Behandlungen von Notfallpatienten verzögern sich

Jeder Zweite gehört zum Arzt: Kliniken berichten von immer mehr Patienten in der Notaufnahme

Klinikum Werra-Meißner, Dr. Daniel Kersten, Chefarzt der zentralen Notaufnahme am Klinikum Werra-Meißner.
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Werra-Meißner – Die Zahl der Patienten, die die Notaufnahme aufsuchen, sich aber eigentlich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden sollten, ist im Werra-Meißner-Kreis gestiegen.

Das berichten Lichtenau e.V. und das Klinikum Werra-Meißner. „Monatlich kommen etwa 2000 Patienten in unsere Notaufnahme“, sagt Tobias Radebold, Oberarzt der Traumatologie an der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau – etwa jeder Zweite gehöre eigentlich in eine Arztpraxis und nicht zum Notdienst.

Das Klinikum Werra-Meißner hat jährlich 18.000 bis 20.000 Patienten in der Notaufnahme – in den Wintermonaten mehr als im Sommer, so Dr. Daniel Kersten, Chefarzt der zentralen Notaufnahme. Eine Schätzung, wie viele Patienten fälschlicherweise die Notaufnahme aufsuchen, sei schwierig. „Es ist davon auszugehen, dass die Zahl dieser Fälle kontinuierlich ansteigt“, sagt Kersten. Radebold bestätigt das. Laut Kersten ist die Versorgung von Patienten in den Notfallambulanzen unterfinanziert: „Das Krankenhaus ist gezwungen, Patienten in der Notaufnahme zu versorgen, die auch beim Hausarzt oder ärztlichen Bereitschaftsdienst hätten versorgt werden können, und bekommt keine adäquate Vergütung dafür.“

Die Orthopädische Klinik schicke niemanden weg, ohne den Patienten ärztlich begutachtet zu haben, sagt Tobias Radebold. „Das gebietet die ärztliche Fürsorgepflicht.“ Auch im Klinikum Werra-Meißner ist das so, ansonsten könnte laut Kersten eine schwerwiegende Erkrankung übersehen oder die Gefährdung des Patienten unterschätzt werden. Es käme trotzdem immer wieder vor, dass das Klinikum Leistungen erbringe, die eigentlich beim Hausarzt angesiedelt seien. Nach der Behandlung weise man die Patienten durchaus darauf hin.

Ein Problem, dass sich durch „falsche“ Notarztpatienten ergebe, sei, dass sich die Behandlungen echter Notfallpatienten verzögern und teilweise sehr lange Wartezeiten entstünden.

Die Öffnungszeiten des Bereitschaftsdienstes

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist in Hessen rund um die Uhr unter der Telefonnummer 116117 erreichbar – ohne Vorwahl und kostenlos. Im Werra-Meißner-Kreis ist er an folgenden Orten zu finden:

  • Werra-Meißner-Süd an der Elsa-Brändström-Straße 1 in Eschwege, offen mittwochs und freitags von 17 bis 20 Uhr, samstags, sonntags, an Feier- und Brückentagen von 11 bis 19 Uhr 
  • Werra-Meißner-Nord an der Steinstraße 18-24 in Witzenhausen, offen montags, dienstags und donnerstags von 19 bis 21 Uhr, mittwochs von 14 bis 19 Uhr, freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags, sonntags, an Feier- und Brückentagen von 8 bis 19 Uhr

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