Fragen & Antworten: Bauarbeiten für Tunnel Hirschhagen beginnen – Ab Sommer herrscht Hochbetrieb

Erdmassen füllen 35.000 Laster

Tunnelanschlag: Im Februar wurde der A 44-Tunnel Küchen bei Hessisch Lichtenau angeschlagen. Nun wird auch mit dem Bau des Tunnels Hirschhagen begonnen. Archivfoto: Shuhaiber

Helsa / Hessisch Lichtenau. Nun geht es los, die Bauarbeiten für die Autobahn 44 zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau beginnen. Der größte Teil des sechs Kilometer langen Abschnitts (VKE12) verläuft unter der Erde. Der Tunnel Hirschhagen wird mit 4,2 Kilometern Länge der zweitlängste Straßentunnel in Deutschland sein.

Zwei getrennte Tunnelröhren werden gebaut, für jede Fahrtrichtung eine. Das Straßenmanagement Hessen Mobil und die Baufirmen Baresel und Köster haben nun über die Bauarbeiten informiert.

Wie hoch sind die Kosten für den Bau des Autobahnabschnitts zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau?

Der Bund investiert 250 Millionen Euro in den Abschnitt. Darin enthalten sind der Bau des 4,2 Kilometer langen Tunnels und 1,8 Kilometer freie Autobahnstrecke bei Helsa. Ende 2017 soll alles fertig sein.

Wie wird der Tunnel gebaut – wird er gegraben oder in den Berg gesprengt?

Hessen Mobil hat sich dagegen entschieden, den Tunnel graben zu lassen. Zum einen sind die Kosten für eine Tunnelvortriebsmaschine, die eigens für den Tunnel gebaut werden müsste, mit 20 Millionen Euro sehr hoch. Zum anderen ist die Geologie dafür schlecht geeignet, weil sich hier Felsgestein mit lockeren Sand-, Kies- und Tonschichten abwechselt. Der Tunnel wird also in den Berg gesprengt.

Wie häufig wird gesprengt, finden Sprengungen auch nachts und an Wochenenden statt?

Es wird rund um die Uhr gesprengt, 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche. Bis zu zehn Sprengungen pro Tag sind vorgesehen. Die Sprengladungen werden relativ klein sein, weil man die Standfestigkeit des Felsgesteins nicht zerstören möchte. Es werden jeweils 80 Löcher in den Fels gebohrt, sie werden jeweils mit einem bis anderthalb Kilo Sprengstoff gefüllt. Das Gestein wird so in Abschnitten von einem bis 1,5 Meter Tiefe gelockert und dann aus der Röhre gefahren.

Wie werden die Detonationen für die Anwohner wahrnehmbar sein?

Die Planer gehen davon aus, dass es keine großen Erschütterungen geben wird. Einen Explosionsknall werde man nicht hören, eher ein Grummeln im Untergrund.

Manche Anwohner befürchten Schäden an ihren Häusern. Ist das berechtigt?

Hessen Mobil hat zugesagt, in den betroffenen Bereichen Beweissicherungsverfahren einzuleiten. Dabei wird jeweils der Zustand der Häuser vor den Sprengungen festgehalten. Auch die Zahl und die Stärke der Sprengungen werden aufgezeichnet. In Informationsveranstaltungen sollen die betroffenen Hauseigentümer im Juni vorab informiert werden.

Was passiert mit dem Abraum, der in den Tunnelröhren anfällt?

Er wird zur früheren Zeche Hirschberg gefahren und dort deponiert. Zum Einsatz kommen Sattelzüge und Muldenkipper mit einem Gesamtgewicht bis je 40 Tonnen. Sie können 28 Tonnen an Material zuladen. Insgesamt müssen eine Million Kubikmeter Abraum bewegt werden, das entspricht einer Menge, die insgesamt etwa 35 000 Lkw-Ladungen füllt.

Wann sind die Lastwagen, die den Abraum transportieren, unterwegs?

Bis zu 30 Schwerlaster werden gleichzeitig im Einsatz sein. Sie fahren montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr. Die Transporte haben bereits begonnen, mit etwa 100 Lkw-Fahrten pro Tag wird zurzeit Muttererde abgefahren. Wenn im Sommer beide Tunnelröhren von beiden Seiten in Bau sind, wird die Zahl der Erdtransporte auf bis zu 400 Fahrten pro Tag steigen. Nach zwei Jahren werden die Erdtransporte wieder abnehmen. Mitte 2017 soll der Tunnel Hirschhagen im Rohbau fertig sein.

Wie verlaufen die Abfuhrrouten, sind auch Orte betroffen?

Ja, vom Tunnel-Portal West fahren die vollen Lkw über Fürstenhagen, Hessisch Lichtenau und vorbei an Fürstenhagen zum Hirschberg, die leeren Fahrzeuge fahren durch Helsa zum Tunnelportal-West zurück. Vom Tunnel-Portal Ost führt der Weg vorbei an Friedrichsbrück zum Hirschberg und zurück.

Die Straße zwischen Helsa und Friedrichsbrück ist nur fünf Meter breit. Sind da nicht Verkehrsprobleme zu befürchten?

Ja. Lastwagen sind 2,50 Meter breit, inklusive Spiegel 2,80 Meter; eine Begegnung ist da nur durch Ausweichen auf die Bankette möglich. Die Straße wird daher für die Dauer der Erdtransporte für den Verkehr gesperrt. Anlieger erhalten eine Ausnahmegenehmigung.

Von Holger Schindler

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