Seniorenzentrum hat eine Märchenstraße für an Demenz erkrankte Bewohner gestaltet

Märchen als Gedächtnisstütze

Mit Farbe und Pinsel: Pricila Krugmann (von links), Corinna Lenz, Sascha Katzmarek, Nicole Brennsohn, Stefan Raabe, Roswitha Berger, Cornelia Bös und Uwe Westphal. Foto: privat/nh

Großalmerode. Es wird kräftig gesägt und gehämmert im Seniorenzentrum Azurit in Großalmerode. Aus einem ganz normalen Flur entsteht nach und nach eine Märchenstraße mit bunten Szenen aus den Märchen der Brüder Grimm. Sie sollen den demenzerkrankten Bewohnern helfen sich zu erinnern, heißt es in einer Pressemitteilung des Seniorenzentrums.

„Zur Biografie der Bewohner, die hier leben, gehören Märchen dazu“, sagt Roswitha Berger, Hausleiterin des Seniorenzentrums. „Ihre Eltern und Großeltern haben ihnen in ihrer Kindheit Märchen vorgelesen und später haben sie selbst den eigenen Kindern vorgelesen.“ Märchen sind ein Teil der eigenen Biografie, den fast alle der Bewohner miteinander teilen.

Bilder auch zum Fühlen

Seit Wochen gestalten die Mitarbeiter die Märchenstraße. Sie malen Märchen-Szenen auf große Holzplatten und bekleben sie mit plastischen Gegenständen. So könnten die Bewohner sich die Bilder nicht nur anschauen, sondern sie auch anfassen und fühlen. Bei Frau Holle klebt Roswitha Berger vorsichtig einige Wattebäuschen auf. Sie sollen die Schneeflocken symbolisieren. Direkt daneben hängt ein Kopfkissen an der Wand. Ohne das gibt es schließlich keinen Schnee.

Es ist schwer zu beschreiben, was sich hier für eine märchenhafte Atmosphäre entwickelt hat“, sagt eine der Angehörigen, die regelmäßig ins Seniorenzentrum kommt. Auch die Bewohner würden angesichts der bunten Märchenmotive regelrecht „auftauen“: „Es wird geschaut, getastet und manchmal kommen Worte aus einem Mund, der schon seit langem verschlossen war. Das ist sehr ergreifend“, sagt Berger. Sobald die komplette Märchenstraße fertig ist, möchten die Mitarbeiter ihre Arbeit präsentieren. Mit Vorträgen und Besichtigungen sollen andere Einrichtungen und interessierte Bürger das Konzept kennenlernen und sich von den bunten Märchenszenen verzaubern lassen. (akh)

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