Heimatkunde im Lateinunterricht

Sie übersetzten eine in Latein verfasste 700 Jahre alte Urkunde: Mit Hilfe ihrer Lateinlehrerin Ulrike Krafft (stehend von links) und des Heimatkundlers Hans Gold haben die Lateinschüler Celina Balzer (sitzend von links), Maximilian Hans Armin Krug, Lukas Ewert, Sylvana Schäfer, Marie Hackel, Phillip Hänsel, Hannah Hinze, Eyleen Jäger und Lars Meding auch etwas über Heimatgeschichte gelernt. Foto: Geier

Hessisch Lichtenau. „Ego Hartradus dictus de Richenbach et Alhedis“, so beginnt der Text der 700 Jahre alten Urkunde, die den Verkauf des Rohrbergs bei Reichenbach belegt. Der Heimatgeschichtler Hans Gold fand diese Urkunde in einem Urkundenbuch von Arthur Wyss in der Murhardschen Bibliothek in Kassel. Da die Urkunde in Latein verfasst wurde, suchte er sich Hilfe bei der Übersetzung und fand diese bei Ulrike Krafft, Lateinlehrerin an der Freiherr-vom-Stein Schule, die zusammen mit ihrem Oberstufen-Grundkurs den Text übersetzte.

Genau vor 700 Jahren, am 16. Dezember 1313, verkaufte Hartrad von Reichenbach dem Deutschen Haus in Marburg den Rorberg mit allem was dazu gehörte. Drei Doppelstunden investierten die Zehntklässler in die Übersetzung, denn für sie war es eine willkommene Abwechslung von Ovids Mythologie. Vor allem der Heimatbezug war für die Jugendlichen aus Hessisch Lichtenau faszinierend. „Man konnte herauslesen, wie es vor 700 Jahren zuging“, berichtete Lukas Ewert. „Es ist vielmehr als eine einfache Übersetzung“, erklärte Eyleen Jäger, denn man beginne zwar wie immer mit der Suche nach dem Prädikat und frage sich dann nach den Objekten durch, aber man lerne auch etwas über die Begrifflichkeit und die Verwendung von Latein. Denn die Urkunde wurde in mittelalterlichem Latein verfasst und enthalte deshalb „Quasi-Latein“, so Lateinlehrerin Ulrike Krafft. „Es findet sich das Wort ‘warandiam’, das es im Latein gar nicht gibt“, erklärt sie, „Es ist der englische Begriff ‘warranty’, Garantie im Deutschen, den man aus dem Englischen nahm und lateinisierte.“ Bei solchen Worten suchte die Lateinlehrerin Rat bei ihrer Kollegin, der Englischlehrerin Kerstin Becker.

Die Urkunde regelt den Verkauf des Rorbergs bei Reichenbach: Hartrad von Reichenbach verkaufte ihn dem Deutschen Hause in Marburg, verfasst im Jahr 1313 am Sonntag vor Thomas, den 16. Dezember. Am Schluss der Urkunde sind die Zeugen aufgeführt, die bei der Erstellung der Urkunde anwesend waren: Der bürgerliche Herr Ortwin von Lichtenau, der bürgerliche Bertold von Walburg, der Priester Gutmar, Walter von Wikardesa (Wickersrode) und Henrik, sein Sohn, und die Schöffen von Lichtenau und möglichst viele andere vertrauenswürdige Personen.

Der Rohrberg liegt zwischen Reichenbach und Hollstein. In der Topographischen Karte von Hessisch Lichtenau sind ein kleiner Rohrberg und ein großer Rohrberg ausgewiesen. Die Urkunde ist Beweis für den Verkauf dieser Fläche an den Deutschen Orden in Marburg mit allen Nießbrauchrechten - ein Begriff mit dem vor allem die Lateinschüler jetzt etwas anfangen können. „Dem neuen Besitzer gehört nun alles am Rohrberg, die Wasserrechte ebenso wie der Gewinn der zukünftigen Bewirtschaftung“, erklärte Hannah Hinze. (zge)

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