Achtzigjährige bekam zwanzig Jahre keine Rente

Gerda B. gab es nicht

Bad Sooden-Allendorf. Als Gerda B. Anfang der neunziger Jahre einen Rentenantrag stellen wollte, musste sich die heute Achtzigjährige, die gemeinsam mit ihrem ein Jahr jüngeren Ehemann Walter in Bad Sooden-Allendorf wohnt, sagen lassen, dass es sie eigentlich gar nicht gibt - jedenfalls nicht in den Unterlagen der Landesversicherungsanstalt (LVA). Ihr Antrag wurde zurückgewiesen.

Dabei hatte die Mutter zweier Kinder jahrelang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt, während ihrer Ausbildung und später als Angestellte. Einige Jahre war sie sogar bei der Landesversicherungsanstalt selbst beschäftigt. Unterlagen waren trotzdem nicht auffindbar. Es blieb dabei: Gerda B. bekam keine Rente. Sie habe keinen Anspruch, hieß es in der Begründung der Rentenversicherung. Das stellte sich jetzt, zwanzig Jahre später, als Irrtum heraus.

In diesen Tagen flatterte der Rentenbescheid ins Haus: 371 Euro stehen Gerda B. pro Monat zu - allerdings nicht rückwirkend. Für die vergangenen zwanzig Jahre gibt es keine Nachzahlung. Gerda B. hatte es seinerzeit versäumt, Widerspruch einzulegen. „Mein Mann hatte immer gut verdient und bekam eine Rente, von der wir beide leben konnten“, sagt sie. „Was hätten wir denn tun sollen?“, fragt ihr Ehemann. „Das Amt hat doch gesagt, dass ihr nichts zusteht, das war dann eben so . . .“ Das das nicht so bleiben muss, dafür hat der Vermögensberater Armin Müncheberg gesorgt.

„Als ich erfahren habe, dass Gerda B. keine Rente bekommt, konnte ich das gar nicht glauben“, erzählt er, „das musste sich um einen Fehler handeln.“ Müncheberg forschte nach, zunächst bei der Deutschen Rentenversicherung, der Nachfolgerin der Landesversicherungsanstalt. Die Suche blieb erfolglos. Es gab keine Unterlagen - weder in elektronischer Form noch in den alten Akten im Archiv.

Da hatte Müncheberg die entscheidende Idee: Die Krankenkasse. Gerda B. war bei der AOK krankenversichert. Müncheberg recherchierte im Archiv der Krankenversicherung. Und tatsächlich: Er fand die verloren gegangenen Rentenkarten. Gerda B. konnte ihren Anspruch endlich nachweisen und bekommt jetzt die Rente, die ihr seit zwanzig Jahren zusteht. „Ich habe eigentlich gar nicht so viel gemacht“, sagt Müncheberg bescheiden, „jedenfalls nichts, was der Sachbearbeiter bei der LVA vor zwanzig Jahren nicht auch hätte tun können.“

Die Deutsche Rentenversicherung wollte gestern nicht Stellung dazu nehmen.

Verbittert über die entgangenen Zahlungen sind die beiden rüstigen Rentner nicht. Im Gegenteil: „Wir freuen uns, dass wir jetzt ein bisschen mehr haben und hoffen, dass wir noch ein paar Jahre haben . . .“

Von Harald Sagawe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare