Ergänzend zum Themenweg Hirschhagen stellte die Stadt nun eine Broschüre vor

Geschichte auf 42 Seiten

Neue Info-Broschüre in den Händen: Vor der ehemaligen Hauptverwaltung der Munitionsfabrik Hirschhagen von links Themenweg-Führer Bernd Spaar, Uwe Rauschenberg (Fachbereich Tourismus), Ulrich Rodewald (Fachbereich Controlling), Karl Heinrich Schlegel (Führer und Ortsvorsteher Hirschhagen), Bürgermeister Jürgen Herwig, Führer Gerold Kunert, Brigitte Kunert (in Vertretung von Bürgermeister Tilo Küthe, Helsa), Führer Jürgen Jessen und Monika Walenta-Müller (Fachbereich Tourismus). Foto: Bretzler

Hirschhagen. Wer sich auf den Themenweg Hirschhagen begibt, schwebt zwischen Staunen und Frösteln. Denn hier überschneiden sich Verfall und Moderne, Geschichte und Realität, Erinnerungen an Grausamkeit und Freude am wirtschaftlichen Aufschwung. Hirschhagen ist und bleibt ein Ort der Kontraste.

Kontraste, die mit dem 2010 eröffneten Themenweg und der aktuell veröffentlichten Broschüre „Von einer der größten Sprengstofffabriken des Dritten Reichs zum Industriegebiet“ noch sichtbarer hervortreten. Jürgen Herwig, Bürgermeister von Hessisch Lichtenau, stellte sie bei einem Ortstermin vor und lobte das Engegament der daran Beteiligten: die Arbeitsgruppe Hirschhagen, die Geschichtswerkstatt, der Fachbereich Kultur und Tourismus in der Verwaltung sowie die ehrenamtlichen Führer, die schon Hunderte Interessierte entlang der 15 Tafeln durch den Ort begleitet haben. „Die Stadt hat die eigene Vergangenheit vorbildlich aufgearbeitet“, sagte Herwig. „Wir stehen allumfassend zu unserer verhängnisvollen Geschichte“, die auch in der Broschüre auf 42 Seiten kompakt und mit vielen historischen Fotos dargestellt werde.

Jürgen Jessen, Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt, lobte die gelungene Konversion von einem Militär- in ein Indutriegebiet, in dem 600 Arbeitsplätze entstanden sind. „Neues wächst aus den Ruinen.“

Karl Heinrich Schlegel, Ortsvorsteher von Hirschhagen, beobachtet täglich, wie stark der Themenweg genutzt wird. „Viele halten mit den Autos an oder unterbrechen ihren Spaziergang, um die Texte auf den Tafeln durchzulesen.“ Die Broschüre sei eine Ergänzung des Angebots – aber die Liste weiterer Verbesserungen sei noch lang. Unter anderem wünscht sich Schlegel ein Besucher-WC, das vor allem für den großen Rundweg mit einer Länge von zwei Stunden erforderlich sei. Auch Relikte wie historische Laternen und Betonständer für Rohrleitungen, die bis heute im Wald herumliegen, könne man bergen, aufarbeiten und in den Themenweg eingliedern.

Wünschenswert sei auch, Besuchern ein denkmalgeschütztes Gebäude von innen zu zeigen, um die Atmosphäre in der früheren Sprengstofffabrik besser nachspüren zu können. Dazu würde sich die Ruine der Denitrierunganlage neben dem Feuerlöschteich eignen. Dort, wo im Dritten Reich Chemikalien hergestellt und rückgewonnen wurden, hängen zum Beispiel noch die original Lampenfassungen.

Schwierig sei hier aber die rechtliche Situation, sagte Ulrich Rodewald vom Fachbereich Controlling. Die Gebäude seien baufällig und müssten gesichert werden, damit Besucher sich nicht verletzten können. Der finanzielle Aufwand sei für die Stadt unterm Schutzschirm aber zu groß, sodass weiter der Bick von außen genügen müsse. Und wer die Gerippe aus Stahl und Beton betrachtet, die neben modernen Gewerbebetrieben mahnend in den Himmel ragen, wird festestellen: Auch der Bick von außen ist beeindruckend genug. Artikel links

Von Kathrin Bretzler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare