Prozess gegen 28-Jährigen

Mord in Bad Sooden-Allendorf: Erst Hammerschläge auf den Kopf, dann erwürgt

Die Statue der Justitia mit einer Waage und einem Schwert in der Hand.
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Wegen Mordes an einem Mann aus Bad Sooden-Allendorf steht ein 28-Jähriger jetzt vor Gericht.

Wegen Mordes muss sich derzeit ein 28-jähriger Mann aus Kassel vor dem Landgericht verantworten. Er soll einen Bad Sooden-Allendorfer getötet haben und dann nach Laos geflüchtet sein.

Kassel/Bad Sooden-Allendorf – Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten, der viele Jahre in Eschwege gewohnt hat, vor, im Juni 2019 einen 55-jährigen Mann in dessen Wohnung in Bad Sooden-Allendorf bewusstlos geschlagen und dann erwürgt zu haben. Der schlanke Angeklagte mit den dunklen, kurzen Haaren hat sich zwar zu Beginn des Prozesses vor der 10. Strafkammer zu den Vorwürfen eingelassen, aber kein klares Geständnis abgelegt.

Ein medizinischer Sachverständiger hat die schweren Kopfverletzungen des Opfers auf zwei Schläge mit einem Hammer zurückgeführt. Das Tatwerkzeug ist allerdings nicht gefunden worden. Nach den Schlägen soll der junge Mann das Opfer, das als Hilfskraft in einer Küche in Bad Sooden-Allendorf arbeitete, erdrosselt haben.

Mord um Betrug zu vertuschen?

Der damals 26-jährige, wohnungslose Mann soll Anfang Mai 2019 von dem späteren Opfer aufgenommen worden sein. Kurze Zeit später soll er unter dessen Namen Mobilfunkverträge für hochwertige Handys abgeschlossen haben. Als es darüber zum Streit zwischen den beiden Männern kam, soll der Angeklagte den Älteren zwischen dem 19. und 21. Juni getötet haben. Nach der Tat blieb der Angeklagte noch mindestens zwei Tage in der Wohnung und verpackte die Leiche in zahlreiche Decken, vermutlich um den Geruch zurückzuhalten.

Der Angeklagte floh dann nach Laos, wo er einen Job als pädagogische Fachkraft in einer deutschsprachigen Schule fand. Nach einer Handyortung durch die Kasseler Polizei war er im Herbst 2019 ausfindig gemacht worden. Nachdem er Laos für einen Tag nach Vietnam verlassen hatte, um seine Aufenthaltserlaubnis zu verlängern, war er bei der Rückkehr nach Laos an der Grenze festgenommen worden.

Vor der Strafkammer von Richter Geisler berichtete er von den schlimmen Zuständen dort im Gefängnis. Allerdings war er relativ rasch nach Deutschland ausgeliefert worden, wo er seither in Untersuchungshaft sitzt.

Das Motiv für die Tat sieht die Staatsanwaltschaft in der Absicht, die betrügerischen Handygeschäfte und die Bestellung eines Laptops auf den Namen des Opfers zu verdecken und eine Anzeige deswegen bei der Polizei zu vermeiden.

Zeugen beschreiben Angeklagten

Zeugen schilderten den Angeklagten gestern als unruhigen Menschen mit einem Drogenproblem. Ein 51-jähriger, langjähriger Nachbar des Angeklagten in einem Eschweger Wohnhaus hat gestern im Mordprozess als Zeuge ausgesagt. Der 28-Jährige hatte unmittelbar nach der Tat bei dem Zeugen um Quartier gebeten und auch für einige Tage erhalten.

Er sei für seinen früheren Nachbarn wohl so etwas wie eine Vaterfigur gewesen, sagte der Eschweger, der im Sozialbereich arbeitet. Der Angeklagte habe weder angespannt gewirkt noch unter Schock gestanden. „Der war ganz normal“, sagte der Zeuge. Ungewöhnlich sei allerdings gewesen, dass er sich intensiv über die Auslieferungsbedingungen mit exotischen Ländern wie Cuba oder in Asien interessiert habe. Der Hintergrund sei ihm aber erst später klar geworden. Nach einiger Zeit sei ihm die aufdringliche Nähe des Angeklagten derart auf die Nerven gegangen, dass er ihn praktisch aus der Wohnung geworfen habe.

Weiterer Zeuge war der Betreiber eines Handy-Geschäftes in Witzenhausen, wo der Angeklagte nach der Tat eine Prepaid-Karte für ein altes Handy kaufen wollte, das er angeblich von seinem Mitbewohner erhalten habe. Dem Zeugen war das komisch vorgekommen, weil auf den Kunden bereits ein teurer Handyvertrag mit 100 Euro Monatsrate und einem iPhone für 1000 Euro lief. Er riet ihm, zur Polizei zu gehen, was der aber nicht tat. (Thomas Stier)

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