Die Vielfalt der Wurst

Spezialitäten-Meisterschaft in Kassel: Experten und Laien prüfen 241 Fleischprodukte

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Testeten Wurst- und Fleischprodukte bei der Spezialitäten-Meisterschaft als Laienprüfer: Die HNA-Redakteure Lara Thiele und Stefan Forbert.

Nach der 3. Nordhessischen Ahle-Wurscht-Meisterschaft vor zwei Jahren richteten die sechs nordhessischen Fleischer-Innungen in diesem Jahr erstmalig eine Spezialitäten-Meisterschaft aus. 48 Fleischereifachbetriebe hatten dazu 241 Proben eingereicht.

Nicht nur die Ahle Wurscht, sondern auch die Vielfalt an Wurst- und Fleischspezialitäten seien ein Alleinstellungsmerkmal von Nordhessen in Deutschland. Von der Richtigkeit dieser auch gar nicht bestrittenen Behauptung konnten sich am Donnerstag neben Fleisch- und Wurstexperten auch Laientester nicht nur aus Politik und Wirtschaft im Bildungszentrum Kassel überzeugen.

Jeweils gut zwei Dutzend der Proben wurden dann von Viererteams unter Leitung eines Fleischermeisters ausführlich begutachtet. So lagen dann kleine Wiener neben einer Blutwurstblase, Presskopf neben Leberpastete, Fleischsalat neben Mühlenschinken. Und sogar Maultaschen galt es zu probieren.

Nicht nur Ahle Wurscht wurde dieses Mal getestet. 

Zunächst war der äußere Zustand der Wurst, Aussehen und Farbe zu begutachten. Bei der Ahlen Wurst kommt es auch auf die Festigkeit an, aus warmgeschlachtetem Fleisch ist sie bröckeliger. Mit der Nase sollten frisches Fleisch oder auch der Rauch, in dem die Wurst hing, gut gerochen werden können. Wichtig war, ob der Geschmack harmonisch ist oder ein Gewürz vielleicht etwas zu dominant hervorsticht. Aber natürlich, gab Obermeister Hans-Georg Schneider (Waldeck-Frankenberg) zu bedenken, muss Pfefferbeißer auch nach Pfeffer schmecken.

Nicht nur der SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels und grüne Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann aus dem Werra-Meißner-Kreis waren erstaunt über die Vielfalt und die Qualität der Produkte aus den nordhessischen Fleischereien. Auch Hausmeister Patrick Jurczek von der Georg-Büchner-Schule in Kassel, der sich per E-Mail einfach mal für den auch für interessierte Verbraucher offenen Test beworben hatte und mit großer Ernsthaftigkeit teilnahm, freute sich über die breite Palette von Lebensmitteln, die hauptsächlich aus Schweine-, aber auch aus Rind- und Wildschweinfleisch hergestellt wurde.

Sehen, riechen, schmecken, fühlen: Die Produkte werden sorgfältig begutachtet. 

Der 43-Jährige war überrascht von den großen Unterschieden bei Geschmack und Konsistenz der Würste, aber auch deren Herstellung. Jurczek begrüßt diese Vielfalt bei der nordhessischen Wurst. Desto mehr Menschen könnten so genau das finden, was ihnen besonders gut schmeckt. Jurczek selbst kauft gern in der Kasseler Markthalle regionale Produkte. Den Unterschied zu den industriellen Würsten schmecke er und zahlen dafür gern ein paar Euro mehr.

Die Ergebnisse, welche Würste und Schinken nun der Gold- oder Silbermedaille für würdig gehalten wurden, sollen in der nächsten Woche mitgeteilt werden.

Die Autoren, die als Laienprüfer die ganze Zeit mitschmeckten, können schon jetzt verraten, dass etliche der fast durchweg sehr guten Produkte die volle Punktzahl erhielten.

Weckewerk und Habermegger

Auch in Nordhessen gibt es – selbstverständlich neben der typischen Ahlen Wurscht geräuchert oder luftgetrocknet – noch eine extra Vielfalt: Regional besonders beliebte Spezialitäten, wie die Obermeister der Fleischer-Innungen aufklärten: Nördlich von Kassel seien dies Blut- und Leberwurst sowie Schinken. In Kassel und im Schwalm-Eder-Kreis mag man Weckewerk und Möhrenwurst sehr, wobei an der Eder auch Schwartenmagen beliebt sei. Im Raum Hersfeld-Rotenburg soll neben Weckewerk die Weckewurst gern verzehrt werden, an Werra und Meißner wird ebenfalls das Weckewerk „verehrt“. Und im Waldeckischen steht noch eine dicke Schmalzmettwurst hoch in der Gunst: der „Habermegger“ (Hafermäher).

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