Angst vor Infizierung

Coronavirus: Studierende aus China werden ausgegrenzt - Misstrauen in Bad Sooden-Allendorf

In Bad Sooden-Allendorf sorgen sich viele Menschen vor dem Coronavirus.
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In Bad Sooden-Allendorf (Nordhessen) sorgen sich viele Menschen vor dem Coronavirus.

Angst vor Coronavirus-Infizierung: Rassistische Anfeindungen nehmen gegenüber Asiaten weltweit zu. Auch in Bad Sooden-Allendorf erfahren chinesische Studierende Misstrauen.

  • 500 Menschen aus China studieren an der Diploma-Hochschule in Bad Sooden-Allendorf (Nordhessen)
  • Eine Zahnarztpraxis will sie bis März aus Angst vor einer Coronavirus-Infizierung nicht behandeln
  • Bei der HNA sind mehrere Anfragen zu einer vermeintlichen Gefahr eingegangen

Rund 500 junge Menschen aus China studieren an der Diploma-Hochschule – nun geht in Bad Sooden-Allendorf (Nordhessen) offenbar die Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus um. Eine örtliche Zahnarztpraxis habe ihnen mitgeteilt, bis März aus Angst vor einer Ansteckungsgefahr zunächst keine chinesischen Studierenden mehr zu behandeln, berichtet Diploma-Präsidentin Prof. Dr. Michaela Zilling.

Auch zwei Vermieter hätten nach Sicherheitsvorkehrungen gefragt. Bei der HNA sind mehrere Anfragen zu einer vermeintlichen Gefahr durch chinesische Studierende eingegangen, ebenso beim Gesundheitsamt, wie Landkreis-Sprecher Jörg Klinge bestätigt. Bei der Stadtverwaltung gab es seit Anfang voriger Woche mehrere Anrufe zur Gefahr durch das Coronavirus, sagt Bürgermeister Frank Hix. 

Coronavirus: Angst vor Ansteckungen in Nordhessen - Studierende aus China werden ausgegrenzt

„Ich kann Ängste vor dem neuen Virus verstehen“, sagt Zilling. „Aber nicht dieses pauschale Ausgrenzen unserer Studierenden.“ Die Sterblichkeitsrate sei bei der jährlichen Grippewelle wesentlich höher und der Krankheitsverlauf wesentlich schwerer als derzeit beim Coronavirus.

Dennoch sei sich die Diploma ihrer Verantwortung für Studierende, Mitarbeiter und Bevölkerung in der Badestadt bewusst, sagt Zilling. Die Mehrheit der rund 500 Studierenden aus China sei seit Monaten nicht heimgereist: Weihnachten werde dort nicht gefeiert, zum chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar habe man die Studierenden wegen des Coronavirus gebeten, nicht nach Hause zu fliegen. 

Präsidentin der Diploma Michaela Zilling. 

Daran hätten sich laut Zilling auch alle gehalten. Drei Studierende seien vor fünf Tagen aus China zurückgekehrt und befänden sich nun für 14 Tage in freiwilliger Quarantäne in ihren Zimmern, sagt Zilling. Auch sie zeigten keine Symptome. Alle Studierenden wurden in einem Infobrief über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen informiert.

Dozenten zeigen keine Coronavirus-Symptome - Diploma-Hochschule hat Entwicklungen im Blick

Der letzte Besuch der Diploma-Dozenten an der Partner-Uni in Wuhan sei im Dezember gewesen – bevor das Virus in Europa bekannt wurde. Keiner der Dozenten zeige Symptome, die Inkubationszeit sei vorbei. Die für März geplanten Einsätze in China habe man auf unbestimmte Zeit verschoben. 

Wegen der Kontakte zu China hat das Team der Diploma-Hochschule die Entwicklungen rund um das Coronavirus genau im Blick und versucht, die Gefahr für Studierende, Mitarbeiter, Dozenten und Badestädter Bevölkerung zu minimieren. Deshalb habe sie alle Studierenden, die sich aktuell in China aufhalten, gebeten, vorerst dort zu bleiben, sagt Diploma-Präsidentin Prof. Dr. Michaela Zilling. Ihr Brief liegt der HNA vor. 

Wer gerade aus China zurückgekehrt sei, soll sich umgehend bei der Hochschule melden, beim Hausarzt oder im Krankenhaus auf das Virus testen lassen und einen Fragebogen über seine Reise ausfüllen. Studierende wie Mitarbeiter seien aufgefordert worden, vermehrt auf ihre Gesundheit zu achten und sich bei grippeähnlichen Symptomen sofort zu melden, betont Zilling. 

Nordhessen: Schutz vor Coronavirus - Hinweisschilder zu Schutzmaßnahmen stehen an Eingängen

Man habe sich beim Gesundheitsamt, der Uni-Klinik Göttingen und der Berliner Charité genau über Schutzmaßnahmen informiert. An allen Eingängen stehen Hinweisschilder auf Deutsch und Chinesisch mit Hygienevorgaben, zudem hängen in den Gängen Spender zur Händedesinfektion. „Diese Vorkehrungen haben wir aber dauerhaft“, sagt Zilling mit Verweis auf die jährliche Grippewelle. Deren Hygieneregeln helfen auch beim Schutz gegen ein vermeintliches Corona-Virus: häufiges Händewaschen, den Kontakt mit hustenden oder schniefenden Menschen meiden. „Mehr können wir derzeit nicht tun“, sagt Zilling. 

Mehr als 20 Studierende, die derzeit in China sind, müssten eigentlich bald Klausuren schreiben oder im März ihre Abschlussarbeiten verteidigen. Ihnen habe man laut Zilling jetzt angeboten, stattdessen mündliche Prüfungen am Telefon, über die Handy-App „Wechat“ oder per Internetkonferenz abzulegen. Da die Diploma mehrere Fernstudiengänge anbiete, sei diese Art von Prüfungen für die Dozenten normal, sagt Zilling. Die Studierenden seien aber verständlicherweise nervös. Zilling hofft dennoch, dass sich alle überreden lassen, in China zu bleiben. „Es wird für die Studierenden keine Nachteile geben, wenn sie die Prüfungen von China aus ablegen.“ 

Nordhessen: Coronavirus beeinflusst das Studierendenleben in Bad Sooden-Allendorf

Die Studierenden in Bad Sooden-Allendorf schreiben bald Klausuren. „Darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren“, sagt Studentin Chen Yajing. „Wir können deshalb nicht dauernd zu Hause anrufen.“ Ab Ende Februar sind Semesterferien. Dass viele Studierende dann nach Hause fahren, glaube sie nicht, sagt Sylke Umbach, die Leiterin der Diploma-Studienzentrale. Schließlich sei nicht abzusehen, wie sich das Virus bis Anfang April entwickele – und dann müssten die Studierenden zum neuen Semester wieder da sein.

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Friederike Steensen und Stefan Forbert

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