Diebstahl in Orthopädischer Klinik: Sensible Daten sind Teil der Beute

In der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau wurde ein Laptop mit Patientendaten gestohlen. Das Gute daran: Die Diebe wollten nur den Computer, nicht die Daten, sagt die Polizei.

Das eine ist der finanzielle Schaden von rund 13 000 Euro. Das andere sind Patientendaten, die sich auf einem gestohlenen Laptop befanden die den Mitarbeitern der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau eine Menge Arbeit bereiteten.

Die Diebstähle

Matthias Adlerkaufmännischer Vorstand

Aber von vorn: Nachdem in den vergangenen fünf Monaten bereits eine teure Schlucksonde im Wert von rund 10 000 Euro ebenso gestohlen wurde wie ein unverbauter Tresor im Wert von rund 1000 Euro hat die Klinik kürzlich Anzeige erstattet, weil zwei Laptops aus der Intensivstation gestohlen wurden. Das Brisante dabei: Auf einem der Computer befanden sich auszugsweise Daten von rund 5000 Patienten. Auf ihm befanden sich Daten von Patienten, die von Anfang 2018 bis April 2019 stationär in der Klinik waren.

Auch auf der Intensivstation gebe es Publikumsverkehr, erklärt der kaufmännische Vorstand von Lichtenau e.V., Matthias Adler, wie es zu dem Diebstahl kommen konnte. Zu ambulanten Operationen gehe der Patient zu Fuß in den Operationstrakt. Und: Maschinen müssen gewartet werden, dafür betreten Handwerker OP und Intensivstation.

Die Aufklärungsarbeit

Die Klinik reagierte, indem sie die betroffenen Patienten anschrieb, den Vorfall schilderte und für Nachfragen eine Telefon-Hotline einrichtete. Eine Woche lang, insgesamt 25 Stunden, standen Mitarbeiter zur Verfügung, berichtet Pressesprecher Volker Preilowski. Knapp 200 Anrufe und vier bis fünf Briefe seien in der Zeit eingegangen. Nur wenige seien aufgebracht gewesen, sagt er. Vielmehr gab es die häufige Frage: „Sind jetzt alle meine Daten verloren?“ Hier konnten die Patienten beruhigt werden. „Es war nur eine Dublette zur Sicherheit“, so Preilowski. Sie enthält Daten wie Name, Geschlecht, Geburtsdatum und Informationen zur Behandlung. Nicht gespeichert sind zum Beispiel Adressen, Telefon- und Krankenversicherungsnummern. Zudem habe die Polizei bestätigt, dass die Diebe nicht die Daten wollten, sondern nur den Laptop. 

Wie es nun weitergeht

Volker PreilowskiPressesprecher

 An den Türen von OP und Intensivstation werden nun noch öfter die Nummerncodes zum Türöffnen, gewechselt, sagt Adler. Auf den Notfall-Laptop könne nicht verzichtet werden, da die Klinik komplett digitalisiert sei. Fällt nun zum Beispiel das Netzwerk aus, benötige man eine Sicherheitskopie von relevanten Daten. Es soll aber geprüft werden, ob Daten künftig nur zwei bis drei statt fünf Tage gespeichert werden. Zudem wird überlegt, mit einem Laptop zu arbeiten, der mit einem Schloss oder einer Karte gesichert ist. Außerdem soll der Laptop ein Signal an die IT-Abteilung abgeben, wenn er seinen Standort verlässt. 

 

Wenn Patienten Fragen zu den Diebstählen und ihren Daten haben, können sie sich an Volker Preilowski wenden, Tel. 0 56 02/83 11 03 wenden.

So sieht es beim Klinikum Werra-Meißner aus

Bei den Vorfällen in der Orthopädischen Klinik scheint es sich um Einzelfälle gehandelt zu haben. An beiden Standorten des Klinikums Werra-Meißner – Eschwege und Witzenhausen – gab und gibt es aktuell keine Diebstähle von medizinischen Geräten, teilt Katinka Thiedemann, Leiterin Unternehmenskommunikation, mit.

Bundesweiter Trend

Es kommt bundesweit vor, dass sich Tätergruppen auf medizinische Gegenstände spezialisieren, berichtet Alexander Först, Pressesprecher der Polizeidirektion Werra-Meißner. Der Kreis sei allerdings kein Schwerpunkt. Dass es immer mal wieder zu Diebstählen in Patientenzimmer komme, sei nichts Neues. Vor Diebstählen von endoskopischen Geräten (Geräte, mit denen das Innere untersucht wird) warnte der Ecclesia Versicherungsdienst, der für Kirchen, Wohlfahrtspflege und im Gesundheitswesen arbeitet, Anfang des Jahres. Zwischen 2015 und 2017 sei es zu groß angelegten Diebstählen von Endoskopiegeräten aus Krankenhäusern mit Schäden in Millionenhöhe gekommen, heißt es. Nach Fahndungserfolgen der Polizei seien diese zurückgegangen.

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