Kläger sieht Merkmale eines Mords

Grillhüttenmord: Erste Plädoyers gehalten- Nebenklage fordert lebenslange Haft

Hessisch Lichtenau /Kassel. Im Mordprozess um das Tötungsdelikt an der Grillhütte Waldfrieden in Hessisch Lichtenau sind am Freitagnachmittag die ersten Plädoyers gehalten worden.

Während die Staatsanwaltschaft nach Ende der Beweisaufnahme von gemeinschaftlichem Totschlag ausgeht, besteht der Vertreter der Nebenklage weiterhin auf eine Verurteilung vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel wegen gemeinschaftlichen Mordes.

Grund: Zwei Mordmerkmale seien erfüllt worden – Heimtücke und niedere Beweggründe. Die Tatschuld ist laut Vertreter der Nebenklage, Knuth Pfeiffer, bei allen drei Angeklagten gegeben, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Für den Hauptangeklagten Sergej B. forderte die Nebenklage lebenslange Haft mit dem Zusatz der besonderen Schuldschwere. Der 28-Jährige habe eine große Aggressionsbereitschaft gegenüber des „arglosen“ Opfers Waldemar B. gezeigt. Der Getötete sei einem „feigen und hinterlistigen Mordanschlag“ zum Opfer gefallen. Das Mordmotiv soll die sexuelle Beziehung des 28-Jährigen zur Witwe des Opfers, Olga B., sein.

Auch für den 22-jährigen Vladimir G. fordert Pfeiffer eine lebenslange Haftstrafe allerdings ohne den Zusatz der besonderen Schuldschwere, weil der 22-Jährige erst zum Schluss zugeschlagen habe, um seine Solidarität zu Sergej B. zu untermauern. Die Tötungsabsicht sei aber gegeben gewesen, weil Vladimir G. mit einem Schlagstock auf das bäuchlings liegende Opfer eingeschlagen habe.

12 Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord forderte die Nebenklage indes für den dritten Tatbeteiligten. Alexandr. B. soll Waldemar B. aufgelauert und ihn zur Grillhütte gelockt haben. Da die drei Männer das Tötungsdelikt bereits am Nachmittag im Holle-Park geplant haben sollen, war er zwar nicht aktiv an der Tat beteiligt, habe den Tod des Waldemar B. aber billigend in Kauf genommen. Als Hauptbeweismittel gelten die Aussagen der Angeklagten, die sich im Zuge der polizeilichen Vernehmungen gegenseitig belastet haben. In einem Vorwort zur Besonderheit des Verfahrens ging Pfeiffer auch auf die Rolle von Olga B. ein, die er als Ursache der Tat bezeichnete.

Die Staatsanwaltschaft hatte deutlich geringere Haftstrafen gefordert. Als Hauptbeweismittel beruft sie sich vor allem auf Telefonverbindungen, Chatverläufe, Zeugenaussagen, polizeiliche Vernehmungen der Angeklagten und Spuren am Tatort. Wegen des gemeinschaftlichen Totschlags fordert die Staatsanwaltschaft für Sergej B. zwölf Jahre, für Vladimir G. neun Jahre und für Alexandr B. sechs Jahre Haft.

Die Verhandlung wird am Montag um 11 Uhr fortgesetzt.

Von Alia Shuhaiber

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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