Schätzung Maschinenfabrik Richter

Einstufung der Weser macht Schwertransporte möglich

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Riesenteile auf Halde: Zigtonnenschwere Bauteile liegen in der Halle der Maschinenfabrik Richter in Hessisch Lichtenau und warten auf ihren Transport zum Kunden. Manche großen Stücke, deren Dimensionen durch Prokurist Joachim Kraus (links) und Firmenchef Axel Richter (rechts) jüngst beim Besuch von Landtags-Vizepräsident Lothar Quanz (Mitte) deutlich gemacht wurden, können nur über die Weser verschifft werden.

Hessisch Lichtenau. Sollte die Oberweser als Bundeswasserstraße der Kategorie C eingestuft werden, könnte die Hessisch Lichtenauer Maschinenfabrik Richter jährlich bis zu 80 Schwertransporte über den Fluss abwickeln.

Diese Schätzung gab Firmenchef Axel Richter auf Anfrage ab.

Möglich würden die vielen Transporte, wenn am Weserhafen in Hann. Münden eine feste Krananlage mit einer Trage-Kapazität von 300 Tonnen errichtet wird. Einen interessierten Betreiber soll es geben, doch angesichts von Investitionen von zwei bis zweieinhalb Millionen Euro möchte er eine Rechtssicherheit für Gütertransport auf der Oberweser. Ist die Einstufung in Kategorie C klar, muss der Fluss von Versandungen frei gemacht werden durch den Bund.

Um die für die Einstufung erforderliche Gütermenge nachzuweisen, wird derzeit im Auftrag der Wirtschaftsförderer der Region Kassel und der Stadt Hann. Münden eine Potenzial-Analyse erstellt. Denn die Abwertung der Oberweser zur sonstigen Bundeswasserstraße durch den Bund basiere auf veralteten Zahlen kurz nach der Jahrtausendwende, sagen Prokurist Joachim Kraus von der Firma Richter und Karsten Stückrath, Geschäftsführer des ebenfalls stark an Weser-Transporten interessierten Anlagenbauers Alstom in Kassel, einer Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer Kassel zufolge. Stückrath vermisst immer noch eine konkrete Aussage über die erforderliche Tonnage pro Jahr. Einem der HNA vorliegenden Schreiben von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zufolge liegt die Gütermenge für die Kategorie C zwischen 600.000 und drei Millionen Tonnen.

Bei bis zu 80 Transporten mit jeweils mindestens 100 bis 150 Tonnen trüge die Firma Richter schon gut 10.000 Tonnen bei.

Das Hessisch Lichtenauer Unternehmen ist, wie Joachim Kraus kürzlich der IHK erklärte, stärker denn je auf den Wasserweg als Transportweg angewiesen. Spezialfertigungen von über 150 Tonnen können über die Straßen und Brücken nicht transportiert werden. Könne man die gefertigten Bauteile nicht zum Kunden bringen, breche dieser Geschäftszweig weg, sagte Kraus.

Entweder verzichte man in Zukunft zwangsläufig auf den Bau von Großkörpern oder man baue an der Nordsee ein Werk auf, ließ Kraus durchblicken: "Städte wie Bremerhaven werben regelrecht um Arbeitgeber, um sie an der Küste anzusiedeln. Das wäre eine Option, die es auch zu prüfen gilt."

Vorher setzt die Firma Richter aber auf die Potenzial-Analyse. Zwei Stunden ließ sich der Gutachter am Dienstagvormittag in Hessisch Lichtenau bei Richter informieren, am Nachmittag dann bei Alstom. Nach Kenntnis von Axel Richter soll die Expertise schon Ende April/Anfang Mai vorliegen.

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