Feier und Verhalten könnten Nachspiel haben

Nach Corona-Ausbruch in Hübenthal: Kreis prüft mögliche Verstöße

Die Dorfstraße in Hübenthal sowie links die Einfahrt zum Oberhof und dem Seminarhaus Parimal.
+
Enge Verhältnisse: In Hübenthal leben die Menschen dicht zusammen. Mindestens 33 Menschen, die in Hübenthal wohnen oder sich dort oft aufhalten, sind laut der Kreisverwaltung jüngst positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet worden. Unser Symbolbild zeigt die Dorfstraße sowie links die Einfahrt zum Oberhof.

Die Kreisverwaltung geht mehreren Hinweisen zu Verstößen gegen Corona-Regeln in Hübenthal nach. Das teilt Kreissprecherin Sylvia Weinert auf Anfrage mit.

Hübenthal – Auch die Stadt Witzenhausen habe Hinweise, die per E-Mail eingegangen waren, weitergeleitet, so Bürgermeister Daniel Herz. Bei den Kontrollen zur Einhaltung der Quarantäneregeln kooperieren das Gesundheitsamt (Kreis) und das Ordnungsamt (Stadt) eng.

„Uns sind Sachverhalte bekannt geworden, die uns veranlasst haben, die Einleitung von Ordnungswidrigkeitsverfahren zu prüfen“, so Weinert. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne sie keine Details nennen. Bei Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz und die Corona-Regeln drohen Bußgelder bis zu 25 000 Euro. Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann sagte bereits in der Vorwoche, dass die Beweisführung dabei oft schwierig sei.

War Party privat?

Relevant ist auch die Frage, ob die Abschiedsfeier der Seminarhausleiterin am 26. September, die als Auslöser des Corona-Ausbruchs gilt, eine private Feier war. Das hatte Bernd Blanke vom Vorstand der Genossenschaft Parimal Gut Hübenthal betont. Auch die Einladung zur Feier im E-Mail-Verteiler des Dorfs, die der HNA vorliegt, legt das nahe.

Die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung des Landes Hessen (Stand: 15. August) fordert bei größeren Veranstaltungen abseits des öffentlichen Raums Mindestabstände, Hygienekonzept und Listen zur Kontaktnachverfolgung. Die Einladung bittet die Adressaten, „etwas Feines für ein Fingerfood-Buffet“ mitzubringen, kündigt Musik und einen DJ an. Hinweise zu Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand halten oder das Tragen von Masken enthält die E-Mail nicht. Die Corona-Pandemie wird nicht erwähnt, stattdessen wird der Mystiker Osho zitiert: „Zu feiern ist unser natürlicher Zustand.“

Enges Zusammenleben im Oberhof

Zudem verdichten sich die Hinweise von Lesern, dass sich Geschäftliches und Privates im Oberhof nicht so leicht voneinander trennen lassen kann, wie Blanke erklärt hatte. Sie berichten, dass im Seminarhaus zwar Regeln gegolten hätten, abends Teilnehmer und Einwohner aber viele Berührungspunkte gehabt hätten, etwa im Bistro, das von einem Mitglied des Genossenschaftsvorstands betrieben wird. Hier fand auch die Abschiedsfeier statt.

Dass Blanke auf die Meinungsfreiheit für seine Mitarbeiter in Bezug auf deren Privatleben verweist, ist rechtens. „Die Rechtsordnung gestattet es Arbeitgebern nicht, das Privatleben von Arbeitnehmern zu bestimmen“, so die Kreissprecherin.  (Friederike Steensen)

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie in unserer gedruckten Samstagsausgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare