Seniorin steht vor Privatinsolvenz

Ärger mit Bauamt: Frau lebt in illegalem Gebäude im Wald bei Rommerode

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Idylle im Wald: Versteckt hinter dichten Bäume steht das Haus von Ursula Metzler. Die 73-Jährige streitet seit Jahren mit dem Bauamt des Werra-Meißner-Kreises, der das illegal errichtete Haus abreißen lassen will.

Rommerode. Versteckt im Wald bei Rommerode steht das Haus von Ursula Metzler. Die 73-Jährige streitet seit zehn Jahren mit dem Bauamt des Werra-Meißner-Kreises. Grund: Das Haus wurde ohne Baugenehmigung errichtet. Nun steht die Rentnerin vor dem finanziellen Aus.

Ursula Metzler weiß, dass an der Abrissverfügung juristisch nicht mehr zu rütteln ist. Jedoch hofft die Seniorin auf die Barmherzigkeit des Landkreises: "Ich würde das Haus sogar verschenken, mein einziger Wunsch ist es, meinen Lebensabend hier zu verbringen", sagt die 73-Jährige, die um ihre finanzielle Existenz bangt. Das Haus sei mit einer Hypothek von 48.000 Euro belastet. Das 4800 Quadratmeter große Waldgrundstück sei aber nur 14.000 Euro wert. Wenn die Seniorin nun auch noch 15.000 Euro für den Abriss des Hauses zahlen müsse, bleibe ihr nur noch die Privatinsolvenz, sagt die Seniorin.

Das sagt der Landkreis: "Wir haben kein Problem damit, die Abrissverfügung auszusetzen, wenn Frau Metzler eine Sicherheitsleistung hinterlegt", sagte der erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann (Grüne) am Donnerstagvormittag auf Anfrage unserer Zeitung. Der Landkreis könne nicht auf den Abrisskosten in Höhe von 15.000 Euro sitzen bleiben. "Das ist nicht finanzierbar für den Kreis und zudem ungerecht gegenüber dem Steuerzahler", argumentiert Wallmann.

Dem Werra-Meißner-Kreis sei aber grundsätzlich daran gelegen, Frau Metzler entgegenzukommen. Zur finanziellen Situation der 73-Jährigen, die wegen der geforderten 15.000 Euro um ihre Existenz fürchtet, wollte er keine Stellungnahme abgeben: "Ich habe keine Kenntnis über Frau Metzlers finanzielle Situation." (alh)

Mitte Februar hat Ursula Metzler eine Petition nach Wiesbaden an den Petitionsausschuss des hessischen Landtages geschickt ein letzter Strohhalm, an den sich die 73-Jährige klammert. Eigentlich hätte Metzler ihr Eigenheim am 31. Dezember 2013 räumen müssen. Allerdings habe ihr der Landkreis zugesichert, den Abriss des Hauses aufzuschieben, bis der Petitionsausschuss eine Entscheidung getroffen hat. Das bestätigte auch der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann auf HNA-Anfrage.

Ursula Metzler fühlt sich indes von der Raiffeisenbank Homberg-Efze über den Tisch gezogen. Das Geldinstitut hatte ihr 1993 das Haus verkauft, obwohl schon bekannt gewesen sei, dass es keine Baugenehmigung für das Haus gibt. Außerdem habe der Notar den Kauf damals ohne Grundbucheinsicht abgewickelt. Da sie seit 1982 in dem Haus lebte und im Kaufvertrag ein Bestandsschutz vermerkt war, fühlte sie sich auf der sicheren Seite - ein Irrtum, wie sich letztendlich herausstellte.

Das Haus von Ursula Metzler wurde 1920 errichtet. Von 1946 bis 1952 wohnten hier Heimatvertriebene. Im Jahr 1950 übernahm die Familie Döring das Gebäude nebst Grundstück. 1984 wurde das ursprüngliche Gebäude von Metzlers Lebensgefährten, dem Jagdpächter Klaus Döring, ohne Baugenehmigung erweitert. Damals sei ein Bußgeldbescheid ergangen, der auch bezahlt worden sei. "Ich gehe davon aus, dass der Anbau geduldet wurde, weil mein Lebensgefährte als Jäger privilegiert war, in seinem Jagdrevier zu wohnen", sagt Metzler. Eine Abrissverfügung habe es damals nicht gegeben.

Kurze Zeit nach dem Tod von Klaus Döring im Jahr 2002 habe sie dann eine Abrissverfügung erhalten. Metzler zog vor das Verwaltungsgericht Kassel und ließ sich auf einen Vergleich mit dem Landkreis ein. "Ich bin damals schwer krank gewesen und habe mich deshalb auf den Vergleich eingelassen", sagt sie.

Der Werra-Meißner-Kreis habe den Abriss des Hauses damals damit begründet, dass sich das Gebäude nicht in die umgebende Natur einfüge.

Von Alia Shuhaiber

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