Vor 30 Jahren passierte der erste Zug die innerdeutsche Grenze 

Traditionszug Zwickau in Neu-Eichenberg 
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Mit Jubel begrüßt: Nach 45-jähriger Unterbrechung rollte der erste Zug über das Dreiländereck nach Hessen, der Traditionszug Zwickau wurde von einer Dampflok gezogen. Archivfoto: Jochen Herzog / ArchivFoto und Repro: Werner Keller

Unter dem Jubel der Massen passierte der Traditionszug Zwickau der Deuten Reichsbahn vor 30 Jahren die Landesgrenze am Dreiländereck und fuhr unter Dampf nach Eichenberg.

Neu-Eichenberg. Ein Spielmannszug aus Mühlhausen schmetterte einen Marsch, Hunderte von bunten Luftballons flogen in den wolkenverhangenen Himmel. Unter dem Jubel der Massen passierte der Traditionszug Zwickau der Deuten Reichsbahn am späten Vormittag die Landesgrenze am Dreiländereck und fuhr unter Dampf nach Eichenberg. Der 26. Mai 1990 war ein großer Tag für die Gemeinde und den Werra-Meißner-Kreis, so der frühere Bürgermeister Wolfgang Fischer.

Beigeordneter durfte als Eherengast mitfahren 

Der damalige Erste Beigeordnete durfte als Ehrengast im Zug mitfahren, mit Kassels Oberbürgermeister Hans Eichel und dem DDR-Verkehrsminister Horst Gibtner sowie den Landräten aus Eschwege, Göttingen und Heiligenstadt.

Vom Glanz ist nichts geblieben 

Vom Glanz der Eröffnungsfahrten zwischen Arenshausen und Eichenberg ist nichts geblieben – der Bahnhof fristet ein eher trauriges Dasein. Dabei war das Ereignis epochal: Mit dem Lückenschluss wurde nur knapp sieben Monate nach dem Fall der Grenze die Verbindung zwischen Kassel und Halle wieder hergestellt. Die Strecke war, Folge der deutschen Teilung, 45 Jahre lang unterbrochen. Die Reaktivierung, so Fischer, war eine Folge der Grenzöffnung. Es galt, die Übergänge auf der Schiene in Helmstedt/Marienborn und Bebra/Gerstungen zu entlasten. Gleichzeitige eröffnete dies eine schnellere Reise in die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt.

Aufschwung kam nicht

Der damalige Bürgermeister Gerhard Hannich knüpfte an die Grenzübergänge auf Straße(B 80) und Schiene große Hoffnungen – Bedeutungsaufschwung für die Gemeinde im Zonenrand. Fischer erinnert sich, dass im Bahnhofsgebäude Räume für ein Zollamt und den BGS hergerichtet waren. Der Bahnsteig 10 wurde für den Interzonenverkehr überlang ausgebaut. Mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 wurden Kontrollen hinfällig. Ende einer Vision. Nach der Inbetriebnahme der Göttinger Kurve 1998 fahren die schnellen Züge aus Südniedersachsen Richtung Obereichsfeld östlich an Eichenberg vorbei. Den Zustand des Bahnhofs beurteilt Bürgermeister Jens Wilhelm als „desaströs“. Der jetzige Eigentümer habe dort alte Baumaschinen und Fahrzeuge abgestellt – auf Privatgrund.

Die Hoffnungen der Gemeinde richten sich auf den Ausbau des Bahnhofs mit Herstellung der Barrierefreiheit. Die Pläne liegen vor, der Ausbau sollte nach dem letzten Stand in diesem Jahr beginnen.

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