Coronavirus im Werra-Meißner-Kreis

Licht bleibt an: Energieversorger im Werra-Meißner-Kreis verzichten wegen Corona auf Stromsperren

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Wie bei allen regionalen Energieversorgern will man auch bei den Stadtwerken Witzenhausen (hier das Verwaltungsgebäude) kulant mit Kunden verfahren, die in der kommenden Zeit wegen der Corona-Krise Zahlungsschwierigkeiten bekommen.

Wegen Corona wird es im Werra-Meißner-Kreis keine Strom- oder Gassperren geben. Bund der Energieverbraucher deklariert Versorgungssperren als „unverhältnismäßig und damit unrechtmäßig“.

Werra-Meißner-Kreis - Kulanz und Solidarität prägen derzeit vielerorts das Handeln der Menschen – auch bei den Energieversorgern im Werra-Meißner-Kreis. Sie wollen keine Energiesperren verhängen, wenn Kunden nicht zahlen können. Angesichts der Coronavirus-Pandemie haben zahlreiche große Energieversorger in ganz Deutschland angekündigt, auf Energiesperren gegen säumige Verbraucher zu verzichten bei bestehenden Sperren die Versorgung wieder aufzunehmen.

Auch wenn unter den Kunden der regionalen Stadtwerke im Werra-Meißner-Kreis aktuell kein einziger wegen ausstehender Zahlungen von der Stromversorgung abgehängt ist, wollen die Verantwortlichen in den kommenden Wochen und Monaten bei mittelfristigen Zahlungsschwierigkeiten durch Umsatz- oder Verdienstausfälle Kulanz walten lassen.

Corona im Werra-Meißner-Kreis: Versorgung aller Kunden soll gesichert werden

„Finanziell am stärksten von der aktuellen Krise werden sicherlich diejenigen Geschäftsinhaber und Unternehmer betroffen sein, denen die Einnahmen durch die Pandemie komplett wegbrechen“, sagt Thomas Meil, Geschäftsführer der Stadtwerke Witzenhausen. „Denen werden wir definitiv entgegenkommen und bei entsprechendem Antrag die Abschlagszahlungen herabsetzen, zumal dort ja jetzt ohnehin zumeist weniger Strom verbraucht wird.“ Bei den privaten Haushalten verhalte sich das etwas anders. „Weil jetzt mehr Menschen zuhause sind und viele auch im Homeoffice arbeiten, wird der Verbrauch in diesem Bereich sicher steigen und somit müssten wir die Abschläge eigentlich erhöhen“, so Meil.

Thomas Meil, Stadtwerke Witzenhausen

Das werde jedoch nicht geschehen, zumal das Hauptaugenmerk der Stadtwerke momentan ohnehin darauf liege, die Versorgung aller Kunden zu sichern. „Das haben wir aktuell im Griff“, garantiert der Geschäftsführer. Ein generelles Vorgehen bei eventuell auftretenden Zahlungsschwierigkeiten von Privatkunden sei noch nicht festgelegt. „Da müssen wir erst mal abwarten, was da überhaupt auf uns zukommt“, so Meil.

„Auch wir haben noch nicht komplett abgesprochen, was in der nächsten Zeit passieren wird“, sagt Wolfgang Grunewald, Betriebsleiter Strom- und Wasserversorgung bei den Stadtwerken Bad Sooden-Allendorf. „Fest steht aber, dass wir in diesen Zeiten niemanden, der unverschuldet in finanzielle Not gerät, komplett von der Versorgung abhängen werden.“ Er kann sich vielmehr vorstellen, dass Abschläge reduziert oder sogar ausgesetzt werden, wenn dies beantragt wird.

Werra-Meißner-Kreis: Flexibilität im Umgang mit Corona-Auswirkungen

„Privatkunden, die schon jetzt einen Vorkassenzähler von uns haben, der regelmäßig mit einem Guthaben aufgeladen werden muss, haben von uns schon jetzt als Vorsichtsmaßnahme einen deutlich höheren Betrag aufgebucht bekommen, damit sie nicht täglich bei uns aufschlagen müssen“, sagt Grunewald.

Flexibilität im Umgang mit der aktuellen Ausnahmesituation versprechen auch die Stadtwerke in Eschwege. „Wo es klemmt, verfahren wir pragmatisch und klären das später“, verspricht Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Lecke.

In Großalmerode dagegen will man sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen halten. „Ansonsten könnten für alle Beteiligten rechtliche Schwierigkeiten entstehen, was wir unter allen Umständen vermeiden möchten“, sagt Roland Heibert, Geschäftsführer der dortigen Stadtwerke. Sein Rat: Kunden, die Probleme beim Bezahlen der Rechnung haben, sollten sich unverzüglich melden. „Wir suchen dann eine individuelle Lösung und entscheiden nach Prüfung im Einzelfall.“

Versorgungssperren im Werra-Meißner-Kreis während Corona-Pandemie „unrechtmäßig“

Mehr als 4,9 Millionen Stromsperren und 1,2 Millionen Gassperren wurden deutschen Haushalten laut dem aktuellen Monitoringbericht der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr aufgrund von Zahlungsrückständen angedroht. Rund 300.000 Stromsperren und 33.000 Gassperren wurden tatsächlich vollzogen. Für die betroffenen Energieverbraucher handelt es sich in jedem einzelnen dieser Fälle um eine Ausnahmesituation: Gefriertruhen tauen ab, Lebensmittel in den Kühlschränken verderben, die Heizung funktioniert nicht und ohne Waschmaschine bleiben Kleidung und Handtücher schmutzig.

Weil sich dadurch die hygienischen Verhältnisse dramatisch verschlimmern und die Menschen keine Möglichkeit mehr haben, frische Lebensmittel zu lagern, hält der Bund der Energieverbraucher Versorgungssperren in Anbetracht der Corona-Pandemie aktuell für „ausnahmslos unverhältnismäßig und damit unrechtmäßig“.

Kontakt: Büro für Energieunrecht, Tel. 0 22 24/1231248 (montags bis freitags jeweils von 9 bis 13 Uhr), E-Mail: energieunrecht@energieverbraucher.de

Von Per Schröter

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Quelle: HNA

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