Bürgerinitiative Windkraftfreies Werratal will Öffentlichkeit verstärkt informieren

Ein Jahr ist nichts passiert

Sie kämpfen gegen Windkraft: Brigitte Ziegler (von links), Heinz Köhler, Gerhard Böttcher, Karl Erz, Christian Neckel, Heidi Rettberg, Johann Brix und Kurt Ziegler gehören zum harten Kern der Bürgeriniative Windkraftfreies Werratal. Foto: Michaelis

Gertenbach / Ziegenhagen. Wie das wirkt, was auf das Werratal zukommt, könne niemand erahnen. Szenarien mit 200 Meter hohen Rotoren hält die Bürgerinitiative (BI) Windkraftfreies Werratal für nicht unwahrscheinlich.

Aus Sicht der Aktivisten ist das bedrohlich - „wie Drohnen, die über dem Dorf schweben“, verdeutlicht der BI-Vorsitzende Johann Brix die Veränderung im Landschaftsbild.

Einen Eindruck könne man beim Vergleich zur WerratalQuerung bei Laubach gewinnen. Die Autobahnbrücke wirke gewaltig und misst gerade mal 70 Meter.

Brix und seine etwa 20 Mitstreiter im harten Kern der BI wollen es so weit nicht kommen lassen. Falls nötig, wollen sie sich auch mit Klagen wehren. „Wir lehnen alle geplanten Vorrangflächen im Werra-Meißner-Kreis ab“, sagt Brix. Von vielen Seiten spüren sie Unterstützung. Die Zahl der Sympathisanten im weiteren Kreis der BI schätzt Brix auf etwa 50 Menschen aus Gertenbach und Ziegenhagen.

In den kommenden Wochen will die BI ihre Aktivitäten verstärken und nachholen, was die Politik aus ihrer Sicht versäumt hat. Zwar werde in Gremien über Windkraft geredet, doch offizielle Informationen kämen bei Bürgern nicht an. „Das ist es, was wir der Politik ankreiden“, sagt Brix. Interessierte müssten sich alle Daten und Fakten selbst zusammentragen.

Vor einem Jahr seien bei einer Bürgerversammlung in Witzenhausen Informationen zugesagt worden, erinnert sich Gertenbachs Ortsvorsteher Heinz Köhler, der auch für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung sitzt und in der BI engagiert ist. „Bis jetzt ist nichts passiert.“ Auch ein eigens eingerichteter Ausschuss zum Thema habe seit einem Jahr nicht mehr getagt.

Veranstaltung Anfang April

Anfang April will die BI gemeinsam mit anderen Initiativen eine Info-Veranstaltung im Bürgerhaus Gertenbach organisieren. Ein Termin stehe noch nicht fest. Außerdem will die BI Interessierten helfen, Einsprüche gegen den Regionalplan zur Windenergie einzulegen. Auch über eine Demonstration in Witzenhausen denke man nach.

Dabei sei die BI nicht gegen die Energiewende, betont Brix. Nur laufe der Ausbau derart ungehemmt und unkoordiniert, dass allein Investoren profitierten, die regelrecht in „Goldgräber-Stimmung“ seien. Kommunen hätten es vor allem auf Pachteinnahmen abgesehen.

Nur wie soll die Energie produziert werden? Konkrete Alternativen nennen Brix und seine Mitstreiter auf diese Frage nicht. Nur so viel: Atomkraft und Windenergie lehnt die BI ab. „Es ist genug Energie da“, sagt Wolfgang Böttcher. Deswegen seien neue Windkraftanlagen überflüssig. Inzwischen werde sogar überschüssiger Strom ins Ausland exportiert. Auch das Argument, mit erneuerbaren Energien weniger CO2 zu produzieren, laufe ins Leere, sagt Böttcher. Im Vergleich zu anderen Staaten produziere Deutschland so wenig klimaschädliches Kohlendioxid, dass hiesige Sparbemühungen nicht ins Gewicht fielen.

Von Claas Michaelis

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