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Hessisch Lichtenauer Schüler stellen fest: Plastik ist nicht gleich Plastik

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Von: Wiebke Huck

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Der Pappbecher ist mit Plastik beschichtet: Die Lehrer Theresa Grubbe und Erik Meyfarth unterstützen die Schüler Janne Heichler und Cara Riehl (von links) bei ihren Forschungen im schuleigenen Labor.
Der Pappbecher ist mit Plastik beschichtet: Die Lehrer Theresa Grubbe und Erik Meyfarth unterstützen die Schüler Janne Heichler und Cara Riehl (von links) bei ihren Forschungen im schuleigenen Labor. © Wiebke Huck

Alte Fast-Food-Verpackungen, Plastikflaschen, leere Zigarettenschachteln und ganze Tüten mit Müll drin. Die Zukunfts-AG der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau hat gesammelt: Abfall auf dem Parkplatz am Autohof, nahe der Auffahrt zur A 44. Dabei ging es nicht in erster Linie darum, den Parkplatz aufzuräumen. Hinter der Aktion steckt die wissenschaftliche Neugier der Schüler.

Hessisch Lichtenau – „Vor allem haben wir Verpackungsmüll gefunden, der größtenteils aus Plastik besteht“, erklärt Erik Meyfarth, der zusammen mit seiner Lehrerkollegin Theresa Grubbe die Zukunfts-AG ins Leben gerufen hat und leitet. Dass Plastik aber nicht gleich Plastik ist, fanden die Schüler bei den ersten Versuchen im schuleigenen Labor heraus.

Innerhalb kürzester Zeit hatten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft einen großen Müllsack mit Plastik eingesammelt, für die Schüler mehr als nur Müll, nämlich Versuchsmaterialien.

Im Vorfeld hatten sie sich damit auseinandergesetzt, welche Arten von Plastik es gibt, wie sie zusammengesetzt sind und worin sie sich unterscheiden. „Einige Stoffe brennen leicht, andere schmelzen, ziehen sich zusammen oder werden schwarz“, erklärt Schülerin Clara Bauer. Auch die Farbe der Flamme gebe Auskunft über die Zusammensetzung des Plastiks.

Clara Bauer hält ein Stück Plastik in die Flamme eines Bunsenbrenners.
Clara Bauer und Jette Auell, (v.l.) forschen im Labor. Sie wollen herausfinen, wie Plastik reagiert wenn es mit Feuer in Berührung kommt. © Huck, Wiebke

Um also zu testen, aus welchem Material genau Trinkbecher, Schokoriegelpapier und Fertiggerichtverpackungen bestehen, setzten die Schüler sie großer Hitze aus, beispielsweise mithilfe eines Föhns, sie hielten ihre Versuchsobjekte in die Flamme eines Bunsenbrenners, testeten, ob sie schwimmen können, und fanden heraus, ob sich das Material auflöst, wenn es mit Aceton in Berührung kommt. Dabei erfuhren die Schüler, dass nicht alles das ist, wonach es auf den ersten Blick aussieht: Vermeintlich umweltfreundliche Pappbecher eines Schnellrestaurants sind mit Plastik beschichtet und bestehen nur zum Teil aus Papier.

Außerdem machen sich die Schüler in der AG Gedanken darüber, wie man Plastik ganz vermeiden kann, etwa durch alternative Verpackungen. Um darüber mehr zu erfahren, steht auch ein Ausflug in einen Unverpacktladen in Kassel auf dem Programm. Auch Mikroplastik ist Thema – wie kommt es in die Meere, warum ist es sogar in Kosmetik zu finden und vor allem: Wie kann man es vermeiden?

Die Gründe der Schülerinnen und Schüler, sich für eine AG zu entscheiden, in der es in den ersten Wochen ausschließlich um das nicht so angenehme Thema Müll geht, sind überraschend ähnlich: „Wir wollen, dass sich etwas ändert“, sagt Cara Riehl. Denn so könne es im Hinblick auf den Klimawandel und die Umweltverschmutzung nicht weiter gehen. „Man kann mehr verändern, wenn man ein besseres Verständnis hat“, so die Schülerin weiter.

Und genau das will die AG erreichen: „Die Schule bringt den Jugendlichen vieles bei. Aber was die junge Generation bewegt, kommt manchmal zu kurz“, so Lehrerin Theresa Grubbe. Dabei sei dies die Generation, die es besser machen muss und möchte.

„Die Schüler bekommen aber viele ihrer Information über soziale Medien und leider ist da auch oft Blödsinn dabei.“ Darum bieten Erik Meyfarth und seine Kollegin die Zukunfts-AG an, denn hier bekommen die Schüler nicht nur authentische Informationen, sondern können selbst herausfinden, was es mit den Dingen wirklich auf sich hat, die sie bewegen.  (hbk)

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