Wegen Coronakrise

Große Events verboten: Viele Feste im Werra-Meißner-Kreis fallen aus

Dieses Jahr wird nicht getanzt: Das Erntedank- und Heimatfest Bad Sooden-Allendorf - hier ein Bild von 2019 - fällt wie viele andere Veranstaltungen aus.
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Dieses Jahr wird nicht getanzt: Das Erntedank- und Heimatfest Bad Sooden-Allendorf - hier ein Bild von 2019 - fällt wie viele andere Veranstaltungen aus.

Da die Bundesregierung und das Land Hessen wegen der Corona-Pandemie Großveranstaltungen bis zum 31. August verboten haben, stehen auch Traditionsfeste im Werra-Meißner-Kreis vor der Absage. Der Überblick:

Bad Sooden-Allendorf

Das 162. Erntedank- und Heimatfest in Bad Sooden-Allendorf etwa wird erst im nächsten Jahr gefeiert – es war für die Zeit vom 14. bis 18. August geplant. Nach dem Untersagen von Großveranstaltungen bis Ende August durch Bund und Länder hat der Erntefestausschuss das für Mitte August geplante fünftägige Fest definitiv abgesagt, bestätigt Stefan Lauer, Vorsitzender des Erntefestausschusses. Ihm tue der Verzicht leid, aber die Gesundheit der Menschen sei wichtiger.

Von der Entwicklung bezüglich der Maßnahmen zum Schutz vor einer Corona-Infizierung sei man nicht überrascht, sagt Stefan Lauer, Vorsitzender des Ausschusses für das Erntedank- und Heimatfest in Bad Sooden-Allendorf. Schon vor drei, vier Wochen habe man vermutet, dass das für 14. bis 18. August vorgesehene Fest nicht stattfinden kann. Allein schon, weil man nicht zum Ernten auf die Felder hätte gehen dürfen. Und ohne Getreide und Schmuck hätte es auch nicht das traditionelle Dankfest werden können, so Lauer. Zugleich erteilte er Alternativen wie einem bereits vorgeschlagenen „Corona-Beendigungsfest“ in Form eines Stadtfestes eine Absage. Stattdessen freue man sich umso mehr auf das Erntefest 2021.

Von einem herben Einschnitt für das traditionsbewusste Bad Sooden-Allendorf sprach Bürgermeister Frank Hix, der auch dem Erntefestausschuss angehört. Die Absage sei aber die „richtige Entscheidung“, denn „die Gesundheit geht vor.“ Gleichwohl sieht er mit dem Verzicht auf Erntefest, Märchenwoche und Brunnenfest erhebliche negative wirtschaftliche Folgen, seien diese Feste doch auch von touristischer Bedeutung. Sonst seien die Beherbergungsbetriebe stets ausgelastet. Das bedeute durch weniger Umsatz auch weniger Gewerbesteuer für die Stadt sowie Einbußen bei der Kurtaxe.

Relativ nüchtern betrachtet Julia Spitzenberg vom Stadtmarketing Bad Sooden-Allendorf die jetzigen Anordnungen: Dass viele Geschäfte bald wieder öffnen dürfen, hält sie für wichtiger als nach wie vor untersagte Kulturveranstaltungen – zumal diese auch nur von wenigen Reha-Gästen wahrgenommen werden könnten. Das Organisationsteam versuche, die Kulturveranstaltungen zu verschieben, zumeist ins nächste Jahr. Die für Ende April geplante Mallorca-Party soll nach Möglichkeit Ende November nachgeholt werden.

Hessisch Lichtenau

In Hessisch Lichtenau hat Bürgermeister Michael Heußner bereits über Facebook angekündigt, dass das Altstadt- und Heimatfest (11. bis 14. Juni) sowie die Feier „800 Jahre Quentel“ wegen der Vorgaben des Bundes ausfallen müssen. „Es ist bedauerlich, dass die Feste ausfallen. Vor allem ist es aber bedauerlich für die, die davon leben“, sagt Heußner. Eine Verschiebung auf den Herbst hält der Bürgermeister für schwierig: „Wenn irgendwann die Lockerungen kommen, dass Feste wieder stattfinden dürfen, dann haben die Schausteller ja trotzdem schon Termine im Kalender stehen.“

Großalmerode

Die Stadtverwaltung von Großalmerode habe vorsorglich in den vergangenen Wochen Kontakt zu Festwirt und Künstlern aufgenommen, die für das nur alle fünf Jahre stattfindende Heimatfest (18. bis 22. Juni) engagiert worden sind. Man habe Vorbereitungen getroffen, um das Fest theoretische auf das nächste Jahr zu verschieben, informiert Bürgermeister Finn Thomsen. Den Beschluss über eine Verschiebung müsse der Festausschuss bei einer Telefonkonferenz am Montag treffen.

Witzenhausen

In Witzenhausen hält der Erntefestausschuss noch an der Traditionsfeier vom 21. bis 26. August fest. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Präsident Axel Behnke. Er hofft, dass sich die Lage entspannt und der Ausschuss die Entscheidung bis Juni oder Juli hinauszögern kann. Ohne eine Verordnung des Landes und entsprechende Rechtssicherheit wolle er das Fest ohnehin nicht absagen, weil es sonst Probleme mit den Verträgen für Schausteller, Musiker und andere Dienstleister gebe. Das Fest sei fast fertig vorbereitet, es fehlten nur noch Kleinigkeiten wie Plakate. Falls das Fest stattfinde, dann aber womöglich in kleinerem Rahmen, weil die wirtschaftliche Lage für viele Sponsoren derzeit schwierig ist. Grundsätzlich betont Behnke: „Jeder kann sich sicher sein, dass für uns die Gesundheit der Besucher im Vordergrund steht.“

Die Woche der Witzenhäuser mit Lokalrunde und Wandertag (18. bis 26. April), die Gartentour (14. Juni) und die Kesperkirmes (10. bis 12. Juli) fallen aus, sagt Johannes Siebold, Leiter der ProWitzenhausen GmbH. Eine Verschiebung sei wenig sinnvoll – weil man nicht wisse, wie die Lage im Herbst sei und weil sich dann die Veranstaltungen möglicherweise ballen. Man suche derzeit einen Weg für die Wahl einer neuen Kirschenkönigin – sonst Programmpunkt der Kesperkirmes – und wolle mehr digitale Angebote wie die „virtuellen Wanderungen“ machen, sagt Siebold. Die Planungen für das Kulturfestival „Treppen, Keller, Hinterhöfe“ (10. bis 13. September) laufen zunächst weiter, das Orga-Team werde die Lage beobachten. Gleiches gelte für die Messe „Technik zum Anfassen“ (20. September), so Siebold.

Auch dieEuropäische Jugendwoche (21. Juli bis 2. August) auf Burg Ludwigstein fällt aus, sagt Michael Göbel vom Arbeitskreis. Zum einen wisse man nicht, ob die Burg Ludwigstein dann überhaupt Gäste beherbergen dürfe, zum anderen wäre es für Gruppen aus anderen europäischen Ländern derzeit wegen der geltenden Reise- und Quarantäne-Bestimmungen unmöglich, einzureisen. Zu den Veranstaltungen kämen sonst rund 700 Zuschauern und 250 Teilnehmer und Vereinsmitglieder, sagt Göbel. Aber selbst wenn im Sommer kleinere Feste erlaubt werden sollten, steht die Absage: Die Teilnehmer bräuchten jetzt Planungssicherheit, sagt Göbel. „Der Sinn und Zweck der Jugendwoche ist die Begegnung mit Menschen aus ganz Europa.“ Das könne nicht erreicht werden, wenn nur deutsche Gruppen auftreten. Der Arbeitskreis konzentriere sich jetzt auf die Vorbereitung des Adventsmarktes im Dezember.

Südkreis

Auch die Breitwiesn in Sontra (4. bis 8. Juni), das Wichtelfest in Wehretal-Reichensachsen (11. bis 15. Juni), das Johannisfest in Eschwege (25. bis 29. Juni) und das Open-Flair-Festival (5. bis 8. August) fallen aus. Die Organisatoren des Volks-, Schützen- und Heimatfestes in Wanfried (10. bis 13. Juli) wollen noch die Verordnung des Landes abwarten.

Hintergrund: Definition von "Großveranstaltung" ist noch offen

Bis 31. August dürfen keine Großveranstaltungen stattfinden. Die Definition der Teilnehmerzahl habe der Bund den Ländern überlassen, sagt Hessens Regierungssprecher Michael Bußer. Man arbeite daran. Die generelle Verordnung zum Veranstaltungsverbot soll heute veröffentlicht werden, die Präzisierung über die Teilnehmerzahl bis spätestens 3. Mai, wenn die derzeit gültige Kontaktbeschränkung auf zwei Personen, die nicht in einem Haushalt leben, zunächst endet.

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Sowohl das Weekend for Tolerance (WeTo) als auch das Come2gether-Festival in Witzenhausen wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Quelle: HNA

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