Diebstahl war nicht nachweisbar

Berufungsverfahren: Werkzeug-Hehler aus Hessisch Lichtenau sind frei

Das Amtsgericht Eschwege hatte zwei Serientäter im März zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht Kassel setzte sie auf freien Fuß.

Im Berufungsverfahren vor dem Kasseler Landgericht erhielten die beiden 56 und 34 Jahre alten Männer indes gestern eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Sie kamen frei und dürften schon auf dem Heimweg nach Moldawien sein.

Im Kellerraum des Hauses auf dem Gelände der ehemaligen Blücher-Kaserne in Hessisch Lichtenau hatte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung eine große Menge gebrauchtes Werkzeug gefunden, das zwischen Juni und August 2018 in Hessisch Lichtenau, Spangenberg, Cornberg, Melsungen, Witzenhausen und Wabern gestohlen worden war. Mit den Diebstählen allerdings, so argumentierten die Verteidiger Markus Mauermann und Peter Gros vor der 7. Strafkammer, hätten ihre Mandanten nichts zu tun. Sie hätten die Werkzeuge „gutgläubig“ von unbekannten Dritten zu einem „angemessenen Preis“ erworben, sagte Mauermann.

Sein Kollege Gros verwies darauf, dass die beiden Moldawier bereits seit 13 Monaten im Kasseler Gefängnis in Untersuchungshaft sitzen. Besonders der Ältere, der nur wegen einer Bagatelle vorbestraft sei, sei wegen seines etwas fortgeschrittenen Alters besonders haftempfindlich. Beide litten unter der Sprachbarriere, die Gespräche mit anderen Menschen unmöglich mache.

Zudem, so beide Verteidiger, gebe es an den Einbruchsorten keinerlei Hinweise auf die Täterschaft ihrer Mandanten, weder DNA-Spuren noch sonst etwas. Andererseits räumten die Verteidiger ein, dass die beiden Männer schon wussten, dass es sich bei den Werkzeugen um Diebesgut handele. Diese Aussage wurde als Geständnis gewertet, was die beiden Angeklagten vor dem Amtsgericht in Eschwege noch verweigert hatten.

Dies und der Umstand der sehr langen Untersuchungshaft ebnete den Weg für eine Verständigung mit Oberstaatsanwalt Eckhard Töppel, der gleichfalls auf eine Bewährungsstrafe plädiert hatte. Das führte zum überraschend schnellen Ende des Verfahrens.

Frau und Familie des älteren Angeklagten, eines Bauingenieurs mit abgeschlossenem Hochschulstudium, waren zum Prozess eigens vom Schwarzen Meer nach Kassel angereist. Erleichtert schloss die Frau ihren Mann in die Arme und nahm ihn gleich mit nach Hause. 

Diebstähle waren nicht nachzuweisen

Die Vermutung liegt nahe, dass die beiden Angeklagten auch diejenigen waren, die die große Menge an Werkzeugen innerhalb von nur acht Wochen gestohlen und im Kellerverschlag in Hessisch Lichtenau gelagert hatten. Schließlich hatte der Ältere Fotos der Werkzeuge jeweils kurz nach den Taten mit seinem Handy gemacht. Nachzuweisen waren den beiden die Einbrüche aber nicht, weshalb sich das Gericht in seinem Urteil auf den Vorwurf der Hehlerei beschränkte.

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion