Drehorgelspieler: Kindheitstraum wurde wahr

So sieht man ihn in der Stadt: Siegfried Kuhlmann im Gehrock mit seinem Leierkasten. Foto: Schröter

Hebenshausen. Viele Menschen laufen ein Leben lang ihren Kindheitsträumen hinterher. Siegfried Kuhlmann hat sich einen erfüllt. Der Hebenshäuser hat sich eine Drehorgel gekauft.

Wenn Siegfried Kuhlmann mit Gehrock, weißen Handschuhen und Melone bekleidet hinter seinem Leierkasten steht, an der kleinen Kurbel dreht, dann bleiben die Menschen stehen. „Egal ob jung oder alt, die Leute freuen sich ganz einfach über die Musik, die da herauskommt“, schwärmt der 66-Jährige.

Schon als Kind habe er davon geträumt, irgendein Musikinstrument spielen zu können - egal ob Flöte, Gitarre oder Klavier. „Leider waren meine Eltern finanziell nicht in der Lage, uns Kindern dies zu ermöglichen“, sagt er. Als dann Beruf und Familie kamen, rückte der Traum in immer weitere Ferne. Kuhlmann machte zunächst eine Lehre zum Elektroinstallateur, ging dann zwölf Jahre zur Bundeswehr und machte sich letztlich als Heizungsbauer selbstständig. „Und immer, wenn ich in all den Jahren einen Leierkastenspieler gesehen habe, bin ich selbst stehen geblieben und habe ihn bewundert und beneidet“, so der Hebenshäuser.

Als ihm ein Kollege dann vor zwei Jahren seine Drehorgel zeigte und ihm erzählte, dass er sie verkaufen wolle, war der Entschluss schnell gefasst. „Da ich ohnehin vorhatte, mich Mitte 2014 aus dem Berufsleben zurückzuziehen, habe ich zugeschlagen und mir das Instrument gekauft“, sagt Kuhlmann. Nachdem er noch einmal mehrere tausend Euro in eine neue Elektronik und zahlreiche Musikstücke investiert hatte (seine Hofbauer-Orgel kann jetzt 200 verschiedene Lieder abspielen), wollte er auch andere Menschen an seinem neu gewonnenen Glück teilhaben lassen.

„Meinen ersten Auftritt hatte ich in Weingarten am Bodensee während der Jahreshauptversammlung des Clubs Deutscher Drehorgelfreunde“, erinnert er sich zurück. Um sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können, sei er dem Verein sofort beigetreten. „Mit 40 anderen Drehorgeln habe ich in der Stadt Musik gemacht und das war schon sehr beeindruckend“, sagt Kuhlmann.

Inzwischen erfreut er die Menschen auf Feiern, Stadtfesten (etwa in Witzenhausen oder Hann. Münden) und Weihnachtsmärkten mit seinem Leierkasten. „Das schönste Kompliment ist für mich, wenn die Leute sich dafür bedanken, dass ich da bin“, sagt Siegfried Kuhlmann.

Und weil genau das regelmäßig passiere, hat er vor, noch viele Jahre mit seiner Drehorgel Musik zu machen und die Menschen damit zu begeistern. (per)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare