Gegen Pläne einer großräumigen Flächenversiegelung

„Rote Linie“ gegen geplantes Logistikzentrum in Neu-Eichenberg: Hunderte demonstrieren am Wochenende

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Langer Zug in Rot: Mehrere Hundert Menschen bildeten am Samstagnachmittag bei Regen und Sturm eine „Rote Linie“, um gegen das geplante Logistikzentrum Neu-Eichenberg und die damit zusammenhängende Flächenversiegelung zu protestieren. 

Neu-Eichenberg. Mit einer Menschen- und Traktorenkette haben am Samstagnachmittag mehrere Hundert Anwohner und Unterstützer friedlich gegen das geplante Logistikzentrum südlich von Hebenshausen protestiert.

Unter dem Motto „Rote Linie gegen Flächenversiegelung“ hatten die Bürgerinitiative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg und der Bauernverband Werra-Meißner dazu aufgerufen. Dementsprechend waren viele Demonstranten rot gekleidet.

Während die Veranstalter von über 900 Teilnehmern sprachen, bezifferte die Polizei deren Anzahl auf rund 600.

Bei teils strömendem Regen und starkem Wind war es um 15 Uhr vom Eichenberger Bahnhof losgegangen. Der Zug aus Demonstranten und 32 Traktoren, die aus den Landkreisen Werra-Meißner, Göttingen und Eichsfeld kamen, zog von dort über den Bahnhofsweg bis nach Hebenshausen, genau dort entlang, wo das Logistikzentrum gebaut werden soll. Um 16 Uhr fand hier die Abschlusskundgebung statt.

Anwohnerin: Logistikgebiet teilt die Gemeinde

Aus allen Reihen gab es nur negative Stimmen zum Logistikpark. Anwohnerin Nadine Wilhelm-Israel wohnt seit 35 Jahren auf einem der beiden Höfe zwischen Eichenberg-Bahnhof und Hebenshausen. Sie sagte, das Logistikzentrum bringe die Gemeinde völlig auseinander. Manja Kunzmann von der Bürgerinitiative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg ergänzte: „Wenn man etwas mit Landwirtschaft zu tun hat, und das haben wir alle, weil wir Nahrungsmittel brauchen, dann kann man der Versiegelung von 80 Hektar bestem Ackerland nicht tatenlos zuschauen.“

Und Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, erklärte: „Wenn die Lebensgrundlagen und der Schutz der Natur und des Klimas nicht wichtiger sind als das Profitinteresse der Konzerne, dann wird Recht zu Unrecht und Widerstand zur Pflicht.“ Janßen war extra für die Demo aus dem Wendland angereist.

Kritik: Logistikpark zerstört das ländliche Idyll

Protest der Landwirte: Auch viele Bauern demonstrierten, mehr als 30 beteiligten sich mit Traktoren am Protestzug und hatten ihre Aussagen auf Bannern dabei.

„Wir sind vor 30 Jahren in diese Region gezogen, weil die Landschaft hier wunderschön erhalten ist“, sagte Hermann Merkord, der auch beim BUND engagiert ist. „Wenn in dieses Idyll ein Logistikpark gebaut würde, geht einfach etwas verloren.“ Gewerbeflächen könne man auch woanders bauen, findet er.

Ärger um das Logistikgebiet gab es bereits im Sommer, weil im Bebauungsplan keine Lärmschutzwände vorgesehen waren. Deshalb hatte sich die „Rechtsmittelfonds Interessengemeinschaft Pro Neu-Eichenberg“ (IG) gegründet.

Unter anderem gehe es darum, dass die Lärmschutzwände im geänderten Bebauungsplan wegfallen sollen,

Kreisbauernverband: Viele Hektar bester Ackerboden gehen verloren

Ziel der Bürgerinitiative und des Bauernverbandes ist es, landwirtschaftliche Flächen im Werra-Meißner-Kreis zu schützen und zu erhalten. „Die 80 Hektar in Eichenberg zählen zu den besten Ackerböden, die in Deutschland und weltweit aufzufinden sind“, heißt es. Eine Bebauung der Fläche bei Hebenshausen führe, sagte Vorsitzender Torsten Möller vom Kreisbauernverband, nicht nur zur Bodenversiegelung, sondern auch zum Verlust von Arten und zur Gefährdung der biologischen Vielfalt und beeinflusse so die gesamte Leistung des Ökosystems.

„Solche Böden zu versiegeln, ist im Hinblick auf den Klimawandel extrem kurzsichtig“, sagte auch Caroline Benzinger, Sprecherin der BI für ein lebenswertes Neu-Eichenberg. Unterstützung bekommt die Initiative von Klimaforscher Prof. Dr. Dr. Hans Joachim Schellnhuber: „Fruchtbare Böden für kurzfristige wirtschaftliche Ziele zu versiegeln, ist eine Idee von gestern.“ Ohne regionale Landwirtschaft gebe es auch keine regionalen Produkte.

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