Wirbel um Protokoll des Finanzausschusses

Causa Rädlein: Nachtreten gegen Stadtarchivarin nach zwei Jahren

Sollte ermahnt werden: Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg.
+
Sollte ermahnt werden: Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg.

Weil Bad Sooden-Allendorfs Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg nicht zuerst den Magistrat, sondern die Presse informiert habe, soll sie vom Bürgermeister ermahnt werden.

So steht es im Protokoll von der Sitzung des Finanzausschusses Ende Oktober bezüglich des Tagesordnungspunktes Johannes-Rädlein-Weg. Der Niederschrift zufolge stammen Kritik und Aufforderung vom SPD-Stadtverordneten Stefan Scharf.

Diesen Passus nahm FDP-Fraktionschef Dr. Hartmut Dunkelberg zum Anlass für eine Anfrage an den Magistrat, die Bürgermeister Frank Hix in der jüngsten Parlamentssitzung beantwortete.

Kritik an der Stadtarchivarin wurde in öffentlicher Sitzung geäußert

Da die Kritik an der Stadtarchivarin in öffentlicher Sitzung und im Beisein führender Vertreter des Magistrats geäußert wurde, wollte Dunkelberg wissen, ob der Magistrat die Behauptung teilt, dass Laumann-Kleineberg vor dem Magistrat die Presse informiert hat. 

Und ob, so die zweite Frage des Liberalen, sich der Magistrat von der Aufforderung distanziere, die Autorin des Beitrags über die nationalsozialistische Vergangenheit des Lehrers Rädlein, der in der 2018 erschienenen Stadtchronik abgedruckt ist, zu ermahnen.

Hix: Stadträte und er hätten keine Veranlassung gesehen, jemanden zu ermahnen

Die Stadträte und er hätten keine Veranlassung gesehen, „jemanden zu ermahnen“, stellte Hix in seiner Antwort vor dem Parlament gleich klar. An ein solches Verlangen fühle er sich auch nicht gebunden, erklärte er gegenüber unserer Zeitung auf Nachfrage. Einen derartigen Fall habe es während seiner Amtszeit auch noch nicht gegeben.

Man kritisiere aber auch niemanden, der die 800 Seiten der Chronik nicht komplett gelesen habe, so der Bürgermeister vor dem Parlament. Die Archivarin sei davon ausgegangen, dass Chronik und Vortrag ausreichten, um sich mit einer Straßenumbenennung zu befassen.

Scharf weist Kritik von sich 

Stadtverordneter Scharf bestätigte auf Anfrage seine im Sitzungsprotokoll wiedergegebene Kritik an der Vorgehensweise von Laumann-Kleineberg. Dazu stehe er auch, sagte er. Dass die Aufforderung zur Ermahnung der Stadtarchivarin, wie in der Niederschrift über die Ausschusssitzung festgehalten, ebenfalls von ihm stammt, wies Scharf gegenüber unserer Zeitung aber zurück. Und über die Anfrage der FDP jetzt habe er „etwas geschmunzelt“.

Dunkelberg ist die Sache hingegen ernst. „Ich halte es für problematisch, dass ein Bürger kritisiert wird und vom Bürgermeister ermahnt werden soll“, sagte er unserer Zeitung. Derartiges müsse im Keim erstickt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare