffnet wird. Dazu werde er sich mit einem möglichen Geschäftspartner aus der Region zusammensetzen.

Bereits Ende Juni hatte der Insolvenzverwalter Dr. Holger Leichtle von Schultze & Braun mitgeteilt, dass trotz Ansprache von mehr als 550 nationalen und internationalen potenziellen Investoren niemand gefunden wurde. Betroffen von den Schließungen der beiden Standorte sind in Witzenhausen nach dem letzten Stand rund 140 Mitarbeiter, in Hörselberg-Hainich sind es 450 Beschäftigte. (nde)

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