WFG will Gespräch suchen

Pachtvertrag gekündigt: Erlebnispark Ziegenhagen droht das Aus

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Den Erlebnispark Ziegenhagen macht sein Retro-Charme aus. 

Wenn die Saison im Erlebnispark Ziegenhagen demnächst zu Ende geht, wird es auch die letzte von Pächter Michael Stolzenberg sein. Nachdem er den Park zwei Jahre als Geschäftsführer betrieben hatte, wurde sein Pachtvertrag nicht mehr verlängert.

Über die Gründe gibt es von Pächter und Eigentümer unterschiedliche Aussagen. Eigentlich, so Stolzenberg, habe er in Kaufverhandlungen über den Park gestanden. Diese seien mit der Kündigung hinfällig. Knapp 40.000 Euro hat der Pächter laut eigener Aussage in den Park investiert. Übernommen habe er diesen ohne Automuseum und ohne Tiere, dafür mit einem Wartungsstau.

Eigentümer Axel Surup stellt es anders dar. Die Tiere – unter anderem Ziegen – seien abgeschafft worden, weil sie für die Smartphone-Generation „zur Gefahr geworden“ seien, sagt er. Zudem sei es nicht mehr möglich gewesen, Tierpfleger zu bekommen.

Im Bild sind Pächter und Geschäftsführer Michael Stolzenberg mit seinen Mitarbeiterinnen (von links) Laura Dominguez, Araya Pluemsuk und Silja Andresen zu sehen. 

Stolzenberg habe im Park ein traumatherapeutisches Zentrum für Kinder eröffnen wollen. Dafür hätte er den Park kaufen müssen. Da Surup den Park aus Altersgründen abgeben wollte, habe er sich in der Familie nach einem Nachfolger umgeschaut und ihn in Stiefsohn Stolzenberg gefunden. Bis dieser die entsprechenden Kredite für den Kauf bekommt, sollte er das Gelände pachten. „Alle Geräte hat er dazu kostenfrei bekommen“, sagt Surup – mit der Auflage, Mängel sofort zu beseitigen. „Das war einer der großen Kritikpunkte.“

Stolzenberg hingegen sagt, er habe alle Mängel „nach bestem Wissen und Gewissen“ behoben. Und: „Wir leben von der Zufriedenheit des Gastes.“ Aber, so räumt er ein: Hier und da fehle etwas Farbe. Dafür habe er eher in die Funktionstüchtigkeit der Fahrgeschäfte investiert. Zudem habe er den Park „nicht im Eins-A-Zustand übernommen“. Das sieht Surup anders. Der Park sei sehr gepflegt gewesen, bis auf eines seien alle Fahrgeschäfte gelaufen. Zwar habe Stolzenberg sich bemüht, alles in Schuss zu halten, habe jedoch bei Gästen einen überforderten Eindruck zurückgelassen.

Bis zu 30 Aushilfen

Drei festangestellte Mitarbeiter gibt es laut Stolzenberg im Park. Dazu kommen in der Saison bis zu 30 Aushilfen – Schüler und Studenten aus der Region. An Öffnungstagen seien jeweils rund zehn Personen im Einsatz gewesen.

Da es im Übernahmejahr 2018 einen Wartungsstau gegeben habe, habe er den Eintrittspreis um zwei Euro reduziert. Bei rund 20 000 Besuchern im Jahr waren das rund 40 000 Euro weniger Einnahmen. „Das hat mir in der ersten Saison das Genick gebrochen“, sagt Stolzenberg.

Axel Surup entgegnet: Reduzierte Eintrittspreise habe es nur am Anfang der Saison 2018 gegeben. Bezüglich des Kaufes sei er von Stolzenberg immer wieder vertröstet worden. „Ich kann den Jungen nicht ins offene Messer laufen lassen“, sagt Surup zur Kündigung. Selbstkritisch sagt er jedoch auch, dass er in den letzten Jahren, in denen er die Führung des Parks innehatte, zu viel in Gebäude und zu wenig in neue Fahrgeschäfte investiert habe.

Axel SurupEigentümer

In der Zeit nach dem Kauf wollte Stolzenberg eine Wasserlandschaft aus heimischen Hölzern bauen lassen und die Küche auf Bio umstellen. Auch das Automuseum sollte wieder entstehen.

Surup indes sucht jetzt einen neuen Käufer für den Erlebnispark, „der weiß, was er kann und möchte“.. Am liebsten wäre ihm als Käufer der Nachwuchs eines Parkbesitzer-Kollegen oder ein Schausteller-Kind.

Info:Der Park ist bis 20. Oktober sowie am Wochenende, 26. und 27. Oktober, geöffnet. Je nach Wetter ist eine Öffnung vom 31. Oktober bis 3. November geplant.

Beginn vor 51 Jahren als Märchenzoo

An der Stelle des Erlebnisparks stand im Mittelalter eine Burg, die später einem Gut weichen musste. Wie der Internetseite des Parks zu entnehmen ist, kaufte Walter Surup 1967 das Gut und eröffnete ein Jahr später dort ein „Adler-Raubtier-Wildgehege“. Um sich von der Sababurg zu unterscheiden, wandelte er den Park in einen „Märchen-Zoo“ um. Sohn Axel Surup übernahm den Park und verpachtete ihn 2018.

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