Coronakrise

Wege Corona: Künstler aus dem Werra-Meißner-Kreis sehen ihre Existenz bedroht 

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Die Corona-Krise trifft auch Künstler aus der Region: Michele Joy, Schlagersänger aus Eschwege

Diskotheken haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen, Veranstaltungen fallen aus. Wir haben mit Künstlern aus der Region über ihre Lage gesprochen.

  • Künstler sehen ihre Existenz von der Corona-Krise bedroht.
  • Sie leben normalerweise von den Engagements.
  • Viele haben keinen Anspruch auf Hilfeleistungen

Werra-Meißner – Sämtliche Veranstaltungen für die kommenden Wochen sind abgesagt, die Diskotheken bleiben deutschlandweit geschlossen. Damit trifft die Coronakrise nicht nur Veranstalter und Clubbetreiber, sondern auch zahlreiche Künstler in der Region. 

Für viele von ihnen bricht damit die Haupteinnahmequelle und somit die Lebensgrundlage weg.

Künstler in der Coronakrise: die Lebensgrundlage ist weggebrochen

„Ich rechne schon damit, dass bis Ende 2020 alles abgesagt wird“, sagt Daniel von Trausnitz. Den Schauspieler, Autor, Sprecher und Musiker aus Göttingen hat die Krise hart getroffen. Ihm ist die gesamte Lebensgrundlage weggebrochen. 

Guntram Pauli, Musiker

Er versucht, sich durch seine Bücher und die Monetarisierung seiner Kanäle in sozialen Netzwerken etwa durch Kooperationen über Wasser zu halten.

„Gerade jetzt wäre für mich die Zeit gewesen, in der die meisten Auftritte losgehen würden – von Stadtfesten bis hin zu Auftritten in Restaurants – all das fällt bis auf unbestimmte Zeit flach“, sagt auch Guntram Pauli, Musiker und Komponist aus Witzenhausen. 

Daniel von Trausnitz

„Ich lebe von den Engagements“. Mit einigen Rücklagen und der knappen Rente könne sich er zwar vergleichsweise gut über Wasser halten, dennoch fehlten ihm als Vollblutmusiker die Auftritte, sagt der 67-Jährige.

Künstler in der Coronakrise: Schlagerstar gehört zur Risikogruppe

Schlagerstar G.G. Anderson musste seine laufende Deutschlandtournee absagen. „Das ist natürlich sehr schade, aber am wichtigsten ist, dass wir alle gesund bleiben“, sagt der Eschweger. Der 70-Jährige gehört zur Risikogruppe

 G. G. Anderson, Schlagerstar aus Eschwege

„Die Situation ist nicht einfach und es belastet mich sehr, wie viele Menschen sterben.“ Dennoch ist seine Existenz nicht unmittelbar bedroht, wie bei kleineren Künstlern und Veranstaltern.

DJ Ben E. aus Eschwege ist hauptberuflicher Künstler und auf die Auftritte angewiesen. Als Freischaffender habe er keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. und auch keine Möglichkeit für eine Kurzarbeitsregelung, wie sie derzeit in vielen anderen Branchen zum Einsatz kommt.

Ben E. DJ 

Es gibt zwar eine Soforthilfe für Künstler, um Kosten für Miete und Leasingraten abzudecken. Für die Meisten greift diese allerdings nicht. „Ich kann diese Hilfe nicht beantragen, weil ich keine Büromiete oder Leasingraten zu zahlen habe“, erklärt Pauli. 

Corona in Werra-Meißner: Auch Hochzeits-DJ hat Probleme

„Man muss den Liquiditätsengpass genau beziffern“, sagt der Musiker. Das sei bei vielen der Verdienstausfälle so konkret gar nicht möglich. „Diese Hilfe ist zwar schön gedacht, nützt vielen Künstlern allerdings sehr wenig.“

Der Hochzeits- und Event-DJ David Berneburg hat ebenfalls versucht, sich durch die Anträge zu kämpfen, und festgestellt, dass er keinen Anspruch auf die Soforthilfe hat. Neben der Musik hat er mit einer eigenen Reinigungsfirma noch ein zweites Standbein. 

David Berneburg, Hochzeits- und Event-DJ aus Eschwege

Allerdings kämpft er auch dort um seine Existenz, da viele der gewerblichen Aufträge etwa durch Restaurantschließungen wegfallen. „Derzeit arbeite ich auch noch Teilzeit bei der Kreisstadt Eschwege im Öffentlichen Dienst, das hält mich noch etwas über Wasser“, sagt der 37-Jährige.

Auf seinen Zweitjob verlässt sich derzeit auch Schlagermusiker Michele Joy aus Eschwege. Der gelernte Altenpfleger arbeitet in einer Psychiatrie. „Nach meiner Ausbildung in der Altenpflege habe ich Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Psychologie studiert und seitdem auch weiterhin in dem Beruf gearbeitet“, erzählt der 34-Jährige. 

Da in der Pflege immer Personalmangel herrscht und es gerade jetzt gebraucht wird, stehe er recht gut da. Ohne diesen Job wäre seine Existenz ebenfalls bedroht, da alle Auftritte für die kommenden Monate bereits abgesagt wurden.

Jene Künstler, die kein zweites Standbein haben, trifft die Coronakrise besonders hart. „Ich hoffe, wir können solidarisch durch die Krise gehen und uns gegenseitig unterstützen“, sagt Pauli. „Dann liegt in dem Wahnsinn auch etwas Gutes.“

Quelle: HNA

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