Interview: Erntefest-Präsident über die Folgen des Überfalls 2008

Bad Sooden-Allendorf. Die Schläger-Attacke von vor vier Jahren hat das Erntefest in Bad Sooden-Allendorf noch einmal eingeholt. In einem Prozess vor dem Landgericht Kassel waren die Täter Ende Juni verurteilt worden.

Über die Folgen haben wir mit Erntefest-Präsident Stefan Lauer vor dem 154. Erntefest in Bad Sooden-Allendorf gesprochen.

Herr Lauer, die Schläger, die an dem Überfall auf das Erntefest 2008 beteiligt waren, sind mit relativ glimpflichen Strafen davon gekommen. Wie haben Sie als Erntefest-Ausschuss den Prozess empfunden?

Der Chef macht mit: Zur Vorbereitung auf das Erntefest wickelt auch Stefan Lauer Girlanden.

Stefan Lauer: Ich war beruhigt, dass es bei dem Überfall offensichtlich nicht um uns, sondern um eine private Racheaktion ging. Aber zuerst hieß es, dass auch wir angeblich beteiligt gewesen sein sollten. Das konnte ich nicht glauben. Wer sollte uns in unserem beschaulichen Bad Sooden-Allendorf denn Schläger auf den Hals schicken?

Vor Gericht wurden von den Angeklagten einige merkwürdige Vorwürfe erhoben, die zumindest indirekt auch den Erntefest-Ausschuss betrafen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Lauer: Nein, ich konnte mir das von Anfang an nicht vorstellen. Für den gesamten Ausschuss hätte ich jederzeit meine Hand ins Feuer gelegt. Für uns bekam dieser Überfall damit eine andere Dimension, das war plötzlich eine ganz andere Hausnummer. Auch weil die Angeklagten wegen härterer krimineller Delikte bereits vorbestraft sind.

Welche Rückmeldungen haben Sie nach dem Urteil erhalten?

Lauer: Die Meinungen waren einhellig. Genau so wie ich können viele einfach nicht begreifen, warum den Angeklagten die lange Verfahrensdauer strafmildernd ausgelegt worden ist. Was ist mit den Opfern? Denen wird die lange Verfahrensdauer nicht angerechnet. Darüber habe ich mich geärgert.

Nun steht das Erntefest vor der Tür. Was bedeutet der Ausgang des Verfahrens fürs Fest?

Lauer: Dass endlich Ruhe ist. Auch wenn die ganze Sache für die Opfer längst nicht ausgestanden ist. Aber hoffentlich ist es auch für sie irgendwann zu Ende. Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft ja, wer die Tat angeblich in Auftrag gegeben hat.

Wollen Sie in Ihrer Rede zur Eröffnung des Erntefestes auf den Prozess eingehen?

Lauer: Eigentlich hatte ich das vor. Aber mit diesem Interview reicht es dann auch. Ich will es nicht mehr zum Thema machen. Vielmehr freue ich mich auf ein schönes und hoffentlich friedliches Erntefest.

Vielerorts haben Organisatoren Probleme, ihre Veranstaltungen im bisherigen Umfang weiterzuführen. Was ist das Erfolgsrezept des Erntefestes in Allendorf?

Lauer: Ich bin jedes Jahr erstaunt, mit wie viel Enthusiasmus die Menschen sich für das Erntefest engagieren. Wir hoffen, dass das noch lange so bleibt. Einfach wird das nicht, gerade vor dem Hintergrund der Einschnitte, die unserer Stadt durch den Schutzschirm bevorstehen. Aber bange wird mir trotzdem nicht. Wir halten die Tradition des Erntefestes weiter hoch.

Ist der Zusammenhalt durch den Überfall noch gewachsen?

Lauer: Nein, das wäre auch schwierig. Der Zusammenhalt war immer schon stark.

Zur Person

Stefan Lauer, der kürzlich seinen 50. Geburtstag feierte, steht seit dem Jahr 2000 an der Spitze des Erntefest-Ausschusses in Bad Sooden-Allendorf. Vorher arbeitete er schon drei Jahre im Ausschuss mit. „Aber Erntekranzträger war ich nie“, sagt Lauer. Er ist gelernter Physiotherapeut. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Carmen, mit der er zwei Söhne hat, betreibt er eine Physiotherapie-Praxis in Allendorf, in der seine Eltern ab und an helfen. (clm)

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