Die Künstlerin Anne Löper verändert ihre vergänglichen Bilder vor Publikum

Erzählen mit Gobi-Sand

Filigrane Fingerstriche: Nur den dunkelbraunen Wüstensand und einen Lichttisch benötigt die Hübenthaler Künstlerin Anne Löper, um ihre vergänglichen Bilder zu sanden. Foto: Forbert

Hübenthal. Ihre Werke sind vergänglich. Mit einem Handstreich wischt sie das filigrane Bild vom Bärenkopf wieder weg. Wäre es nicht als Foto festgehalten worden, es bliebe nur ein Häufchen Sand. Sehr feiner, dunkelbrauner Sand aus der Wüste Gobi. Sand und Licht sind die Elemente, die Anne Löper für ihre Kunst braucht.

Wie mit einer Puderzuckerdose streut die 32-Jährige mit einer Hand den Sand auf den freigewischten Lichttisch. Damit verdunkelt sich auch das weiße, direkt auf die Wand übertragene Bild. Mit hier mehr und dort weniger Sand lässt die Künstlerin zarte Schattierungen entstehen, die Figuren wiederum plastisch erscheinen lassen. Mit gefühlvollem Fingerstrich zieht sie Linien, daneben tupft sie zart weiße Punkte an dunklen Ästen in den Sand, die wie Kirschblüten erscheinen.

Mal hat Anne Löper ein feststehendes Bild im Kopf, meistens aber wandeln sich die Sandgemälde. Dann erzählt die Künstlerin eine Geschichte, von denen sie etliche im Kopf hat. So verändert sich das Bild auf der Leinwand für die Zuschauer zur Musik.

Eine Geschichte, die auch ihre Kunst treffend erklärt, ist die vom „Mädchen am Fluss“. Diese handelt vom Lebenszyklus einer Frau, von der Vergänglichkeit des Menschen – und von der Vergänglichkeit Anne Löpers Bilder. Diese Art Sterben fasziniere die Betrachter auch emotional sehr, hat die Künstlerin beobachtet.

Gesang zu exotischem Klang

Anne Löper hat auch fröhliche Geschichten: Das Sandmärchen „Der kleine Baum“ ist für Kinder gedacht. Derweil der Märchenerzähler – Saarthaka Schoen – spricht, verändert sie ihre an die Wand geworfene Illustration; wenn er mit exotischen Instrumenten Musik macht, singt sie dazu – und sandet, wie die Künstlerin es nennt, dabei weiter.

„Da wusste ich, dass das was für mich ist.“

Anne Löper

Vor drei Jahren kam Anne Löper in Russland erstmals mit der Sandtechnik in Berührung. „Da wusste ich, dass das was für mich ist.“ Sie war auf der Suche nach einer tieferen und wahrhaftigeren Art und Weise, sich in Bildern auszudrücken. So ließ sie auch in ihrer Diplom-Arbeit kunstvolle Sandbilder vor den Prüfern entstehen.

Dass die Menschen beim Entstehen der Bilder dabei sind, „das ist das Besondere“, sagt die Künstlerin, die noch eine weitere Beziehung zu ihrem Material Sand hat: „Ich bin ein Wüstenkind.“ Wobei es sie auf ihren Reisen bislang immer nach Osten zog, ins Arabische, lange nach Indien und zuletzt bis Japan.

Nun lebt und arbeitet Anne Löper neuerdings in Hübenthal, wo sie schon Freunde fand. „Ich wollte immer auf dem Land leben“, sagt die 32-Jährige, die aber die Anbindung an eine Stadt nicht missen möchte. Von der Landschaft hier ist sie begeistert. Und die Kirschblüte und vor allem ihren Duft findet sie so wunderschön, dass sie diese liebend gern im Gobibraun aufgehen lässt – sandet. Infos: www.gesandet.de veranstaltung

Von Stefan Forbert

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