Pia Ludwig ist Intensivschwester am Pandemiekrankenhaus Witzenhausen - Alltag in nicht alltäglichen Zeiten

Pia Ludwig Intensivschwester Pandemiekrankenhaus Witzehausen 
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Pia Ludwig ist Fach-Krankenschwester für Intensivpflege am Klinikum Werra-Meißner. Ihr Arbeitsalltag im Pandemie-Krankenhaus Witzen hausen hat sich in der Coronakrise stark verändert.

Der Alltag im Pandemiekrankenhaus in Witzenhausen ist alles andere als älltäglich. Intensivschwester Pia Pia Ludwig berichtet. 

Werra-Meißner. Von Arbeitsalltag, wie man ihn noch vor drei Monaten definiert hätte, kann im Pandemie-Krankenhaus in Witzenhausen aktuell keine Rede sein. Nicht nur für die Ärzte, sondern auch für das Pflegepersonal ist momentan alles auf den Kopf gestellt. „Der Aufwand ist durch die vielen Infektionsschutzmaßnahmen deutlich höher“, berichtet Pia Ludwig, Fach-Krankenschwester für Intensiv-Pflege.

Personal muss durchgehend Schutzkleidung tragen

Denn auf der Intensivstation, wo sie seit 15 Jahren arbeitet, muss das Personal wegen der Corona-Pandemie durchgehend Schutzkittel, Schutzbrille, Kopfbedeckung, Mund-Nasen-Maske und Handschuhe tragen – egal ob im Patientenzimmer oder auf dem Gang. In einer Schleuse legen die Mitarbeiter ihre normale Kleidung ab und die Schutzausrüstung an. „Nach 15 Minuten ist man durchgeschwitzt, das Atmen fällt durch die Maske ungleich schwerer“, sagt Pia Ludwig. Das erschwert die Arbeit. „Nach der Schicht bin ich erschöpfter als sonst. Auch fehlt es an der Möglichkeit der non-verbalen Kommunikation mit Patienten, weil das ganze Gesicht bedeckt ist.“

Mehr Todesfälle als üblich 

Dazu kommen die mentalen Belastungen. „Wir haben mehr schwere Krankheitsverläufe und auch mehr Todesfälle als sonst“, sagt Pia Ludwig. Ihr geht auch nahe, dass viele schwer kranke Patienten ihre Angehörigen wegen des Besuchsverbots nicht empfangen dürfen. „Auch wenn diese Einschränkungen natürlich richtig sind, damit sich das Virus nicht noch weiter ausbreitet.“ Und trotz allem: Pia Ludwig kommt weiter gerne an die Arbeit, obwohl sie von Mühlhausen aus eine durchaus weite Strecke zu fahren hat. „Am Beruf der Krankenschwester hat mich schon immer fasziniert, Menschen helfen zu können. Ich freue mich über kleinste Genesungsfortschritte – wenn Patienten etwa wieder lachen, sprechen oder alleine essen können, die schwer krank waren“, erzählt Ludwig. Auch diese Fälle gebe es in der momentanen Ausnahmesituation.

Großer Zusammenhalt in kleinem Krankenhaus

„Zudem ist der Zusammenhalt hier in unserem kleinen Krankenhaus extrem gut. Dadurch haben sich zuletzt viele Ängste gelegt“, sagt die Fach-Krankenschwester.

Sorge macht Sorglosigkeit mancher 

Sorge bereitet ihr eher die Sorglosigkeit mancher Menschen, die die Pandemie noch immer nicht ernst nehmen. „Es schockiert mich, dass manche sich nicht an die Kontaktbeschränkungen halten, obwohl in allen Medien zu sehen ist, wie die Lage in den Kliniken ist. Man fragt sich, wann die zweite Infektionswelle kommt und ob diese schlimmer wird als die erste. Bisher kamen wir mit der Situation hier im Pandemie-Krankenhaus aber sehr gut klar“, sagt Pia Ludwig. Da zahle sich der zweite Standort des Klinikums aus. Dankbar ist Pia Ludwig auch für die Unterstützung, die sie und ihre Kollegen in den vergangenen Wochen in- und extern erfahren haben. Nur zwei von vielen Beispielen: Die Verpflegung aus der Küche des Hauses und zwei gespendete Tablets des Lions Clubs sowie zwei weitere für den Standort Eschwege, damit Patienten mit Angehörigen Videotelefonie betreiben können.

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