Helfen liegt in der Familie

Paula und Marie Koch sind bei der Jugendwehr aktiv

In voller Montur: Marie Koch (16, links) und Paula Koch (14) von der Jugendfeuerwehr Witzenhausen vor einem Einsatzwagen mit Löschschlauch. Foto: Hörcher

Witzenhausen. Der Werra-Meißner-Kreis überaltert, viele junge Leute ziehen weg - doch nicht alle. Wir stellen Jugendliche vor, die sich hier engagieren. Heute: Paula und Marie Koch von der Jugendfeuerwehr.

Paula wurde noch nicht getauft. „Taufe“, so nennt man bei der Jugendfeuerwehr Witzenhausen das Ritual, im Sommer in eine Tonne mit Wasser getaucht zu werden. Wenn die derzeit 24 Jugendlichen sich im Sommer zu Löschübungen treffen, endet das meistens in einer Wasserschlacht auf dem Hof, bei der eben auch eine solche Taufe für die Neulinge ansteht. „Ich glaube, dieses Jahr bist du dran - du bist schon sechs Jahre dabei“, sagt ihre Schwester Marie und lacht.

Der Spaß und die Gemeinschaft kommen bei den angehenden Brandschützern nie zu kurz. Doch es geht auch darum, etwas zu lernen. Etwa bei den 24-Stunden-Diensten, wenn die beiden Schülerinnen am Pfingst-Wochenende mit anderen 10- bis 17-Jährigen übernachten und zu simulierten „Einsätzen“ ausrücken, die ihre erwachsenen Kollegen für sie vorbereiten. „Wir stellen beispielsweise Unfälle nach, die tatsächlich passiert sind - zum Beispiel legt sich ein Fahrradfahrer unter ein Auto und tut so, als wäre er angefahren worden“, erklärt der stellvertretende Jugendwart Jens Engelke.

Paula und Marie setzen mit ihrem Engagement eine Art Familientradition fort, denn auch ihr Vater ist seit Jahren Feuerwehrmann. „Als Kinder hat er uns immer mit zum Tag der Offenen Tür in der Wache mitgenommen“, erinnert sich Paula. „Ich war damals schon begeistert. Die Reifen von diesen großen roten Fahrzeugen waren fast so groß wie ich.“ So trat sie gleich mit acht Jahren in die Kinderfeuerwehr ein, später dann in die Jugendfeuerwehr, wo auch Marie ihre ersten Feuerwehr-Schritte machte.

In der Jugendfeuerwehr ist das Verhältnis von Mädchen und Jungen noch relativ ausgeglichen - zu einer Männerdomäne entwickelt die Wehr sich erst in den späteren Altersklassen. „Meistens verlieren wir die Frauen, wenn sie schwanger werden“, erklärt Wehrführer Claus Demandt. „Dass sie dauerhaft bei der Feuerwehr bleiben, ist zwar gern gesehen, aber leider die Ausnahme.“ Körperlich können beide Geschlechter im Einsatz dieselben Leistungen erbringen, betont er.

Marie sagt überzeugt: „Ich will auf jeden Fall mindestens so lange bei der Feuerwehr bleiben wie mein Vater“ - was schon mehrere Jahrzehnte wären. Sie könne sich auch vorstellen, später Ausbilderin bei der Feuerwehr zu werden. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres wird sie in die Freiwillige Feuerwehr Witzenhausen aufgenommen. Auch Paula möchte auf jeden Fall bei der Feuerwehr bleiben. Menschen zu helfen ist ihre Motivation. Ein Ziel, das sie auch mit ihrem Berufswunsch Physiotherapeutin verwirklichen möchte. Die beiden Schwestern fühlen sich dem Werra-Meißner-Kreis verbunden - ob sie nach ihrem Schulabschluss weiter hier bleiben können, wird sich dann allerdings bei der Jobsuche entscheiden.

Zu den Personen 

Marie Koch (16) lebt wie ihre Schwester Paula Koch (14) bei ihren Eltern in Witzenhausen. Ihr Vater Manfred Koch ist seit Jahren Feuerwehrmann. Die beiden Schwestern besuchen die Johannisbergschule in Witzenhausen - Marie die zehnte Klasse des Realschul-Zweigs, Paula die neunte Klasse des Hauptschul-Zweigs.

Marie ist neben der Jugendfeuerwehr auch im Spielmannszug aktiv. Paula hat einen Freund und kümmert sich in ihrer Freizeit zweimal pro Woche um ihr Pflegepferd Napoleon.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare