Den Traumjob vor der Haustür

Johannes Thomas wird Revierleiter im Stadtwald von Bad Sooden-Allendorf

Die Förster Volker Rasch (links) und Johannes Thomas vermessen einen Buchenstamm.
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Vorgänger und Nachfolger: Volker Rasch (links) und Johannes Thomas vermessen einen Buchenstamm.

„Wie ein Sechser im Lotto“, schwärmt Johannes Thomas von seiner beruflichen Zukunft. Der 35-jährige Förster aus dem Stadtteil Orferode wird mit Ablauf des Jahres als Nachfolger von Volker Rasch (65) Revierleiter im Stadtwald von Bad Sooden-Allendorf – ein Traumjob direkt vor der Haustür.

Bad Sooden-Allendorf – Die Verknüpfung mit dem Zahlengewinnspiel macht Thomas an drei Punkten fest: die unmittelbare Nähe zum Wohnort, die waldbaulich interessanten Aufgabe in verschiedenen Höhenlagen und der mit 75 Prozent hohe Anteil an Laubwald. Die gute Vorbereitung auf den Job durch die Einarbeitung von Volker Rasch sei sogar noch „die Zusatzzahl“.

Der Stadt- als größter Kommunalwald im Werra-Meißner-Kreis und im Bereich des Forstamtes Hessisch Lichtenau umfasst stattliche 2000 Hektar, was etwa 2800 Fußballfeldern der Standardgröße entspricht. Davon liegen gut 1500 Hektar auf hessischem, rund 500 Hektar auf thüringischem Gebiet, das von Revierleiter Markus Leonhardt betreut wird.

Während Thomas auf der Gehaltsliste von Hessen Forst steht, sind „seine“ drei Waldarbeiter bei der Stadt Bad Sooden-Allendorf in Lohn und Brot und werden nach Bedarf und Absprache mal hier und mal dort eingesetzt.

Auf den künftigen Revierleiter warten große Herausforderungen. Wie anderenorts haben auch dem Stadtwald Naturereignisse arg zugesetzt. Stürme, wie einst Kyrill und zuletzt Friederike, haben teils zu massivem Windbruch geführt. Unter der Trockenheit der vergangenen Jahre, einhergehend mit dem Befall durch den Borkenkäfer, haben insbesondere die flach wurzelnden Fichten gelitten, die zum großen Teil abgestorben sind.

Das Überangebot an Holz ließ die Verkaufspreise in den Keller rauschen. Erheblichen Einnahmeverlusten stehen wegen der Wiederaufforstung höhere Ausgaben gegenüber. In dem Mischwald, so Thomas, sei auch die Buche nicht völlig schadlos davongekommen: „Noch zwei trockene Jahre, dann sieht es ganz mau aus.“

Drei Schwerpunkte hat Thomas sich für die künftige Arbeit gesetzt: die Pflege und Erhaltung der Buche, das Räumen den stark betroffenen, sogenannten Kalamitätsflächen und die Wiederbewaldung mit Nadelholz. Dabei soll neben der Fichte, die vorwiegend als Bauholz Verwendung findet, verstärkt die Douglasie zum Zug kommen, die der Trockenheit besser trotzen kann und als hochwertiges Holz gern im Außenbereich, etwa für Balkone, Zäune und Geländer, anzutreffen ist. So werden etwa im kommenden Frühjahr auf hessischem Gebiet zwischen 35 000 und 40 000 Nadelholz-Pflanzen in die Erde gesetzt.

Mit Holz hat Thomas schon in frühen Jahren Bekanntschaft gemacht. Nach Abitur und Militärdienst erlernte er den Beruf des Zimmerers, unter anderem in Südtirol. In Eberswalde bei Berlin studierte er anschließend Forstwirtschaft mit Praktika in Israel und der Schweiz, qualifizierte sich in Rotenburg für den gehobenen Forstdienst, arbeitete in der freien Wirtschaft als Einsatzleiter für ein Holzunternehmen und trat schließlich in die Dienste des Hessischen Forstamtes Hessisch Lichtenau, zu dem seit der Auflösung des Forstamtes Bad Sooden-Allendorf vor 15 Jahren auch der Stadtwald gehört.

Vor einem Jahr erwarb der verheiratete Vater einer vierjährigen Tochter ein über 250 Jahre altes Fachwerkhaus in seinem Heimatort Orferode, bei dessen aktueller Renovierung ihm seine Kenntnisse als Zimmerer zugutekommen. Nebenbei widmet er sich noch der Imkerei und den Streuobstwiesen, die er von seinem Großvater übernommen hat.

Und was macht Volker Rasch? Der verdiente Diplom-Forstingenieur und angehende Pensionär, der aus dem Raum Kassel stammt, in Bad Sooden-Allendorf lebt und seit über 40 Jahren im Forst tätig ist, hat künftig noch mehr Zeit für seinen Judo-Sport, den er seit 50 Jahren in Kassel und in Witzenhausen sogar als Trainer betreibt. Skilanglauf und -abfahrt sowie Fahrradfahren gehören zu seinen weiteren Vorlieben.  

Info und Kontakt: Für Privatwaldbesitzer und Brennholzanfragen bietet Johannes Thomas künftig mittwochs zwischen 14 und 17 Uhr Sprechstunden in seinem Büro, Auf dem Herrengraben 9, in Sooden an; Tel. 01 60/4 70 68 84. (zcc)

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