Lernen und Spielen wechseln sich ab

Arche unterstützt Grundschüler, die schlechte Bedingungen für den Unterricht daheim hatten

Gerda Brückmann (lins) und Hiltrud Bachmann zeigen Kinderbuchklassiker.
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Kinderbücher sind für Gerda Brückmann (links) und Hiltrud Bachmann ein wichtiges Hilfsmittel, um die sprachliche Entwicklung der Kinder zu fördern.

Unterricht daheim war für einige Familien sehr schwierig. Sie können ihren Kindern manchmal kein gutes Lernumfeld schaffen. Hier unterstützt die Arche in Hessisch Lichtenau.

Hessisch Lichtenau – Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Arche in Hessisch Lichtenau fördern über die Ferien Grundschüler, die schwierige Bedingungen für den Unterricht daheim haben. Für solche Kinder sei der Heimunterricht, als seien sie in diesem Halbjahr krank gewesen. „Die Kinder sind intelligent, sie haben zuhause aber manchmal schlicht nicht die Möglichkeit, zu lernen“, sind sich Gerda Brückmann und Hiltrud Bachmann einig.

Gemeinsam mit mehreren Freiwilligen engagieren sich die beiden Rentnerinnen ehrenamtlich bei der Arche und unterrichten Grundschüler. Ihre Schützlinge sollen mit der Einzelförderung fit für das kommende Schuljahr gemacht werden.

Aktuell sind es elf Kinder, die jeweils eine Stunde in der Woche Einzelunterricht bekommen. „Für mehr Kinder hätten wir im Moment personell keine Kapazitäten“, erklärt Gerda Brückmann. Die 69-Jährige hat als Sozialpädagogin das nötige Wissen, um die Kinder gezielt zu fördern.

Ihre Kollegen sind ebenfalls ausgebildete Sozialpädagogen oder Lehrer. Normalerweise bietet die Arche für bis zu 15 Grundschüler ein Mittagessen nach dem Unterricht an und betreut sie bis 14.30 Uhr. Wegen Corona war dies nicht möglich. Um die Kinder dennoch zu unterstützen, entschlossen sie sich zur Einzelbetreuung.

„Am Anfang hatten wir nur ein bis zwei Kinder im Blick“, sagt Brückmann. Schnell hätte sich aber die Schule gemeldet und darum gebeten, weitere Kinder zu unterstützen. Auch Eltern hätten sich an die Arche gewandt, und ein Kind habe auch selbst gefragt, ob es mitmachen kann.

„Es gibt Familien, bei denen funktioniert der Unterricht daheim einfach nicht“, sagt Hiltrud Bachmann. Die Gründe dafür seien vielfältig: kleine Wohnungen, Lärm durch Geschwisterkinder oder Babys, um die sich die Eltern kümmern müssen, sprachliche Barrieren und vieles mehr seien Faktoren. Zudem sei es für viele Kinder schwieriger, mit den eigenen Eltern zu arbeiten, wissen die Fachkräfte.

Bei der Einzelförderung haben die Kinder hingegen für eine Stunde die volle Aufmerksamkeit ihrer Lehrer. „Ich hatte diese Woche eine Stunde mit einem Kind, das hat es richtig genossen vom Anfang bis zum Ende“, sagt Bachmann. Zu Beginn der Stunde dürfen die Kinder erst einmal erzählen, was bei ihnen so los sei. „Dann haben wir einige Buchstabierübungen gemacht, wie beginnt das Wort, aus wie vielen Silben besteht es.“ Auch Mathe wird regelmäßig geübt. Gemeinsam werden dann auch Hausaufgaben bearbeitet, die aus dem Schuljahr übrig sind.

Zu jeder Stunde gehört das gemeinsame Lesen. „Meistens lese ich einen Absatz und das Kind dann einen Satz“, sagt Bachmann. Insgesamt sei das richtige Verhältnis aus Spielen und Lernen wichtig, deswegen wird in jeder Stunde auch gespielt.

„Während des Lockdowns können sich Sprachprobleme verschlimmert haben“, sagt Bachmann. „Wenn die Familie kein Deutsch spricht, hatten die Kinder während der Zeit keine deutschen Kontakte“, ergänzt Brückmann.

Zum Lernen der Sprache seien Kinderbücher ein gutes Hilfsmittel. In der Arche liegen viele Klassiker bereit, die sie mit den Kindern kontinuierlich lesen. „Durch die Geschichte beginnt das Kopfkino, die Fantasie der Kinder wird angeregt“, sagt Brückmann. Da störe es auch nicht, wenn die Kinder noch nie von Pippi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter gehört haben. Bachmann: „Wir versuchen, ganz niederschwellig zu helfen. Und wenn das nur bei einem Kind fruchtet, haben wir gewonnen.“

Info: Wer als Lehrer oder Sozialpädagoge ausgebildet ist und sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich bei der Arche in Hessisch Lichtenau melden: Tel. 0 56 02/91 57 88.

Von Evelyn Paul

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