Förster sprechen von „apokalyptischen Zuständen“ im Kaufunger Wald

Borkenkäfer vernichtet Fichten im Werra-Meißner-Kreis

Ein Förster steht vor einer Fläche, auf der ehemals Fichten standen, jedoch dem Borkenkäfer zum Opfer fielen.
+
Setzt bei der Wiederaufforstung unter anderem auf Traubeneichen: Hessisch Lichtenaus Forstamtsleiter Matthias Dumm.

Der Borkenkäfer droht die Fichtenbestände im Werra-Meißner-Kreis komplett zu vernichten. Große Flächen im Kaufunger Wald sind bereits kahl. Von „apokalyptischen Zuständen“ spricht der Leiter des Forstamts Hessisch Lichtenau, Matthias Dumm.

Werra-Meißner – „Die Fichte verabschiedet sich bei uns im Werratal gerade zu 100 Prozent“, berichtet Melchior von Bodenhausen, dessen Familie bei Ermschwerd über 690 Hektar Wald verfügt – zu einem guten Drittel Fichtenwald. „Wenn das so weitergeht, wird der Wald, wie wir ihn kennen, nicht mehr zu retten sein“, meint Dumm. Noch kämpfen die 60 Mitarbeiter seines Forstamts, um der Käferplage Herr zu werden.

Ständig sind die Hessenforst-Mitarbeiter auf der 50 Quadratkilometer großen Fläche des Gutsbezirks Kaufunger Wald unterwegs, um befallene Bäume zu finden. Entdecken sie welche, ist rasch zu handeln. Innerhalb von acht Wochen nach Eiablage reifen die Insekten heran – bis zu 3500 Käfer pro Baum. Wird die Fichte nicht rechtzeitig gefällt und aus dem Wald geholt, befällt die neue Käfergeneration Bäume im Umkreis von 15 Kilometern. Dort schwärmen dann acht Wochen später erneut jeweils 3500 Käfer aus.

„Unter normalen Verhältnissen weiß sich die Fichte zu wehren“, betont Forstamtsleiter Dumm. Grabe die Käferlarve Gänge in die Rinde, füllten sich die Löcher mit Harz. Die meisten Larven verendeten. Dass die Käferbestände wüchsen, habe mit vermehrten Stürmen zu tun. Umgeworfene Bäume könnten sich nicht mehr gegen die Larven wehren. Vom Käfer befallener Windwurf sei daher ebenfalls rasch aus dem Wald zu entfernen.

„Orkan Friederike warf im Januar 2018 derart viele Bäume um, dass wir mit dem Räumen nicht schnell genug waren“, berichtet Dumm. Die jungen Käfer trafen dann auf Fichten, die durch den heißen, trockenen Sommer 2018 geschwächt waren. Die Bäume konnten kaum Harz produzieren. Der trockene Sommer 2019 ließ die Käferbestände weiter wachsen. In diesem Jahr treffen die Insekten auf etwas widerstandsfähigere Bäume, da es wieder mehr regnet und nicht ganz so heiß ist.

Aufgrund des vielen Käferholzes sind die Preise eingebrochen. „Vor Friederike gab es für den Festmeter Fichte 90 Euro“, sagt von Bodenhausen. Heute seien es 30 Euro. Er exportiere zurzeit viel nach China. Noch könne er kostendeckend wirtschaften. Bei einigen Genossenschaftswäldern mit anderer Kostenstruktur sei das nicht mehr der Fall. „Wir lagern einen Teil des Holzes nass ein“, verrät Dumm. Hessenforst hoffe, dass die Preise in den kommenden Jahren wieder anzögen.

„Für den Forst gewinnen die Windrad-Einnahmen derzeit erheblich an Bedeutung“, betont der Forstamtsleiter. „Unsere Verbände setzen sich dafür ein, dass auf Problemflächen künftig Fotovoltaikanlagen möglich sind“, berichtet von Bodenhausen. „Wir müssen aktuell ein Fünftel unserer Fläche wieder aufforsten“, sagt Dumm.

Naturverjüngung, bei der man die Bäume wachsen lasse, die von alleine sprießten, sei die beste Option. Der Wurzelballen bleibe bei solchen Sprösslingen anders als bei Jungpflanzen aus der Baumschule unangetastet. Die kleinen Bäume kämen so besser mit Trockenheit klar. Ohne forstwirtschaftliche Eingriffe würden jedoch die dicht stehenden Jungbäume in die Höhe schießen. Die dünnen Stämme knickten dann beim nächsten Sturm um.

Von Michael Caspar

Die Larven des Borkenkäfers graben charakteristische Muster in die Rinde befallener Bäume. Sie haben dem Insekt den Namen Buchdrucker eingebracht.
Trockenheit macht selbst 100-jährige Fichten anfällig gegenüber dem Borkenkäfer: Die Bäume können dann die Larven nicht mehr mit vermehrter Harzproduktion

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare