Werra-Meißner-Kreis

Graureiher-Bestand erholt sich: Naturfreunde beobachten 25 Brutpaare im Werratal

Nachwuchs wird groß: Klaus Heinitz aus Bad Sooden-Allendorf gelang dieses Bild von einem erwachsenen Graureiher (links), dessen Jungtier neugierig aus dem Horst schaut.
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Nachwuchs wird groß: Klaus Heinitz aus Bad Sooden-Allendorf gelang dieses Bild von einem erwachsenen Graureiher (links), dessen Jungtier neugierig aus dem Horst schaut.

Nachdem sie jahrhundertelang verfolgt wurden, erholt sich der Bestand der Graureiher im Werratal. Darauf weist Dr. Jörg Brauneis vom Jagdverein Hubertus Eschwege hin.

Werra-Meißner - Demnach leben in einer großen Graureiherkolonie zwischen Bad Sooden-Allendorf und Witzenhausen in diesem Jahr mindestens 21 Brutpaare. Dem Bad Sooden-Allendorfer Klaus Heinitz, der diese Kolonie regelmäßig beobachtet, sind jetzt ein paar beeindruckende Fotos von Altvögeln und Jungtieren gelungen. Graureiher legen pro Brut drei bis fünf Eier, die Jungvögel bleiben 26 Tage im Nest. In den nächsten Wochen werden sie laut Brauneis aus dem Nest ausfliegen.

„Neben dieser großen Kolonie zwischen Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf haben sich in diesem Jahr auch erstmals vier Graureiherpaare in einem Waldgebiet im Eschweger Werrabecken angesiedelt“, so Brauneis. Die genauen Standorte der Kolonien verrät er nicht, „da auch heute nicht alle Menschen den Graureihern wohlgesonnen sind.“

Das Werratal biete ideale Bedingungen für Graureiher, erklärt Brauneis weiter. Hier gebe es mehr als 500 Hektar Wasserflächen – meist aus dem Kiesabbau. Allein der Werratalsee bei Eschwege, sei mehr als 100 Hektar groß. Auch hätten sich die Fischbestände im See, aber auch in der Werra in den vergangenen Jahren erholt. Der Bestand der Graureiher in Hessen hat laut Brauneis eine bewegte Vergangenheit: So hätte besonders Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel (1720 bis 1785) die Jagd mit Wanderfalken auf Graureiher besonders gepflegt, vor allem in der Schwalm rund um das Jagdschloss Wabern. Dabei seien die Graureiher allerdings nicht getötet worden, sondern sollten von den Falken des Landgrafen lediglich zu Boden gebracht werden.

„Die höfische Gesellschaft ergötzte sich am Luftkampf der Vögel. Dem Reiher wurden dann zwei lange Nackenfedern als Trophäe entfernt und ein Ring mit Datum und Namen des Falkners angelegt. Danach durfte er davonfliegen.“ Friedrich II. erließ offenbar eigens Gesetze, um die von der Bevölkerung als Fischräuber geschmähten Reiher vor der Verfolgung zu schützen. Nach seinem Tod 1785 war es damit vorbei, berichtet Brauneis: Die Vorschriften wurden aufgehoben, die Jagd auf die Reiher begann, so dass Anfang des 19. Jahrhunderts die Graureiher im Bereich Hessen-Kassel praktisch ausgerottet waren.

Heute werden die eleganten Vögel durch das Bundesjagdgesetz geschützt, in Hessen gilt eine ganzjährige Schonzeit. Brauneis hofft: „Damit steht dem weiteren Gedeihen der Graureiherkolonien auch im Werra-Meißner-Kreis nichts im Weg.“

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