Die Märchensammler besuchten mehrfach das herrschaftliche Anwesen bei Hessisch Lichtenau

Grimms zu Gast auf Gut Glimmerode

Familie Kreye, letzte Bewohner des Gutes Glimmerode 19. September 1926: Erinnerungsfoto an die Heu-Ernte auf Gut Glimmerode. Zu sehen sind (2. v. l stehend) Paul Kreye, (2. v. l. sitzend) Helene Sommerlade, geb. Kreye, rechts unten Elisabeth Kreye, geb. Claus. Foto: nh

Hessisch Lichtenau. Eine Erinnerungstafel ist das einzige, was heute noch an das ehemalige Gut Glimmerode zwischen der Kernstadt Hessisch Lichtenau und dem Ortsteil Hopfelde erinnert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beherbergte das herrschaftliche Anwesen auch die Brüder Grimm. Die Märchendichter aus Kassel verbrachten hier ihre Freizeit und nahmen an Jagden teil.

Die Reichenbacher Historikerin Agnes Huck beschäftigt sich schon seit langem mit der Geschichte des Guts und hat verschiedene Quellen gesichtet, die den Aufenthalt von Jacob und Wilhelm Grimm belegen: „Die Grimms haben damals ihren auf dem Gut lebenden Freund Otto von der Malsburg und dessen Familie besucht“, sagt sie und bezieht sich auf Passagen in einzelnen Briefen, die die Brüder an Freunde geschickt hatten. Darin berichten die Dichter von ihren Besuchen dort und dem Meißner. Wilhelm Grimm schrieb am 24. Juli 1817 an Paul Gerlin: „...Ich wollte mit Hummel, seiner Frau und der Räthin Pfeiffer den Meißner besuchen, wir bekamen aber soviel Regen, dass wir uns begnügten, zwei Tage in Glimmerode, einem Gute der Frau von Malsburg, welches am Fuße des Berges liegt, zu bleiben, wo wir uns ganz wohl vergnügten und dann wieder Heim fuhren . . .“.

„So wurde etlichen von uns hübsche Häubchen aufgesetzt, damit wir als Damen gelten sollten.“

Wilhelm Grimm

In einem weiteren Brief vom 12. Juni 1818 an Frau von Zuydtwyck berichtete Wilhelm Grimm von einer Geburtstagsfeier auf dem Gut: „. . . indessen machten wir uns keine Sorgen und fingen gar noch an, nach dem Fortepiano zu tanzen. Da der Damen zu wenig waren, so wurde etlichen von uns hübsche Häubchen aufgesetzt, damit wir als Damen gelten sollten.“

Ein weiterer Beleg findet sich im Wilhelm Grimm Gedenkbuch: „20. Juli 1821. Nach drei Uhr in Malsburgs Equipage (Kutsche) nach Glimmerode abgereist...22. Juli. Um neun Uhr auf einem Leiterwagen nach dem Meißner...wir besahen dort vor dem Essen einen Stollen und einen Wasserfall... Nachmittag zwischen prächtigen Buchen zu dem Frau Hollenteich, der jedes Jahr kleiner wird, dann die Kalbe hinauf...24. Juli. Mittags ging ich...nach einem Brunnen spazieren, wo schöne Felsen stehen, nach Art der Extersteine (Hollsteine in Hollstein). Und etwa im August des Jahres 1821 schrieb Wilhelm Grimm an Achim von Arnim unter anderem über diesen Besuch: „...ich wünsche, dass Du so vergnügt bist, als ich acht Tage auf dem Land am Fuße des Meißners und oben auf seiner Spitze war.“ Schon der Heimatforscher Wilhelm Rasbieler hatte 1968 in Heft drei der Reichenbacher Blätter über die Besuche der Grimms berichtet. Wer auf ihren Spuren lustwandeln möchte, kann auf dem Brüder-Grimm-Steig wandern. Die zweite Etappe führt über Söhrewald, Quentel, an Hessisch Lichtenau vorbei in Richtung Reichenbach, Hausen und Meißner. grimmsteig.de

Von Alia Shuhaiber

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