Vortrag bei Pfännerschaft: Klare Kante gegen Rechts

Vortrag zu jüdischer Geschichte 
+
Eine „Ahle Wurscht“ als Dankeschön: Der neue Chef der Pfännerschaftsnachkommen, Wolfgang Frühauf (links), überreicht das Präsent an Dr. Martin Arnold. Rechts Siegfried Kirchmeier.

Klare Kante gegen Rechts zeigten Dr. Martin Arnold und mit ihm gut 100 Besucher am Donnerstagabend im Allendorfer Hochzeitshaus.

Bad Sooden-Allendorf – Gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Antisemitismus und für Toleranz: Klare Kante gegen Rechts zeigten Dr. Martin Arnold und mit ihm gut 100 Besucher am Donnerstagabend im Allendorfer Hochzeitshaus. In dem zu Jahresbeginn traditionellen Pfännerschaftsvortrag beleuchtete der soeben ausgeschiedene Dekan des ehemaligen Kirchenkreises Eschwege das Schicksal der Juden auch in unserer Region unter der grausamen Herrschaft der Nationalsozialisten.

An Befreiung des Vernichtungslagers Ausschwitz erinnert 

Da passte es, dass am selben Tag Bundesinnenminister Horst Seehofer die als rechtsextremistisch und gewaltbereit eingestufte Gruppe „Combat 18 Deutschland“ verbot und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel mit mehr als 40 Staats- und Regierungschefs an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren erinnerte.

Kein Schlussstrich unter Geschichte ziehen

Wie Steinmeier forderte mit Nachdruck auch Dr. Arnold, es dürfe kein Schlussstrich gezogen werden unter das Erinnern an das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte. Zwischen Hebenshausen im Norden und Herleshausen im Süden habe es einst 14 jüdische Gemeinden gegeben. Auch hier seien Synagogen in Flammen aufgegangen, Juden deportiert und ermordet worden. 532 Opfer des Naziterrors listete er auf, mit 103 die meisten aus Witzenhausen.

Gedenkstätte für jüdisches Leben in Abterode 

In Abterode, wo der jüdische Anteil an der Bevölkerung mit mehr als 28 Prozent am höchsten gewesen sei, wird nach den Worten des Kirchenmannes am Aufbau einer für den Werra-Meißner-Kreis zentralen Gedenkstätte für Juden gearbeitet – ein Projekt, dem sich Arnold mit Leib und Seele verschrieben hat. Nicht in der Form eines Museums, sondern mithilfe der neuen Medien sollen den nachwachsenden Generationen Leben, Kultur und Religion der Juden zeitgemäß näher- gebracht werden.

Arnold erinnerte an große jüdische Persönlichkeiten 

In seinem Vortrag erinnerte der Dekan a. D. an große jüdische Persönlichkeiten, etwa den Unternehmer Gumpert Bodenheim, der in Bad Sooden-Allendorf die weltweit erste Tütenfabrik gründete. Dessen Enkelsohn Rudolf Bodenheim wurde wegen seiner jüdischen Abstammung ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort im Jahr 1943 umgebracht. Nach dem mit Bild- und Textdokumenten untermauerten Vortrag nutzten zahlreiche Besucher des Vortrages im Allendorfer Hochzeitshaus die Gelegenheit zu Einzelgesprächen mit Dr. Arnold.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare