Corona-Testung nach Kontakt zu Infiziertem  - „Eine einzige Odyssee“

Zwei Männer sitzen am Tisch 
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Steiniger Weg zum Corona-Test: die Arbeitskollegen Dirk Hast (links) und Michael Axt.

Mehr als ein halbes Dutzend Ärzte mussten zwei Männer aus Bad Sooden-Allendorf abklappern, ehe ihnen dann in Niedersachsen geholfen werden konnte. Sie wollten sich einem Corona-Test unterziehen. 

Bad Sooden-Allendorf – Sie waren der Verzweiflung nahe: „Eine einzige Odyssee.“ So kommentierten Dirk Hast (56) und Michael Axt (35) ihre lange Zeit erfolglosen Versuch, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Telefonisch, zu Fuß und per Auto klapperten die beiden Arbeitskollegen aus Bad Sooden-Allendorf mehr als ein halbes Dutzend Mediziner ab, ehe ihnen im Nachbarland Niedersachsen geholfen werden konnte.

Rückblende: Am Montag vergangener Woche klagte ein weiterer Mitarbeiter der Firma, bei der auch Hast als Techniker und Axt als Kaufmann beschäftigt sind, über Unwohlsein und Fieber. Es war sein erster Arbeitstag nach einem Kroatien-Urlaub. Zwei Tage später bestätigte ein Test den Verdacht: Der Mann hatte sich mit dem Virus infiziert.

Firma schickte Mitarbeiter zur Testung 

Sicherheitshalber schickte die Firma am Donnerstagmorgen die gesamte Belegschaft nach Hause, um sich testen zu lassen, selbst wenn sie mit dem Erkrankten keinen Kontakt gehabt hätten. Noch auf der Rückfahrt riefen die beiden Arbeitskollegen die bundesweite Bereitschaftsdienstnummer 116 117 an und erhielten den Hinweis, sich beim Hausarzt zu melden. 

Anrufbeantworter lief in vier Praxen 

In vier Arztpraxen, schildern die zwei, habe in Bad Sooden-Allendorf der Anrufbeantworter per Bandansage vermeldet, die Allgemeinmediziner befänden sich in Urlaub. Man möge sich doch – bitteschön – an die örtlichen Vertreter wenden. Da blieben nur noch zwei Praxen übrig. In der einen hieß es, man teste nicht. Fehlanzeige auch in der anderen, die zwar Bluttests auf Corona vornimmt, aber keine Nasen- oder Rachenabstriche und generell keine Tests, wenn der mögliche Patient die Praxisräume bereits betreten hat. Begründung: Falls der Test positiv ausfalle, müsse die Praxis zwei Wochen geschlossen werden.

Deshalb weist ein Schild an der Eingangstür zur Praxis darauf hin, vor einem Test müsse man sich „telefonisch anmelden“. Diesen Hinweis, versicherte eine Mitarbeiterin gegenüber unserer Zeitung, gebe es seit dem Ausbruch der Pandemie. 

Pandemiekrankenhaus Witzenhausen weist Männer ebenfalls ab 

In ihrer Not wandten sich die Arbeitskollegen an das als Corona-Klinik eingestufte Krankenhaus in Witzenhausen. Aber auch dort hatten sie kein Glück: „Es ist gemäß den gesetzlichen Regularien im Gesundheitswesen nicht vorgesehen, dass Krankenhäuser Corona-Tests für jedermann durchführen“, bestätigt Florian Künemund, Sprecher des Klinikums. Nur stationäre Patienten, Personal und ambulante Patienten, die eine OP, Magenspiegelung, Bronchoskopie oder Ähnliches hätten, würden von ihnen getestet. „Ansonsten sind für die Tests niedergelassene Kollegen zuständig. In Eschwege und anderen Orten im Kreis gibt es dafür unseres Wissens nach spezielle Test-Standorte.“ Letzte Anlaufstelle: das Gesundheitsamt in Eschwege. Von dort sei man an das Ärztehaus in der Kreisstadt verwiesen worden.

Göttinger Arzt testet die Männer 

Die rettende Idee kam Elisabeth Hast, die mit ihrem Mann vor dem Umzug nach Bad Sooden-Allendorf in Göttingen gelebt hat. Sie erinnerte sich an ihren früheren Hausarzt in der niedersächsischen Universitätsstadt. Ein kurzer Anruf – und 40 Minuten später stand der Mediziner mit Maske und Handschuhen auf einem Parkplatz in der Nähe seiner Praxis. 24 Stunden später das Testergebnis: beide negativ. Kosten: null Euro.

So sehr die Arbeitskollegen die „souveräne Freundlichkeit“ des Arztes rühmen, so unverständlich ist ihnen, wie es sein kann, dass in der Kurstadt von sechs niedergelassenen Allgemeinmedizinern vier gleichzeitig Urlaub machen.

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