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Großalmeröder Gruppe engagiert sich gegen Schmuck-Verbot auf Baumurnengräbern

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Von: Fabian Becker

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Engagiert: Silvia Koch setzt sich mit einer Großalmeröder Gruppe dafür ein, dass bei den Baumurnengräbern weiterhin Blumen niedergelegt werden dürfen.
Engagiert: Silvia Koch setzt sich mit einer Großalmeröder Gruppe dafür ein, dass bei den Baumurnengräbern weiterhin Blumen niedergelegt werden dürfen. © Fabian Becker

Die neue Regelung, dass auf Baumurnengräbern nichts mehr abgelegt werden darf, erzürnt eine Gruppe von Großalmerödern.

Großalmerode – Bis Ende Februar muss alles weg. Auf den Baumurnengräbern in Großalmerode dürfen dann nach der neuen Friedhofssatzung keine Blumen und Dekorationen mehr auf den Gräbern liegen. Einzige Ausnahme sind die ersten 14 Tage nach der Bestattung. Egal ob Totensonntag, Geburtstag oder Todestag der Verstorbenen: Die Gräber müssen ungeschmückt bleiben.

Dagegen engagiert sich nun eine Gruppe betroffener Angehöriger aus der Kernstadt.

Deren Mitglieder sind Anfang des Jahres mit einem Schreiben von der Stadt darüber informiert worden, dass sie den Grabschmuck bis zum 28. Februar entfernen sollen. Ansonsten übernehme das die Stadt. „Eine Frechheit“, sagen immer wieder Mitglieder beim Pressetermin. Sie hätten vorab informiert werden müssen. Einige haben deshalb bei der Stadt angerufen. Oft habe sich niemand zuständig gefühlt. Und wenn, habe es geheißen: Da sei nichts zu machen, es handele sich um eine Entscheidung des Magistrats und der Stadtverordneten. Doch diese Begründung reicht den Betroffenen nicht. Sie wollen ihren Grabschmuck über Ende Februar hinaus stehen lassen.

Eine Betroffene ist Silvia Koch. Ihr Vater Siegfried Heise ist vergangenes Jahr gestorben. „Er war in der Stadt bekannt“, sagt sie. „Oft legen Menschen etwas auf das Grab, von denen ich gar nicht weiß, wer das war.“ Das könne sie nicht ständig kontrollieren. Zudem wehe Grabschmuck von anderen Gräbern herüber. Auch Klaus-Peter Bosold gehört zu der Gruppe. Auslöser für die Änderung sei der Friedhof in Laudenbach gewesen, wo oft zu viel Dekoration gelegen habe. „Das ist nicht vergleichbar mit der Kernstadt“, sagt er. „Sollte es Probleme geben, kann die Stadt die Angehörigen jederzeit ansprechen.“

Die Baumurnengräber werden seit 2020 alternativ zum Friedwald angeboten, sagt Bürgermeister Finn Thomsen. Auch dort sei kein Grabschmuck erlaubt. „Es war angedacht, zumindest ein bisschen zu zulassen.“ In der Friedhofskommission habe aber Einigkeit über eine satzungsrechtliche Klarstellung bestanden. Denn: „Über den Zustand der einzelnen Grabstätten sind insbesondere vom Friedhof Kernstadt zahlreiche Beschwerden an die Friedhofsverwaltung herangetragen worden.“ Die Pflanzen, die bodendeckend wachsen sollen, würden durch Grabschmuck massiv eingeschränkt, immer häufiger entfernt und durch Blumen ersetzt. Das führe zum Unmut von Ehrenamtlichen, die sich bei der Errichtung und Pflege engagieren. „Es wurde festgestellt, dass nur ein Verbot Klarheit bringen wird.“

Das wurde in der Stadtverordnetenversammlung im Dezember beschlossen und in der HNA und auf der Internetseite der Stadt bekannt gemacht, so Thomsen. „In der schriftlichen Benachrichtigung im Januar wurde eine großzügige Frist zur Beseitigung von Grabschmuck bis Ende Februar gesetzt.“ Werde sie nicht eingehalten, erfolge die Entfernung des Grabschmucks ab Mitte März – für die Betroffenen kostenfrei. Das Ablegen von Grabschmuck sei aber keine Ordnungswidrigkeit, eine Kontrolle der Gräber durch Angehörige nicht nötig.

Zu dem Vorwurf, die Angehörigen seien beim Anruf von der Stadt abgewiegelt worden, sagt Thomsen: „Die meisten Anrufe dauerten länger als eine Viertelstunde, in der die Gründe dargelegt wurden.“ Es sei erklärt worden, dass abgelegte Blumen zeitnah entfernt würden. „Die meisten Anrufer haben sich bedankt und konnten die Änderung nachvollziehen.“ (fab)

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