Auf ihrem Grundstück

Illegale Müllablagerung: Witwe hat kein Geld für Entsorgung

Zugemüllt: Auf dem leerstehenden Grundstück von Elke Kohlhaas an der Hertzstr. 9 in Hirschhagen wurde in den vergangenen Jahren illegal Abfall gelagert. Jetzt soll die Witwe die Entsorgung von rund 60 Kubikmetern Sperrmüll, Altreifen, Plastikabfälle und Altholz auf eigene Kosten entsorgen. Foto:  Shuhaiber

Hirschhagen. Elke Kohlhaas ist verzweifelt. Erst verlor sie ihren Mann an den Krebs, dann die gemeinsame Firma und letztendlich sogar das Eigenheim.

Seit gut zwei Jahren läuft ein Insolvenzverfahren gegen die 47-Jährige. Doch nun soll die Witwe, die kaum von ihren 488 Euro Rente leben kann, mehrere tausend Euro für die illegale Abfallentsorgung auf ihrem ehemaligen Firmengrundstück an der Hertzstraße 9 in Hirschhagen zahlen.

ElkeKohlhaas

Bürgermeister Jürgen Herwig ist die Problematik bekannt, doch leider seien der Stadt Hessisch Lichtenau in diesem Fall die Hände gebunden, weil Elke Kohlhaas trotz der Insolvenz noch immer Eigentümerin des Grundstücks ist. „Das ist wirklich ein schrecklicher Fall und mir tut Frau Kohlhaas mehr als nur leid“, sagt der Verwaltungschef.

Die Stadt hat den Vorfall an das zuständige Regierungspräsidium in Kassel abgegeben. Die Behörde fordert nun die Entsorgung von 60 Kubikmetern Abfall. In der Regel behält sich das RP vor, ein Zwangsgeld sowie ein Bußgeld bis 10 000 Euro zu erheben. „Frau Kohlhaas ist als Eigentümerin für ihr Grundstück und für das, was sich darauf befindet, verantwortlich“, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Unabhängig ob es sich um eine selbst oder fremd verursachte Müllablagerung handele. Der Grundbesitzer habe selbst für die Sicherung seines Grundstücks zu sorgen und damit Müllablagerungen zu verhindern. So lange kein anderer Täter ermittelt werde, müsse die Eigentümerin die Kosten laut Gesetzgeber selbst tragen. Elke Kohlhaas ist verzweifelt: „Ich würde den Müll entsorgen, aber ich kann den Container nicht bezahlen.“ Nachdem die 47-Jährige den Maschinenbau- und Schweißfachbetrieb am 31. März 2011 schließen musste und Insolvenz angemeldet hatte, zog sie im Mai 2011 aus dem Haus auf dem Firmengelände aus. Jetzt lebt sie in Salzkotten (Nordrhein-Westfalen). Aufgrund offener Forderungen versucht die Sparkasse Werra-Meißner als Grundpfandrechtgläubiger, das 220 Quadratmeter große Wohnhaus und das etwa 700 Quadratmeter große Grundstück zu versteigern. „Für die Zwangsversteigerung wurde am 27. März 2012 ein Gutachten vom Amtsgericht Eschwege erstellt, das belegt, dass der Müll erst nach meinem Auszug dort entsorgt wurde.“

Die Zwangsversteigerung ist laut Kohlhaas für den 15. Januar 2015 geplant. Eigentlich wünscht sich die 47-Jährige, dass das Grundstück verkauft wird: „So kann ich zumindest einen Teil der Forderungen begleichen.“ Aber so vermüllt wie das Grundstück ist, macht die Witwe sich wenig Hoffnung, dass die Versteigerung erfolgreich sein wird.

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