Coronavirus im Werra-Meißner-Kreis

Ansteckungsgefahr senken - Viele Unternehmen im Werra-Meißner-Kreis nutzen Homeoffice

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50 Beschäftigte sind im Homeoffice, 40 Kollegen arbeiten in anderen Filialen, damit ihre Abteilung bei einem Verdachtsfall nicht komplett in Quarantäne muss: Standort Witzenhausen der VR-Bank Mitte.

Wegen des Coronavirus lassen auch im Werra-Meißner-Kreis viele Unternehmen ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice heraus arbeiten.

Werra-Meißner Viele Betriebe im Kreis bieten derzeit Beschäftigten die Arbeit zuhause an. Das senkt die Ansteckungsgefahr, ermöglicht Beschäftigten in Quarantäne die Weiterarbeit und kommt Eltern entgegen, die sich zuhause um ihre Kinder kümmern müssen.

„50 unserer 430 Mitarbeiter sind derzeit im Homeoffice“, berichtet Personalmanagerin Olivia Gümpel von der VR-Bank Mitte in Duderstadt. Weitere 40 Beschäftigte arbeiteten nun in einer anderen Filiale als sonst. So stelle die Bank sicher, dass Kollegen in Schlüsselbereichen, etwa in der Kreditabteilung, nicht gleichzeitig in Quarantäne müssten.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Im Homeoffice gelten auch Arbeitsschutzbedingungen

„Da im Homeoffice die gleichen Arbeitsschutzbedingungen gelten wie im Büro, besucht ein Mitarbeiter die Kollegen zuhause“, führt Gümpel aus. Stühle, Schreibtische und Beleuchtung würden überprüft und gegebenenfalls auf Kosten der Bank ausgetauscht. So sicherten sie sich gegen Haftungsansprüche bei Unfällen und Gesundheitsschäden. Das Institut stelle zudem den Bildschirm und den besonders geschützten Rechner. Der Arbeitsraum müsse sich abschließen lassen, damit das Bankgeheimnis gewahrt bleibe.

Auch die Software-Firma Adaica aus Witzenhausen nutzt Homeoffice: „Unsere vier Beschäftigten in Witzenhausen arbeiten derzeit aufgrund von Corona zuhause“, berichtet Ingenieur Dirk Böllert. Alle verwendeten spezielle Rechner, auf denen sich Firmendaten nicht abspeichern ließen. Die Daten lägen auf dem Server im Unternehmen an der Kasseler Landstraße 5. Dort fänden – geschützt durch eine spezielle Firewall – auch alle Rechenoperationen statt. So stelle Adaica den Datenschutz sicher.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: 

„Wir ermöglichen es derzeit einer Handvoll Eltern, zuhause zu arbeiten, wenn sie die Kinderbetreuung anders nicht sicherstellen können“, sagt Anita Opas von der Firma Stallbau Weiland aus Bad Sooden-Allendorf. An die 90 Beschäftigte zähle das Unternehmen, das mobile Hühnerställe herstellt. In der Produktion sei Homeoffice nicht möglich, wohl aber im Bürobereich, etwa im Marketing und der Kundenbetreuung.

Auch bei der Toilettenpapierfabrik Essity in Witzenhausen gibt es Mitarbeiter im Homeoffice. „Das sind allerdings Ausnahmen, da die meisten der gut 100 Kollegen in der Produktion tätig sind“, berichtet Pressesprecherin Annette Schönleber.

„Damit die Arbeit von zuhause aus möglich ist, muss es eine gute Internetverbindung geben“, erklärt Michael Ludwig, der das Servicezentrum Werra-Meißner der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg leitet. Das sei nicht überall gegeben.

„Gegen ihren Willen können Mitarbeiter nicht ins Homeoffice geschickt werden“, sagt Ludwig. Anders sei es, wenn dies der Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung so vorsehen würden oder wenn sich ein eigentlich gesunder Beschäftigter in Quarantäne aufhalten müsse.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Homeoffice - produktiv und einsam

Mitarbeiter, die zuhause arbeiteten, seien in der Regel produktiver als Beschäftigte im Betrieb, berichtet Michael Ludwig, der das IHK-Servicezentrum in Eschwege leitet. Das hätten Wissenschaftler der US-amerikanischen Stanford-Universität in einer Studie herausgefunden. 

Sie würden weniger von Kollegen abgelenkt. Zudem werde zuhause meistens länger gearbeitet als im Betrieb. Zum Problem könnte auf Dauer aber die soziale Isolation werden. Der Arbeitgeber könne dem durch Video- und Telefonkonferenzen entgegenwirken Die Arbeitgeberverbände Nordhessen machen Beschäftigte darauf aufmerksam, dass der gesetzliche Unfallschutz im Homeoffice nur bei Tätigkeiten in unmittelbarer Verbindung zum Beruf greife. 

Das sei, anders als im Betrieb, bei Verletzungen auf dem Weg in die Küche oder zur Toilette nicht gegeben, erklärt Arnold Müller, Leiter der Rechtsabteilung.

Von Michael Caspar

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Quelle: HNA

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