Politisches Kabarett im vollen Wappensaal

Die Freiheit in den Köpfen verteidigen

Am meisten überzeugte Gerd Hoffmann mit seinen Songs: Begleitet wurde er am Klavier von Martin Hunger. Foto: Pujiula

Bad Sooden-Allendorf. „Die Freiheit der Deutschen wird nicht in Afghanistan, in Serbien, Mali oder sonstwo verteidigt. Die Freiheit der Deutschen wird im Kopf der Deutschen verteidigt.“ Für diesen Gedanken erhielt Gerd Hoffmann bei seinem Programm Samstagabend im vollbesetzten Wappensaal in Bad Sooden-Allendorf den größten Applaus.

Gerd Hoffmann, Jahrgang 1959, in der DDR aufgewachsen und Gründer des Kabaretts „Die Radieschen“, präsentierte in der Veranstaltung des Kulturforums sein neues Programm „Normal Null“. Politisches Kabarett, das er im Wappensaal zum ersten Mal öffentlich vortrug, mit beachtlichem, aber nicht durchschlagendem Erfolg.

Der Schnellredner Hoffmann sprach zwei Stunden lang über deutsche Tagespolitik: meistens bitterböse. Ob Merkel, der „Hampelmann“ Siegmar der Erste, von der Leyen, Steinbrück oder Schäuble – kein Einziger wurde geschont. Nicht einmal Gauck. Dem Bundespräsidenten attestierte er eine inflationäre, obsessive Benutzung des Wortes „Freiheit“. Und um das Maß voll zu machen: Auch Papst Franziskus kam mit abstrusen Attacken in seiner Liste vor.

Als musikalischen Begleiter hatte Hoffmann den Potsdamer Pianisten und Komponisten Martin Hunger mitgebracht, eine Bereicherung des Programms. Genau wie die verschiedenen Songs in bester Kabaretttradition, die, von Hoffmann selbst getextet, vom Kabarettisten gesungen wurden, zu den Höhepunkten des Abends gehörten. Oft pessimistische, sozialkritische Songs, die es mit suggestiven Texten auf den Punkt brachten: „Wir brauchen Aromen, Stimulationen, Prosecco und Ritalin.“

Summa summarum ein intelligenter Kabarettabend, dem aber etwas an Brisanz fehlte, ein Rundumschlag gegen die „politische Kaste“– mit einigen Längen und meistens schwachen Pointen, die selten beim Publikum richtig ankamen.

Ein verlorener Abend war es aber nicht - wie der laute Schlussapplaus des Publikums zeigte.

Von Francisco Pujiula

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