Zustand des Gebäudes ist schlechter als gedacht

DGH Ellingerode bleibt Sorgenkind: Streit um Sanierungskosten

Das Dorfgemeinschaftshaus in Ellingerode.
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Sieht hübsch aus, ist aber sanierungsbedürftig: Vor allem der mit sogenannten Biberschwanzziegeln verkleidete Südwestgiebel des denkmalgeschützten Dorfgemeinschaftshauses ist feucht, das Fachwerk unter dem Behang hat durch den unsachgemäßen Einbau der Fenster in den 1980er Jahren Schaden genommen.

Knapp zwei Stunden diskutierte der Witzenhäuser Bauausschuss am Dienstag erbittert mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Dorfes über die Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) Ellingerode.

Ellingerode – Der Umfang der nötigen Sanierungsarbeiten am Dorfgemeinschaftshaus Ellingerode ist seit Jahren Dauerbrenner. Eigentlich hatte das Stadtparlament Ende September 2020 nach zähem Ringen beschlossen, über das Dorfentwicklungsprogramm IKEK 127.000 Euro für die Erneuerung von 16 Fenstern, der Fassade und einiger Balken bereitzustellen.

Nun präsentierte Architektin Barbara Koch (Kassel) im Auftrag der Stadt eine aktuelle, erschreckende Bestandsaufnahme: Die Grundsubstanz des Hauses sei vor allem am Südwestgiebel so schlecht, dass sich Firmen weigern würden, dort neue Fenster einzubauen und eine Gewährleistung zu übernehmen. Hier sind laut Koch rund um die vier alten Fenster die Wände samt Dämmung feucht und das Fachwerk beschädigt. Weitere Probleme: Die Elektrik und Tür im Eingangsbereich entspricht nicht den Vorgaben, die Brandschutztüren müssten ersetzt werden. Zudem gibt es einen Mäuse- und Rattenbefall sowie Schäden an den Ölwannen der 40 Jahre alten Heizung. Das Fachwerk braucht weiterhin einen neuen Anstrich. Der genaue Umfang der Schäden könne erst bestimmt werden, wenn das Haus eingerüstet, der Behang abgenommen und die Wände geöffnet sind, so Koch.

Zunächst beantragte die Stadt eine Aufstockung des Budgets auf 284.000 Euro, jedoch hatte niemand im Bauamt bemerkt, dass sich Koch bei der Kostenschätzung um eine mittlere fünfstellige Summe verrechnet hatte. Darauf wies Ellingerodes Ortsvorsteher Uwe Bindbeutel dann in der Sitzung hin.

Einzelne Stadtverordnete schlagen Abriss und Neubau vor

Angesichts der dennoch hohen Kosten fragten Heidi Rettberg (Linke) und Peter Schill (SPD), ob das ohnehin zu große, nicht durchgängig genutzte Haus nicht besser abgerissen und durch einen zweckmäßigen Neubau ersetzt werden sollte. Laut Architektin Koch wäre der unter 500.000 Euro aber wohl nicht zu haben, die anderen Ausschussmitglieder sprachen sich für den Erhalt des historischen Bauwerks aus.

Ortsvorsteher Bindbeutel und Klaus Wilhelm vom DGH-Trägerverein machten eindringlich klar, dass die Ellingeröder ihr DGH brauchen und erhalten wollen. Sie boten zur Kosteneinsparung einen Innenausbau in Eigenleistung an und schlugen vor, nur die Grundsanierung von Fassade, Dämmung und Fachwerk sowie den Einbau der Fenster vorzunehmen.

Kompromiss fürs DGH

Am Ende einigte sich der Ausschuss, wie geplant 127.000 Euro über die IKEK-Förderung zu beantragen, da die Frist am Freitag endet und die Stadt sonst die 85-prozentige Förderung verliert. Alle darüber liegenden Kosten für die Sanierung der Giebelwand – derzeit geschätzt auf 65.500 Euro – muss die Stadt allein tragen. Hier soll die Verwaltung nun belastbare Zahlen ermitteln, die über den ohnehin geplanten Nachtragshaushalt bereitgestellt werden könnten. Ziel ist, die Arbeiten schnell auszuschreiben, damit vor dem nächsten Winter die neuen Fenster eingebaut werden können. Andere IKEK-Projekte würden so durch die Verteuerung der Sanierung des DGH laut Schill nicht gefährdet. (Friederike Steensen)

Wieder Reibereien zwischen Politik und Stadtverwaltung

Der Antrag der Stadt, die Sanierungskosten für das DGH Ellingerode hat am Dienstag vor allem bei der SPD für viel Kritik gesorgt. Hintergrund ist der Streit um die Sanierungskosten, für die das Bauamt schon 2020 mehr Budget ansetzen wollte (damals: 230.000 Euro). Das Parlament lehnte das damals ab. Jetzt warf Stadtverordnetenvorsteher Peter Schill der Verwaltung indirekt vor, ein weiteres externes Gutachten eingeholt zu haben, das dem Wunsch der Stadt entspreche, weil sie den Auftrag des Parlaments nicht umsetzen wolle. Zudem habe das Parlament kein Geld für weitere Planungskosten freigegeben, kritisierte Dieter Moses (SPD).

Bürgermeister Daniel Herz wies das empört zurück: Niemand wolle Geld verschwenden. „Wir würden gern eine kleine, günstige Lösung umsetzen.“ Aber der Beschluss vom Vorjahr sei laut Fachleuten nicht umsetzbar: „So kann das nicht gebaut werden!“ Angesichts der knappen Zeit und eines Personalengpasses im Bauamt habe man die Architektin beauftragt, die Kosten seien via IKEK gedeckt. (fst)

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