Fledermäuse und Engel aus Krakau

Die Kirche im Dorf lassen: Spannende Details in der Marienkirche in Sooden

Barocker Bau: Die Marienkirche wurde nach einem Brand im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut, als Kirche derer, die in Sooden im Salinenwesen beschäftigt waren.
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Barocker Bau: Die Marienkirche wurde nach einem Brand im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut, als Kirche derer, die in Sooden im Salinenwesen beschäftigt waren.

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jedes hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute steht die Marienkirche in Sooden im Fokus.

Bad Sooden-Allendorf – 1637 war ein Schicksalsjahr für die Orte im Werratal: Der 30-jährige Krieg tobte, Bad Sooden-Allendorf wurde geplündert und niedergebrannt, auch die St.-Crucis-Kirche, die Marktkirche St. Nikolai und die „alte Salzkirche“, die der Jungfrau Maria geweiht war.

Wie alt die Marienkirche in Sooden beim Brand bereits war, ist unklar. Doch vermutlich war es eine zweischiffige gotische Hallenkirche, die älteste Glocke stammt von 1405. Die neue Chronik zur Stadtgeschichte von 2018 nennt mit Johannes Iring und Justus Müller zudem zwei Pfarrer, die vor der Reformation hier wirkten und Pfänner-Familien entstammten.

Neubau nach 1637

Heute prangt das Wappen Landgraf Karls von Hessen-Kassel am Portal der am Hang gebauten Kirche, denn er veranlasste den Wiederaufbau. 1653 gab es schon wieder einen steinernen Altar. Die Kirche wurde in einen flachgedeckten Saalbau umgewandelt und im Westen um einen barocken Turm mit überwölbtem Chor ergänzt. Der Schlussstein trägt die Jahreszahl 1699 und die lateinische Inschrift „Landgraf Carl – sein Name sei gesegnet“.

„Johann Rhenanus, Pfarrer von 1555 bis 1589, war einst in der Kirche begraben worden“, erzählt Gisela Wand vom Kirchenvorstand und Förderkreis. „Seine Grabplatte ist noch unter der Orgelempore zu sehen.“ Eines der Prunkstücke im Innenraum ist die elegante Kanzel aus Kirsch- und Nussbaumholz von 1702. Auch das Kirchengestühl wurde damals aufwendig verziert, die Stände der Salinenbeamten mit geschnitzten Türen versehen.

Die Kanzel von 1702 besteht aus edlem Kirsch- und Nussbaumholz.

Aus der gleichen Zeit muss die barocke Empore mit der Orgel stammen. „Einer Inschrift nach wurde sie 1756 bereist einmal renoviert“, erläutert Pfarrer Dr. Daniel Bormuth. Heute befinde sich in dem historischen Orgelprospekt eine neue Orgel von 1980, auf der schon der Organist Marek Stefanski aus Krakau Konzerte gegeben habe.

Weites Rund: Pfarrer Dr. Daniel Bormuth zeigt den Blick von der Empore in die flachgedeckte Hallenkirche. Hinten rechts sieht man die Holzengel aus Krakau.

Viele Geschenke

Aus Krakau stammen auch die hölzernen Engel, die einen Platz rechts vom Chor erhalten haben. Ein Künstler, der sie in der Marienbasilika in Krakau verkauft, hat sie hergestellt, Freunde der Marienkirche haben sie gestiftet. Die bunten Fenster im Kirchenschiff wurden bereits im 19. Jahrhundert von den örtlichen Vereinen gestiftet, und so zeigen ihre Motive Bezüge zu Salzgewinnung, Handwerk und Kultur. Das Fenster am Altar wurde 1955 von Hilde Ferber gestaltet. Eine weitere Besonderheit ist die Fledermaus-Kolonie, die im Turm besonderen Schutz erfährt.

Hölzerner Engel von einem Künstler aus Krakau.

Derzeit wird der Eingang zur Kirche barrierearm gestaltet, das Bauprojekt soll im Sommer abgeschlossen sein. Das kirchliche Leben rund um die Marienkirche ist vielfältig. Die Angebote reichen unter anderem von Konzerten, Kindergottesdiensten, Frauenkreis und Jugendarbeit bis zum Weihnachtsmarkt. „Vor der Pandemie wurde die Kirche auch sehr viel von Kurgästen besucht“, sagt Gisela Wand. Im vergangenen Jahr fand das Kirche Leben aber eingeschränkter statt, die Gottesdienste wurden unter Hygieneregeln abgehalten. Und doch sind die Türen der Kirche auch weiter täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet – und die Menschen kommen zum Beten.

(Kristin Weber)

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