Flugroboter hilft der Feuerwehr

Witzenhäuser Wehr baut eine Drohnen-Einheit auf

Jan Winkelbach überwacht die Bilder, die die Drohne liefert.
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Jan Winkelbach überwacht die Bilder, die die Drohne liefert.

Witzenhausens Feuerwehr baut eine Einheit für eine Drohne mit Wärmebildkamera auf.

Witzenhausen – Informationen über das Ausmaß eines Brandes oder über Glutnester kann eine Drohne mit Wärmebildkamera liefern. Die Feuerwehr Witzenhausen hat mit dem Aufbau einer entsprechenden Spezialeinheit begonnen. 23 Personen aus den 16 Ortswehren gehören ihr an.

„Wo sollen wir zuerst löschen?“ Vor dieser Frage stand die Einsatzleitung 2019, als es auf einem mehrere Kilometer langen Abschnitt an der Bahnstrecke zwischen Witzenhausen und Neu-Eichenberg brannte. „Ein Privatmann lieferte uns in einem kleinen Bereich mit seinem Flugroboter wertvolle Hinweise“, erinnert sich Stadtbrandinspektor Claus Demandt. Danach stand fest, dass die Feuerwehr eine eigene Drohne benötigt.

Die Kameraden Jan Winkelbach und Mathias Galle, die beide privat seit Jahren unbemannte Luftfahrzeuge nutzen, nahmen die Sache in die Hand. „Eine Drohne kann helfen, bei dichter Bebauung hinter ein brennendes Gebäude zu schauen“, erläutert Winkelbach. Droht das Feuer auf Nachbargebäude überzugreifen? Steht dort ein Gastank, der explodieren könnte? Gibt es unterirdische Glutnester, vor denen die Einsatzkräfte zu warnen sind?

Der Ausbruch der Pandemie bremste die beiden Feuerwehrleute beim Aufbau der Drohneneinheit aus. So konnte ihre Arbeitsgruppe erst im August 2020 mit einem Online-Treffen starten. Ein geeigneter Flugroboter war auszuwählen. Die Feuerwehr Witzenhausen bestellte ihn im April 2021. Im Juni wurde das mit Zubehör 5000 Euro teure Gerät ausgeliefert. Die Stadt übernahm die Kosten.

„Die Kamera liefert gestochen scharfe Bilder“, erklärt Winkelbach. Verschwommener und entsprechend schwieriger zu deuten sind dagegen die Aufnahmen der Wärmebildkamera. Beide Bilder lassen sich jedoch verbinden, was die Interpretation erleichtert. Der heißeste Punkt wird jeweils angezeigt.

Die Bilder sind nicht nur auf der Steuerungseinheit des Piloten zu sehen, sondern werden für die Einsatzleitung auch auf einen großen Monitor übertragen. Ein mobiler Akku, genannt Powerbank, versorgt ihn zwei Stunden lang mit Strom.

Bei Nachteinsätzen kommen die kleinen, aber sehr starken Scheinwerfer zum Einsatz. Auf dem Flugroboter blinkt ein Licht, um Piloten zu warnen. Das ist notwendig, weil das unbemannte Luftfahrzeug der Feuerwehr, im Gegensatz zu dem von Privatpersonen, auch höher als 120 Meter aufsteigen darf. „Eine Flughöhe von 70 Metern reicht in der Regel“, betont Galle. Die Piloten halten Abstand zu Rauchwolken, die die empfindliche Elektronik lahmlegen könnten.

Das Flugobjekt ist in alle Richtungen mit Sensoren ausgestattet, die mögliche Hindernisse erkennen. Das hilft, Zusammenstöße zu vermeiden. Drei Akkus sorgen für eine Flugzeit von insgesamt einer Stunde. Sollte die Drohne doch einmal wider Erwarten abstürzen, entfaltet sich ein Fallschirm.

Die beiden Leiter der Arbeitsgruppe verfügen über den Drohnenführerschein, den sogenannten Kompetenznachweis A1/A3. Winkelbach hat zudem die Fernpilotenlizenz A2 erworben, Galle steht kurz davor. Ihr theoretisches und praktisches Wissen geben die beiden bei monatlichen Treffen an die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe weiter. Alle haben eine spezielle App auf ihrem Handy, über die sie von der Einsatzleitung alarmiert werden. „Drei bis fünf Piloten sollten jeweils kommen, damit sie sich an der Steuerungseinheit abwechseln können“, sagt Stadtbrandinspektor Demandt. (Michael Caspar)

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